So läuft es an der Brückenbaustelle Sölder Straße

A1 in Lichtendorf

Das LKW-Brummen von der A1 dringt unablässig durch die offene Tür. Sein Container-Büro stellt Carsten Freitag immer da auf, wo der Landesbetrieb Straßen NRW baut. Für die nächsten zwei Jahren steht es neben der Autobahnbrücke über die Sölder Straße in Schwerte-Lichtendorf. Uns hat er erklärt, wie sein Alltag aussieht.

LICHTENDORF

, 04.09.2017, 18:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aktenschrank, Küchenblock, zwei Schreibtische. An der Wandgarderobe hängen orangene Warnwesten und ein weißer Schutzhelm. Davor sind sechs Konferenztische zusammengeschoben. Diese Fläche braucht der Bauüberwacher auch, um seine großformatigen Pläne und Zeichnungen auszubreiten.

Doch jetzt schiebt er erst einmal verschiedenfarbige DIN-A4-Blätter auf der Platte hin und her, um das Vorgehen beim Neubau der maroden Autobahnbrücke zu erklären. „Ich habe lang überlegt, wie ich Ihnen das zeigen kann“, sagt er, indem er ein blaues Papier neben das weiße legt, das die jetzige Autobahn markiert.

A1 muss sechsspurig bleiben

In einem ersten Schritt werde die südliche Seite (zum Gartencenter Pötschke hin) um zwei Meter verbreitert, um den gesamten Verkehr in beiden Richtungen aufzunehmen. „Wir müssen während des ganzen Baugeschehens immer sechs Spuren beibehalten, weil 125.000 Fahrzeuge pro Tag über die Autobahn rollen,“ erklärt Freitag.

Später werden sie – die bunten Blätter bewegen sich wieder – das auf der neugebauten nördlichen Brückenhälfte tun, während die südliche abgerissen und neu gebaut wird. „Die Verkehrsführungen ändern wir nachts“, sagt Freitag. Abgestimmt mit anderen Baustellen, damit der Verkehr auf dem Autobahnnetz nicht noch mehr gebremst wird. 

Freitag ist immer zur Stelle

Der Baustellenüberwacher ist dann natürlich dabei. Er kennt keine 40-Stunden-Woche. Ist immer zur Stelle, wenn er gebraucht wird, um zu koordinieren.

Auf engstem Raum wieseln auf seiner Baustelle ein Dutzend Bagger und noch mehr LKW herum. Während unter der Brücke ein Teil der tiefergelegten Sölder Straße plan gezogen wird, knabbert oben ein Meißelbagger die Reste der abmontierten Lärmschutzwand ab.

Aus Gräben ragt ein Gewirr aus Kabeln, die Stadtwerke und Telekom umlegen mussten. Kaum eines lag an der Stelle, wo es auf den Bestandsplänen eingezeichnet war.

Drei Rettungsrampen müssen gebaut werden

Als wäre die Aufgabe nicht schon knifflig genug, hat Freitag mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen. Damit die Feuerwehr im Notfall rasch in den staugefährdeten Baustellenbereich eilen kann, werden von außen drei Rettungsrampen die Autobahnböschung hinauf gebaut: „Zwei in Richtung Köln und eine in Richtung Bremen.“

Außerdem müsse der An- und Abtransport des Materials möglichst über die Autobahn erfolgen, um die Anwohner zu schonen. Allein 20.000 Kubikmeter Erdaushub wollen bewegt werden – so viel wie für 80 vollunterkellerte Einfamilienhäuser.

"Es ist eine Massenschlacht"

„Es ist hier wirklich eine Massenschlacht – mit vielen Fahrzeugen“, erklärt Freitag. Trotzdem strahlt der 47-Jährige eine gehörige Portion Gelassenheit und Zuversicht aus. Er hat schon viele Baustellen überwacht, seit er 1998 zu Straßen NRW kam. War am Weiterbau der A4 vom Olper Kreuz in Richtung Kreuztal beteiligt, an der Lennebrücke in Finnentrop und bei unzähligen Instandsetzungen und Straßenbauten.

„Ich bin mit Leib und Seele Brückenbauer“, erklärt der Bauingenieur, dem keiner so schnell etwas vormachen kann. Schließlich hat er zuvor als Maurer sein Handwerk von der Pike auf gelernt: „Deshalb hat man mich wohl dazu auserkoren, dieses nette Bauwerk zu machen.“

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