So wünschte man 1929 alles Gute zum Muttertag

Schwerter Fundstück

Schon lange bereiten Kinder ihren Müttern an einem Tag im Jahr eine besondere Freude. Bereits in der Weimarer Republik gab eine breit angelegte Kampagne, um den Muttertag populär zu machen. Das belegt auch ein historisches Fundstück, das wir in einem Second-Hand-Laden erstanden haben - mit Schwerter Wappen.

SCHWERTE

, 10.05.2015, 15:03 Uhr / Lesedauer: 1 min

Bohnenkaffee war etwas Besonderes, wertvoll und zum Genießen. Eine Tasse wurde zelebriert. So wurde die Kaffeetasse auch zum Zeichen für Wertschätzung und avancierte zum Sammelobjekt. Das in einem Second-Hand-Kaufhaus in Iserlohn gefundene Modell aus dem Jahre 1929 ist also Ausdruck der damaligen Zeit.

Tasse war wohl Auftragsarbeit

Doch ein besonders wertvolles Stück ist es nicht, meint der Leiter des Ruhrtalmuseums John Loftus. „Die Verarbeitung ist nicht sonderlich exakt“, meint er. In den Katalogen des Museums sei das gezeigte Markenzeichen nicht zu finden. „Es scheint sich um eine Auftragsarbeit gehandelt zu haben.“ Das Material sei nicht besonders fein, die Form modern und schlicht. Und damit eben eher praktisch orientiert.

Das Bauhaus in Dessau, eine damals einflussreiche Kunstschule, propagierte ebenfalls die schlichte Formensprache. Schnörkel sind hier nicht zu finden. Trotzdem: Von Wertschätzung zeuge der Goldrand und der lokalpatriotische Wappenschmuck auf der Frontseite der Schwerter Tasse.

Muttertag wurde in 1920ern populär gemacht

„Es ist immer wieder spannend, sich auf Spurensuche zu begeben“, meint der studierte Archäologe John Loftus. Es könne seiner Meinung nach gut sein, dass noch mehrere Tassen in Schwerte im Umlauf sind.

Eine groß angelegte Kampagne des Bundes der Volksgesundung sorgte damals in den 1920er-Jahren mit Schriften und Artikeln für eine Verbreitung des Muttertages. So wurden Postkarten mit Lobgedichten gedruckt, Tassen gefertigt und für die Wertschätzung der Frau geworben.

Davon zeugt auch ein Dokument, das ebenfalls im Schwerter Stadtarchiv lagert: In der Schwerter Tageszeitung vom 11. Mai 1929 finden sich Werbeanzeigen und Lobeshymnen auf die Leistungen der Mutter. Kunstpostkarten und Alabasterschalen werden angepriesen. „Der wahre Frauenberuf aber besteht darin an der Seite des Mannes Priesterin an seinem Herde und Mutter seiner Kinderschar,“ zu sein, äußerte sich die Vereinigung in der Denkschrift von 1927.

Sammeltassen
Sammeltassen wurden bereits seit der Biedermeierzeit gerne geschenkt. Mit Sinnsprüchen und Erinnerungsdaten versehen, waren sie weniger für den täglichen Gebrauch als vielmehr für die Vitrine gedacht. Die Markenzeichen auf den Tassenböden lassen die Hersteller erkennen.

 

Lesen Sie jetzt