Sparkasse bietet in Westhofen nur noch den Geldautomaten - Kunden sammeln Unterschriften

rnKeine Kontoauszüge, keine Überweisungen

Bargeld können Kunden der Sparkasse in Westhofen seit Donnerstag wieder bekommen. Überweisungen und Kontoauszüge sind aber nicht mehr möglich. Dagegen laufen jetzt Kunden Sturm.

Westhofen

, 05.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Total überrascht waren viele Westhofener, als am Donnerstag plötzlich das Service-Center von Sparkasse und Volksbank in Westhofen an der Amtsstraße wieder geöffnet hatte. Nachdem in der Nacht zum 11. Dezember unbekannte Täter den Automaten der Sparkasse gesprengt und dadurch einen Brand in der Halle ausgelöst hatten, war die Filiale wochenlang nicht nutzbar. Die Täter konnte die Polizei bis heute nicht ermitteln. Die Sanierung war aufwendig und dauerte fast vier Monate. Zudem habe die lange Lieferzeit des neuen Geldautomaten die Wiedereröffnung der Filiale verzögert, hieß es am Donnerstagnachmittag in einer Pressemitteilung der Sparkasse.

Die Wiedereröffnung am Donnerstag kam für viele Kunden unerwartet. „Wir wohnen schräg gegenüber und haben jeden Tag auf ein Hinweisschild gewartet“, so Rita Scheuer. „Hätte ich gewusst, dass die am Donnerstag wieder aufmachen, hätte ich nicht Mittwoch noch nach Holzen mit dem Auto fahren müssen.“ Auch Gabi Weck hatte noch nicht mit der Eröffnung gerechnet: „In der vergangenen Woche habe ich mich in der Hauptstelle erkundigt, da sagte man mir, es dauere noch.“ Und was eigentlich für die Sparkassenkunden in Westhofen eine gute Nachricht sein sollte, geht einher mit einem faden Beigeschmack.

Service-Terminal und Auszugsdrucker sind weg

Denn in der Filiale stehen jetzt nur noch ein Geldautomat der Volksbank und einer der Sparkasse. Das Service-Terminal der Sparkasse zum Tätigen von Bankgeschäften und der Kontoauszugsdrucker wurden nicht wieder aufgestellt - ohne Hinweis an die Kunden. „Dass das so klammheimlich geschieht, zeigt wie mit uns Kunden umgegangen wird“, empört sich Gabi Weck. Am Freitagvormittag sammelten sich schnell verärgerte Kunden vor der Sparkassen-Filiale, um in Gesprächen ihrem Unmut Luft zu machen.

Die beiden Geräte seien durch den Brand in der Filiale zerstört worden, so Sparkasse-Sprecher Stefan Knoche. Außerdem hätte die Analyse der Zahlen gezeigt, dass sie nicht viel genutzt worden seien. Eine Neuanschaffung der Geräte hätte sich daher nicht rentiert. Westhofener, die kein Online-Banking machen, könnten ja weiterhin die Sercive-Terminals in der Hauptstelle (rund 4,5 Kilometer Entfernung), am Markt (4,3 Kilometer), in Schwerte-Ost (6,4 Kilometer) oder Villigst (6,6 Kilometer) nutzen.

Filiale in Ergste bleibt bis Juni gesperrt

Der Geld-Automat in Ergste ist nach einer Sprengung im Januar noch immer nicht nutzbar. Auch dort hängt die Sparkasse wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers in der Luft. „Die Filiale Ergste werden wir bedauerlicherweise frühestens im Juni eröffnen können“, so Ulrich Bartscher, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse.

Dass die Service-Automaten in Westhofen nur wenig genutzt wurden, kann Gabi Weck nicht glauben: „Wann immer ich dort war, musste ich anstehen oder es standen schon wieder Kunden hinter mir.“ Und Prof. Dr. Werner Sperling, der trotz seiner 88 Jahre Online-Banking macht, geht es um den Service-Gedanken: „Es kann doch nicht sein, dass die Sparkasse in einem Vorort mit 6000 Einwohnern keinen Service mehr bietet.“ So sieht es auch Francesco Pacello (67), der seit 50 Jahren Sparkasse-Kunde ist: „Ich zahle monatlich 9,99 Euro für einen Service, den ich vier Monate nicht in Anspruch nehmen konnte und den es jetzt auch nicht mehr geben wird. Ich zahle 100 Prozent Gebühr für weniger Service.“

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Hauptstelle für Senioren nicht leicht anzufahren

Ilse Strehlke (80) weiß, „gerade für die Senioren mit kleiner Rente sind die Auszüge wichtig, um den Kontostand im Blick zu haben.“ Und die Parkplatzsuche in der Innenstadt sei ja auch nicht leicht, der Parkplatz hinter der Sparkasse gerade für Senioren nicht leicht anzufahren, da er sehr eng und in der Eintrachtstraße die Fahrbahn durch parkende Autos beschränkt sei. Sparkasse-Kundin Gisela Mörke: „Trotzdem werden ältere Leute jetzt gezwungen, wieder nach Schwerte zu fahren.“ Gabi Weck sagt: „Ich bin noch knapp unter 60, aber ich will mich einfach nicht zum Online-Banking zwingen lassen. Und ich kenne so viele, die nicht mehr mobil sind, aber auch kein Internet haben und wollen.“ .

Gabi Weck startet Unterschriften-Aktion

Kurzentschlossen will Gabi Weck nun eine Unterschriftenaktion ins Leben rufen. Sie hofft, damit für ein Umdenken in der Schwerter Sparkasse zu sorgen. Dafür erhielt sie bereits am Freitag bei Gesprächen mit anderen Kunden an der Amtsstraße viel Zuspruch. Am Sonntag, 7. April, wird Gabi Weck ab 11 Uhr an der Sparkasse und auf der Amtsweise mit der Unterschriften-Sammlung beginnen. Unterstützer können mit ihr in Kontakt treten: gabiweck@yahoo.de, Tel. 02304-4689743.

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