Spendendose für den kranken Anton (2) gestohlen - Brand-Vital-Mitarbeiterin ist „entsetzt“

rnMasche mit Übersetzungs-App

„Ich bin entsetzt, dass man eine Spendendose klaut, auf der ein Junge im Rollstuhl zu sehen ist“, heißt es bei Brand Vital in Schwerte. Eigentlich sollte das Geld beim kranken Anton landen.

Schwerte

, 04.04.2019, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da waren nicht nur Münzen drin. Wir hatten auch schon einige Kunden, die einen Schein in die Dose gesteckt hatten.“ Wie viel Geld genau in der Spendendose für den zweijährigen Anton (2) war, weiß Andrea Vorschütz-Nörenberg natürlich nicht. Aber die Teamleiterin des Sanitätshauses Brand Vital an der Bahnhofstraße in Schwerte vermutet: Wenig wird es nicht gewesen sein.

Am Dienstag, 4. April, um 13.30 Uhr kamen zwei Männer ins Geschäft, beide um die 20 Jahre alt, in sportlicher Kleidung. Ihre Geschichte: Sie sprächen nicht gut Deutsch, aber hätten hier diese Übersetzungs-App auf dem Smartphone. Und sie benötigten ein Hilfsmittel für ein Kind.

Was genau? Das müsste man hier eintippen, dann könne man sich verständigen. Vorschütz-Nörenberg konnte erkennen, dass als Ausgangssprache Rumänisch eingestellt war. Zu viel mehr Kommunikation sei es im Laufe der nächsten zehn Minuten aber nicht mehr gekommen.

Männer erklärten: Kommen später mit Dolmetscher wieder

„Der eine meinte dann, man wolle lieber mit einem Dolmetscher wiederkommen.“ Sonderlich ungewöhnlich sei ihr diese Geschichte bis dahin nicht vorgekommen, sagt Vorschütz-Nörenberg. Dass Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen, ins Sanitätshaus kommen, sei nicht ungewöhnlich. Hilfsmittel bräuchten ja alle.

„Als die draußen waren, ist mir aber sofort aufgefallen: Irgendetwas fehlt.“ Und schnell war klar: Die Spendendose für den kleinen Anton fehlt. Die, mit der Geld gesammelt wird für den Zweijährigen, der an der Muskelkrankheit SMA (Spinale Muskelatrophie) leidet. Anton wird wohl nie selbst laufen können, ist auf teure Hilfsmittel angewiesen und muss immer wieder zu Behandlungen.

Schon zehntausende Euro für ein neues Auto gesammelt

Das Geld benötigt Antons Familie, die in Dortmund-Höchsten wohnt und Wurzeln in Schwerte hat, vor allem für ein neues größeres Auto. Das muss eine gewisse Größe und spezielle Einbauten haben und möglichst viele Jahre fahren können, damit sich die Investition lohnt.

Seit dem ersten Spendenaufruf im Sommer 2018 hat dieses Schickal viele, viele Menschen bewegt. Es gab Aktionen in Schwerte, im Dortmunder Süden, in der gesamten Region. Zehntausende Euro kamen bisher zusammen.

Auch durch das Geld aus den Spendendosen, die in mehreren Geschäften in der Schwerter Innenstadt stehen. Zum Beispiel schräg gegenüber von Brand Vital bei Bäcker Becker. Dort sind die Dosen angekettet - aus gutem Grund, wie die Verkäuferinnen erläutern. Auch hier sei schon geklaut worden.

Polizei: Spendenboxen-Diebstahl gibt es selten

„Es gibt keine eklatante Häufung dieser Fälle“, analysiert Polizeisprecher Thomas Röwekamp nach einem Blick in die Zahlen. Aber die Masche, dass einer ablenkt und der andere stiehlt, gebe es regelmäßig. Meistens seien die Täter dann auf den Inhalt der Kassen in Geschäften aus. Hin und wieder kämen allerdings auch Spendenboxen weg, sogar manchmal Trinkgeldkassen aus Kindergärten, so der Polizeisprecher.

Im Fall der gestohlenen Dose für Anton bleibt immerhin die Hoffnung, dass man die Taten später einmal einigen Verdächtigen zuordnen könnte. Der Laden werde videoüberwacht und die Gesichter seien wohl erkennbar, unterstreicht Teamleiterin Andrea Vorschütz-Nörenberg. Und auf dem Video sei auch zu sehen, wie einer der beiden Männer, die sie ins Gespräch verwickelten, die Spendendose einsteckte.

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