Spezial-Zug wäscht Schotter in Schwerter Gleisbetten

Im Video

30 Jahre lag der Schotter ungestört unter den Schienen zwischen Westhofen und der Schwerterheide. Mit der Ruhe ist seit dieser Woche Schluss: Sie werden gerüttelt, gegen Stahlplatten geschleudert und gewaschen. Möglich macht das ein 25 Millionen Euro teurer Spezialzug. Wir haben ein Video von dem Ungetüm im Einsatz.

WESTHOFEN

, 18.08.2017, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Höllenlärm dringt aus dem gelben 400-Meter-Lindwurm, der sich parallel zur Hagener Straße mit 180 Stunden-Metern vorarbeitet. Und neben der Maschinenanlage wird die schwüle Luft noch heißer – erst recht, wenn man die dicke Warnweste tragen muss. Denn auf dem einzigen Gleis nebenan, hinter der schützenden Absperrung, rauscht der gesamte Zugverkehr zwischen Hagen und Schwerte vorbei.

Die beiden anderen Gleise lässt die Deutsche Bahn in den Sommerferien auf elf Kilometern Länge komplett erneuern. Nicht nur Schienen und Betonschwellen, sondern auch den gesamten Untergrund. „Die Hohlräume zwischen dem Schotter setzen sich mit der Zeit zu“, erklärt Pressereferent Florian Kreibe.

Schottersteine müssen scharfe Kanten haben

Bremsabrieb und Pflanzenteile erschweren, dass der Regen im Gleisbett versickern kann. Zudem hat das Ruckeln der Züge die Steine rund geschliffen. Sie müssen aber scharfe Ecken haben, um sich fest miteinander zu verkanten. Deswegen werden sie nicht nur gesiebt, sondern gegen die Stahlplatten „geprallt“, wie die Bahnleute sagen.

„Die Bettungsreinigung machen wir schon seit Ende der 1950er-Jahre“, berichtet Kreibe: „Ab 2000 haben wir das Konzept aber verfeinert.“ Statt den Altschotter mit LKW zu einem Recyclingwerk zu fahren, erledigt ein Zug diese Aufgabe vor Ort - einer der drei einzigen Exemplare in ganz Deutschland. Eine Förderkette kratzt die Steine unter den Schienen weg. Anschließend laufen sie über Förderbänder zu den Aufbereitungsstationen, bevor sie wieder zwischen die neuen Schwellen fallen.

Recycling spart rund 150.000 LKW-Straßenkilometer

Sechs Mann Besatzung genügen, um 25.000 der 42.000 Tonnen Schotter auf der Schwerter Strecke wieder aufzubereiten. Nur der Rest muss neu zugekauft werden. Das spart nicht nur 15 bis 20 Euro pro Tonne Neuschotter, sondern vor allem rund 2000 Fahrten mit LKW-Sattelzügen und damit etwa 150.000 Straßenkilometer, wie Kreibe beim Pressetermin im Baubüro am Rosenweg vorrechnet.

Dort haben sich die Bahn-Experten vorübergehend in einem früheren Spielzeugladen eingemietet. Pünktlich zum 30. August wollen sie zur nächsten Baustelle weiterziehen. Vermutlich ohne spektakuläre Entdeckungen in den Sieben der Maschine. „In Holland, da haben wir schon einmal Munitionsreste gefunden“, berichtet Maschineneinsatz-Leiter Ralf Gruner.

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