Stadt und Behörden zanken sich schon seit zwei Jahren um die Sanierung des Dioxin-Bodens

rnSpielplatz-Not in Schwerte-Ost

Taurig blicken Kinder durch den Bauzaun auf den größten Spielplatz der Kreinbergsiedlung. Wann das Gitter verschwindet, ist ungewiss. Auch der andere Spielplatz war zuletzt kaum nutzbar.

Schwerte-Ost

, 25.06.2019, 14:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wohin auf die Schaukel gehen in Schwerte-Ost? Der eine Spielplatz in der Siedlung gehört der Stadt. Er wartet schon seit fast zwei Jahren auf seine Sanierung. Der andere Spielplatz in der Siedlung gehört der Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft (EWG). Er wurde umgehend in Schuss gebracht, nachdem Mütter bei Facebook über seinen Pflegezustand gewettert hatten. Zugegeben war die Aufgabe für die EWG auch erheblich leichter. Ihre Gärtner mussten in erster Linie wucherndes Unkraut auf der Fläche an der Straße Am Quickspring beseitigen. Die Stadt dagegen muss sich auf der Fläche gegenüber vom Gehrenbachsee mit giftigen Altlasten im Boden herumschlagen. Den Kindern von Schwerte-Ost sind die Gründe egal. Sie wollen nur eins: Endlich wieder richtig Platz zum Spielen haben.

Gärtner können dem wuchernden Unkraut derzeit kaum Herr werden

„In der letzten Woche sah es dort wirklich schlimm aus“, sagt EWG-Geschäftsführer Marcus Droll über den genossenschaftseigenen Spielplatz neben dem früheren Markant-Markt. Aber bei der derzeitigen Wetterlage könne man den Grashalmen fast beim Wachsen zusehen, so dass das eigene Grünpflegeteam mit der Arbeit kaum nachkomme. Denn der Gärtner, unterstützt von drei Teilzeitkräften, muss viele Flächen in der Kreinbergsiedlung in Schuss halten, die ja nicht umsonst als Gartenstadt gilt. Dazu gehört auch die Pflege der unzähligen Hecken-Meter.

Stadt und Behörden zanken sich schon seit zwei Jahren um die Sanierung des Dioxin-Bodens

Auf Klagen über wild sprießendes Unkraut umgehend reagiert hat die Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft und ihren Spielplatz Am Quickspring in Ordnung gebracht. © Reinhard Schmitz

„Wir haben schon mit den Gärtnern gesprochen, damit sie das Hauptaugenmerk auf die öffentlichen Flächen legen“, berichtet Droll. Außerdem werde auf dem Spielplatz der Sand, über dessen Verschmutzung mit Katzenkot geklagt wurde, regelmäßig ausgetauscht und gereinigt. Wenn freilaufende Tiere die Übeltäter sind, könne die Verunreinigung aber immer wieder passieren.

Die scheint aber recht harmlos im Vergleich zu dem, was unter der Oberfläche des Spielplatzes unten an der Lichtendorfer Straße schlummert. Dort war in den 1960er-Jahren wie vielerorts als billiger Untergrund ein Abfallprodukt aus der Kupfergewinnung, das sogenannte Kieselrot, eingebaut worden. Der Stoff geriet aber Ende der 1980er-Jahre in Verruf, als in ihm giftige Dioxin-Rückstände entdeckt wurden. Zum Schutz der Kinder hielt man es damals für ausreichend, das Gelände mit einer dicken Erdschicht zu überdecken. Nur wurde die im Laufe der Zeit von Regen und Wind sowie durch das Spielen wieder abgetragen. Im September 2017 ließ die Stadt den Spielplatz deshalb sperren.

Stadt hatte schon vor einem Jahr erklärt: Jetzt reicht´s

Seitdem dauert das Gezerre mit anderen Behörden um den Austausch des Bodens an. Passiert ist in Schwerte-Ost aber in fast zwei Jahren nichts. Hinter dem Bauzaun, der das Gelände abriegelt, hat das Unkraut mittlerweile fast die oberen Teile der Rutsche erreicht. Hoffnung keimte auf, als das Jugendamt im September vorigen Jahres erklärte, dass es der Stadt jetzt reiche. „Wir wollen die Akteure final an den Tisch kriegen“, hatte Leiter Andreas Pap damals angekündigt.

Jetzt heißt es auf Anfrage aus dem Rathaus, dass der Prozess „doch etwas langwieriger als ursprünglich angenommen“ sei. „Weil (...) verschiedene Behörden wie die Bezirksregierung in Arnsberg oder die Untere Bodenbehörde beim Kreis Unna beteiligt sind, erfordert das ein hohes Maß an detaillierter Abstimmung“, erklärt Stadt-Pressesprecher Ingo Rous. Außerdem seien noch weitergehende Gutachten nötig. Es wird aber versichert: „Der Stadt Schwerte ist sehr daran gelegen, den Spielplatz so schnell wie möglich und so gründlich saniert wie erforderlich wieder zu öffnen.“ Wann das genau sein wird, konnte der Sprecher nicht sagen. Ob der Bauzaun auch noch seinen dritten Geburtstag am Gehrenbachsee erlebt? Aus Kostengründen drängt sein Abbau jedenfalls nicht. Er wurde in weiser Voraussicht von vornherein nicht gemietet, sondern sofort für 6000 Euro gekauft.

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