Das Haus Binnerheide 15 war das erste der Häuser. Die Stadt hatte es bereits 2015 gekauft. Mittlerweile ist es weiter verkauft. © Heiko Mühlbauer
Gewerbegebiet

Stadt zahlte mehrere Millionen für Wohnhäuser auf der Binnerheide

Wie viel Millionen Euro hat die Stadt für den Ankauf von Wohnhäusern in der Binnerheide ausgegeben und was passiert mit den Immobilien? Die Stadtverwaltung antwortet auf diese Fragen.

2015 begann die Stadt Schwerte damit, Privathäuser an der Binnerheide zu kaufen. Nicht, weil man die Immobilien nutzen wollte, sondern um sie freizuziehen. Denn die Wohnungen hätten die Nutzung des Industrie- und Gewerbegebiets dort verhindern können. Schuld daran ist ein fehlerhafter Bebauungsplan aus dem Jahr 1966.

Insgesamt sieben Häuser, die als Wohnhäuser genutzt wurden, hat die Stadt im Gewerbegebiet Binnerheide gekauft. Zusätzlich werden dort Immobilien als Flüchtlingsunterkunft genutzt. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Auf Anfrage der Redaktion äußerte die Stadt sich jetzt erstmals zu den Kosten der Aktion und was aus den nun gekauften Grundstücken werden soll. Denn günstig war die Aktion nicht. Exakt 3.393.648,02 Euro musste man für die sieben Immobilien bezahlen. Angesichts der Häuser und der Grundstückpreise im Gewerbegebiet trotz der hohen Immobilienpreise derzeit ein stolzer Preis.

Ein Haus wird schon wieder als Wohnraum genutzt

Was macht die Stadt nun mit ihren neuen Gebäuden? Zumindest das Haus Binnerheide 15, das man 2015 als erstes gekauft hatte, wurde weiterverkauft und wird wohl wieder als Wohnung genutzt. Das sei auch kein Problem, erläutert die Stadt schriftlich auf unsere Anfrage. Im Rahmen des neu aufzustellenden Bebauungsplans (B-Plan Nr. 196 Binnerheide) werden nur Betriebswohnungen zugelassen, keine reinen Wohnnutzungen.

Das ist wohl auch in diesem Fall so. Das Haus nebst einem benachbarten Grundstück ging an einen Schaustellerbetrieb, der auch eine große Halle dort errichtet hat.

Nachfrage nach Gewerbeflächen ist groß

Warum wartet man mit Verkauf und neuer Nutzung nicht, bis es einen gültigen Bebauungsplan gibt? Ein Verkauf vor dem Satzungsbeschluss sei deshalb unkritisch, weil im Rahmen der Verlaufsverhandlungen und Vertragsgestaltung gezielt nur solche Nutzungen zugelassen werden können, die auch den späteren Festsetzungen (Gewerbe- und Industriegebiet) des Bebauungsplans entsprechen. Und weil aktuell die Nachfrage nach gewerblichen Flächen in Schwerte so groß sei, wolle man die Grundstücke teilweise auch vor dem Satzungsbeschluss vermarkten.

Wohnraum muss untergeordnete Nutzung sein

Was allerdings mit den restlichen Grundstücken passieren soll, könne man aktuell nicht sagen. Rein rechtlich steht aber fest, dass die Betriebswohnungen dort nur eine untergeordnete Nutzung sein dürfen. Hauptsächlich müsse das Grundstück für einen gewerbe- oder Industriebetrieb genutzt werden.

Fehler wurde bereits 1966 gemacht

1966 hatte die Stadt einen Bebauungsplan für die Binnerheide aufgestellt, dabei waren aber Rat und Verwaltung ein Formfehler unterlaufen. Das war später aufgefallen und per Gerichtsbeschluss wurde der Bebauungsplan aufgehoben. So entstanden Zug um Zug dort neben den Betrieben auch Wohnhäuser, zumal es dort bereits zumindest ein Wohnhaus im Vorfeld gab. Als Ültje Ausbaupläne hegte, die einem Teil der Wohnbebauung zuwider liefen, begann man mit der teuren Rückkauf-Aktion.

Ganz beendet ist die aber nicht, weil eines der Häuser immer noch bewohnt ist. Bis 2023 müsse der Bewohner laut Vertrag ausziehen, so die Stadt. Erst dann könne der neue Bebauungsplan verabschiedet werden.

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Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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