Stahlfirma Zapp nutzt altes Ceresit-Werk für Neuordnung der Standorte in Unna und Ergste

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Mit der Übernahme des benachbarten „Ceresit“-Grundstücks bereitet die Stahlfirma Zapp das Feld für weiteres Wachstum – am Standort Unna, aber auch in Schwerte-Ergste.

Unna, Schwerte

, 15.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am früheren Produktionsstandort der Baustoffmarken Ceresit und Thomsit in Unna werden die Arbeiten an der Demontage der Anlagen allmählich auch für Außenstehende sichtbar. Neben dem Turmgebäude war zu Beginn der Woche ein Kran in Stellung gegangen. Die Hochsilos auf dem Dach sind verkauft worden, sollen von den künftigen Nutzern ausgebaut werden. Der Abbruch des eigentlichen Turmgebäudes erfolgt danach.

Unterdessen bereitet der bisherige Nachbar Zapp Pläne für die Übernahme der Liegenschaft vor. Seit Jahresbeginn befindet sich die vier Hektar große Fläche schon im Eigentum des Metallspezialisten. Für Zapp ist der Rückzug Henkels eine gute Gelegenheit, neue Wachstumsmöglichkeiten an den Standorten in Unna und dadurch auch in Schwerte-Ergste zu erschließen.

Vor Jahrzehnten war es die Zapp-Gruppe, die Ceresit eine Fläche verkaufte, damit dort der große Turm entstehen konnte. Als sich das Aus für den Baustoffproduzenten nebenan abzeichnete, fühlte Zapp zunächst vor, ob das Werk in Unna diese Teilfläche zurückbekommen könne. Dann aber wechselte die komplette Liegenschaft zu Zapp.

Zapp veredelt Stähle für verschiedenste Anwendungen

Zapp ist ein Spezialist für die Kaltumformung von Metallen für die Weiterverarbeitung in den verschiedensten Branchen. Vom Clip eines Montblanc-Füllers bis zur Einspritzdüse eines Benzin-Motors oder der Endoprothese in der Orthopädie reicht die Bandbreite von Werkstücken, für die Zapp das Vorprodukt liefert. Manche Zapp-Lieferungen kommen allerdings auch dort zum Einsatz, wo von außen kein Metall vermutet würde – etwa in OLED-Bildschirmen oder im Bildstabilisator einer Smartphone-Kamera.

Inzwischen hat das Unternehmen weltweit 15 Standorte mit 1300 Mitarbeitern. Unna ist nach Schwerte-Ergste der zweitgrößte Produktionsstandort. 250 Beschäftigte bearbeiten dort im Schwerpunkt Präzisionsband- und Werkzeugstähle.

Stahlfirma Zapp nutzt altes Ceresit-Werk für Neuordnung der Standorte in Unna und Ergste

Geschäftsführer Edo Ollermann vor einer Auswahl von Coils mit Stählen verschiedener Güte. Sie werden im Unnaer Werk der Zapp-Gruppe weiter veredelt und liefern den Kunden genau die Materialeigenschaften, die sie in ihrer Produktion brauchen. © Marcel Drawe

Am Ende der Produktionskette in Unna stehen dann Stähle aus unterschiedlichen Werkstoffen, die als Bandstahl in unterschiedlichen Breiten und Dicken auf sogenannte Coils gewickelt sind. Die Leistung des Werkes in Unna ist es, die Ausgangsrohstoffe so zu bearbeiten, dass das Fertigmaterial danach die gewünschten Eigenschaften besitzt.

Von der Auto-Zierleiste bis zum Flugzeugtriebwerk

Was der Abnehmer verlangt, können dabei ganz andersartige Qualitäten sein. Das kann mal eine spiegelblanke und besonders kratzfeste Oberfläche sein, wie sie für die Einstiegsleisten eines Autos gewünscht wird, aber auch eine besondere Hitzefestigkeit für den Einsatz im Triebwerksbau der Luftfahrtindustrie. In anderen Einsatzfeldern sind die mechanischen Eigenschaften des Materials von besonderer Bedeutung.

Zapp steht in diesem Sinne für einige Zwischenschritte auf dem langen Weg vom Erz bis zum Metallteil: Sie beginnen schon mit der Auswahl des passenden Rohmaterials in einem Netzwerk von Zulieferern, das dann durch eine interne Verarbeitungskette veredelt wird.

Stahlfirma Zapp nutzt altes Ceresit-Werk für Neuordnung der Standorte in Unna und Ergste

In der Metallveredlung sind teils enorme Kräfte am Werk. Präzise gesteuert werden sie über den Computer. © Marcel Drawe

Mit diesem Geschäft machte die Zapp-Gruppe zuletzt gut 400 Millionen Euro Jahresumsatz. Und die Perspektiven stehen auf Wachstum – daher nun der Flächenaufkauf in Unna.

Genutzt wird er zunächst für eine Neuordnung von Betriebsteilen in der hiesigen Region. Das „Service Center High Performance Alloys“ in Ergste soll vermutlich im Sommer nach Unna verlagert werden, um dann wieder Platz am Schwerter Standort zu schaffen. Etwa 15 bis 20 Mitarbeiter werden danach einen anderen Arbeitsweg haben.

Standort in Unna stärkt ein zweites Standbein

Der Standort in Unna gewinnt dadurch Bedeutung in einem weiteren Produktfeld der Zapp-Gruppe. Neben der Bandstahlbearbeitung hat Zapp auch ein Service Center für die Bearbeitung von Werkzeugstählen.

Mit dem Umzug der „High Performance Alloys“ nach Unna werden dann beide Service Center zusammengefasst, in eine ehemalige Ceresit-Halle einziehen und dort neu aufgestellt.

In dieser Sparte geht es oft um gewichtsmäßig kleine Mengen aus sehr speziell gefertigten Metalllegierungen, die von Zapp bevorratet und für Kunden in eine weiterverarbeitungsfähige Form gebracht werden. Benötigt etwa ein Kunde einen Block Werkzeugstahl, um daraus ein einzelnes Spezialwerkzeug zu fräsen, liefert Zapp binnen 24 Stunden.

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