Stahlträger schweben über die A 1

WESTHOFEN Gigantische Stahlträger - 43 Meter lang und 64 Tonnen schwer - wurden in der Nacht zu Sonntag für die neue Brücke der A 1 über die Lenne eingebaut. Für die spektakuläre Aktion war die Autobahn voll gesperrt. RN-Redakteuer Heiko Mühlbauer war dabei.

von Von Heiko Mühlbauer

, 22.07.2007, 16:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Der sitzt jetzt eindeutig besser.“ Die beiden Männer am Fuß der Brücke sind sich einig. Über ihnen im grellen Scheinwerferlicht schweben 64 Tonnen Stahl an dünnen Seilen.Seit zwei Stunden ist die A 1 gesperrt, damit die drei 43 Meter langen Stahlträger eingebaut werden können. Oben auf der Lennebrücke sind die Spezialisten einer Darmstädter Stahlbaufirma im Einsatz. Schwindelfrei gehen sie über die schmalen Stahlträger hoch über dem Fluss, lösen Verbindungen oder montieren die Stücke zusammen. Im Tal stehen Polier Matthias Ruppert (Bild) und Uwe Kokerc, dessen Firma den Spezialkran verleiht. Aus Hamburg stammt der Koloss, bis zu 600 Tonnen könnte er in die Höhe wuchten. „Aber nicht bei dieser Auslage“, schränkt Kokerc ein. Denn der Kran hält die Stahlträger weit von seinem Aufbau weg.

Schwerlastkran kam extra aus Hamburg

Zehn LKW sind nötig um den Giganten zu seinem Einsatzort zu bringen. Aus Hamburg sei man hierhin gefahren, berichtet Kokerc und fügt stolz an: „Viele gibt es von diesen Schwerlastkränen nicht.“ Polier Ruppert beobachtet die Szene aufmerksam. Seit eineinhalb Jahren ist der gebürtige Thüringer hier an der Autobahn zu Hause. Er kam mit Baubeginn. Noch eineinhalb Jahre wird er hier in der Nähe seiner Baustelle wohnen, dann geht es weiter. „So lernt man die Welt kennen“, schmunzelt er, „zuvor war ich in Dresden und davor in Berlin.“ Manchmal besuche ihn sein Frau. Und der Sohn? Nun, der sei eh 25 Jahre alt und aus dem Haus. Gemeinsam stehen die beiden Männer in dieser Nacht vor der bescheidenen grünen Baubude, in der jemand das Plakat einer Currywurst über das obligatorische Pin-Up geklebt hat. Die Kaffeemaschine rattert, Bier ist hier tabu.

Der alte Mann und die Autobahn

„Am 11. Mai“, erklärt der Polier, „haben wir das erste Fundament für diesen Brückenteil gelegt.“ Mit nur 20 Arbeitern wurde die Erweiterung dann im zwei-Schicht-Betrieb hochgezogen. Manchmal, so erzählt der Thüringer, käme ein alter Mann aus der Nachbarschaft vorbei. Er war sogar schon dabei, als die A 1 vor dem Krieg gebaut wurde. Damals hätten alleine an der Brücke rund 300 Menschen gearbeitet, hat der Mann erzählt. Im Morgengrauen ist auch der dritte Stahlträger an seinem Platz. Der Polier kann jetzt Feierabend machen. Zumindest kurz, denn spätestens morgen geht es weiter.  

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