Stillstand am Bau: Brache wuchert seit einem Jahr zu

Altes Becker- und Fleer-Gelände

Über den Ketten des Baggers wächst bereits Löwenzahn, der Schutthaufen, in dem die Schaufel noch steckt, ist von Grün überwuchert. Seit mehr als einem Jahr läuft nichts mehr auf dem ehemaligen Grundstück des Stahlhandels Becker und Fleer an der Wilhelmstraße in Schwertes Innenstadt. Was ist da los?

SCHWERTE

, 12.07.2016, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der ehemaligen Besitzerin, Jutta Becker, tut das in der Seele weh. „Ich bemühe mich, nicht daran vorbeizufahren, aber man wird ja immer wieder darauf angesprochen“, sagt sie.

Wie kam es, dass aus einem der derzeit gesuchten Grundstücke in City-Nähe eine Bauruine wurde? Seit 2006 wird eine neue Zukunft für das Gelände gesucht. Denn damals hatte der 1897 gegründete Stahlhandel bereits einen Neubau eines neuen Firmengeländes im Gewerbegebiet Nattland in Westhofen Auge gefasst.

Erste Ideen scheiterten

Doch erste Versuche des Architekten Frank Lohse, das Gelände für ein generationenübergreifendes Wohnprojekt zu vermarkten, scheiterten. Da war man froh, dass mit der Firma IBAC 2009 ein Investor erschien, der hier 45 Altenwohnungen und einen Pflegeservice bauen wollte. Der reichte auch entsprechende Pläne bei der Stadt ein.

2010 genehmigte der Planungsausschuss einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für barrierefreies Wohnen. Ein Baubeginn wurde dann aber immer weiter hinausgeschoben. Vor allem, weil es offensichtlich keinen Betreiber für das Projekt gab.

2013 begann die Firma dann mit dem Abriss der alten Hallen, machte dann aber eine große Pause. 2014 nahm man die Abrissarbeiten kurz wieder auf, um sie dann doch einzustellen. Seitdem steht der Abrissbagger regungslos vor dem Stahlskelett der ehemaligen Werkshallen. Auch ein Container und eine Hebebühne vergammeln hier langsam. Das Areal selbst ist von Bauzäunen umschlossen. Die Träger für die Kräne des Stahlhandels sind von Ranken überwuchert.

Besitzer ist zum Bau verpflichtet

Das Gelände gehöre mittlerweile einer Firma namens „Vor den Gärten GmbH“, erklärte Stadtplaner Adrian Mork. Mit der habe man vor Monaten den letzten Kontakt gehabt, sagte Stadtsprecher Carsten Morgenthal am Dienstag auf Anfrage. Der Vorhaben- und Entwicklungsplan für das Grundstück laufe Ende des Jahres aus. Bis dahin habe der Eigentümer noch Zeit, seine Pläne umzusetzen, so Morgenthal. Der letzte Kontakt habe vor einigen Monaten stattgefunden, aber weil die „Vor den Gärten GmbH“ vertraglich zum Bau verpflichtet sei, gebe es für die Stadt keinen Handlungsbedarf.

Den hat aber offensichtlich die Firma. Die hatte nämlich vor einem Jahr verzweifelt versucht, das Grundstück samt Baugenehmigung über das Internet zu verkaufen. Offensichtlich erfolglos. 1,4 Millionen Euro wollte man für Grundstück und Baupläne haben. Damit könne man, so die Anzeige damals, 4224 Quadratmeter vermietbarer Fläche im Bereich Service und Seniorenwohnen schaffen. Der Kunde sollte quasi das Grundstück mit allen Planungen und Genehmigungen kaufen.

Auch der Versuch der Redaktion, mit der „Vor den Gärten GmbH“ Kontakt aufzunehmen, blieb erfolglos. Die Firma zog zwar in der Vergangenheit laut Registerauskunft mehrfach um. Die Telefonnummer, die dort aufgelistet ist, vermeldet aber: „Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar.“

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