Erste Supermärkte kürzen wegen der Corona-Krise schon ihre Öffnungszeiten

rnCoronavirus in Schwerte

Die Supermärkte sind lebenswichtig. Deshalb gehören sie zu den Läden, die in Zeiten der Corona-Krise nicht schließen müssen. Aber die ersten von ihnen beginnen, die Öffnungszeiten zu kürzen.

Schwerte

, 26.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einem langen Arbeitstag noch schnell ein paar Brötchen, Bananen oder ein Paket Gehacktes holen? Das wird schwieriger in Zeiten der Coronakrise. Zumindest sollte man nicht trödeln. Denn die ersten Supermärkte beginnen damit, ihre Öffnungszeiten zu verkürzen. Abends stehen Kunden früher als üblich vor verschlossenen Türen, während es morgens beim superfrühen Einlass bleibt.

Edeka Schmitt wollte seinen Mitarbeitern ein wenig Ruhe gönnen

Statt wie üblich bis 21 Uhr lässt der Edeka-Markt am Rosenweg die Käufer nur noch bis 19 Uhr ein. „Das ist seit Montag, damit die Mitarbeiter auch ein bisschen Ruhe bekommen“, sagt Inhaber Ralf Schmitt. Dasselbe gelte für seine beiden anderen Geschäfte am Heideweg in Dortmund-Holzen sowie in Unna: „Ich muss an die Psyche meiner Mitarbeiter denken und wollte ein bisschen Stress rausnehmen.“ Aus diesem Grunde habe er auch von einer Sonntagsöffnung abgesehen, die eine Sonderregelung derzeit erlaubt hätte.

Mit dem Edeka-Markt am Rosenweg hat auch die unter demselben Dach verkaufende Bäckerei-Filiale ihre Öffnungszeiten in der Corona-Krise verkürzt.

Mit dem Edeka-Markt am Rosenweg hat auch die unter demselben Dach verkaufende Bäckerei-Filiale ihre Öffnungszeiten in der Corona-Krise verkürzt. © Reinhard Schmitz

In den vergangenen zwei bis zweieinhalb Wochen seien die Verkäuferinnen und Verkäufer unheimlich unter Druck gewesen, erläutert Ralf Schmitt. Dazu kam, dass drei Mitarbeiterinnen nach der Schließung von Kindergärten und Schulen zu Hause bleiben durften, um ihren Nachwuchs zu betreuen. Es gab aber auch Ersatz. „Es meldeten sich von außen einige, die gerne was tun möchten“, berichtet der Kaufmann. Zumindest zum Nachpacken der Ware könne man die gleich einsetzen.

Die beschränkten Öffnungszeiten gelten bei Edeka Schmitt lediglich vorübergehend. „Nur für die Zeit der Corona-Krise“, erklärt der Chef. Danach werde alles wieder wie früher.

Rewe Filips will Kontakt von Kunden und Mitarbeitern begrenzen

Davon geht man auch im Rewe-Markt Filips am Bahnhof Schwerte aus, der seit Samstag schon um 20 Uhr statt um 21 Uhr seine Pforten schließt. „Wenn Normalität einkehrt, werden wir voraussichtlich alles wieder normal machen, wie es war“, sagt Marktleiter Martin Wzorek. Das sei Stand jetzt. Die Entscheidung liege bei der Geschäftsleitung.

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Anlass für die Einschränkung der Geschäftszeiten war bei Rewe der Schutz von Kunden und Mitarbeitern. „Um den Kontakt zu begrenzen“, erklärt Martin Wzorek. Von Personalausfällen wegen Kinderbetreuung ist sein Team derzeit nicht betroffen. Auch werde versucht, Überstunden relativ schnell abzubauen und gleichmäßig zu verteilen: „Damit die Mitarbeiter nicht zu überlastet sind.“ Denn man gebe sich alle Mühe und sei fleißig am Packen, um die Regale zu füllen. Das scheinen auch die Kunden zu honorieren, die bei Ausbruch der Krise ein bisschen gereizter und genervter waren. Seit am Montag die Kontaktsperre behördlich erlassen worden ist, seien alle „ein bisschen ruhiger“ geworden.

Kommentar

Eigenes Personal schützen oder Coronavirus bekämpfen?

Wie macht man´s richtig? Die Corona-Krise ist auch für den Lebensmittelhandel Neuland. Die Geschäfte wurden überrollt von der Hamster-Welle nach Nudeln, Dosen und Klopapier. Das Personal schuftete und schuftete, um neue Ware einzuräumen und übervoll gehäufte Einkaufswagen der Kunden abzukassieren. Von denen vergaßen obendrein - sehr gelinde gesagt - etliche ihre gute Kinderstube. Angesichts dieser Belastung ist er Wunsch von Edeka-Schmitt, den Mitarbeitern durch kürzere Öffnungszeiten eine Verschnaufpause zu geben, verständlich. Sie zeugt sogar von einem guten Arbeitgeber, der seine Fürsorgepflichten ernst nimmt. Auf der anderen Seite ist aber mehr Gedränge zu befürchten, wenn die Kundenströme sich in einem kürzeren Zeitfenster durch den Laden schieben müssen. Den derzeit gebotenen Corona-Sicherheitsabstand einzuhalten, macht das nicht leichter. Deshalb gehen beispielsweise in Bayern Geschäfte den umgekehrten Weg und bieten verlängerte Öffnungszeiten, damit sich die Einkaufenden besser über den Tag verteilen. Wie dem auch sei. Am besten wird es sein, wenn der ganze Spuk schnellstmöglich wieder vorbei ist. Dann will auch der Edeka wieder ganz normal bis 21 Uhr öffnen. Ich persönlich schätze den Abend sehr zum Einkaufen. Die Atmosphäre ist viel entspannter. Das bieten jetzt in Schwerte ja immer noch Läden wie Aldi, Lidl, Kaufland und Penny. Reinhard Schmitz
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