Patricia Roß, Inhaberin des Tattoo-Studios „Schönes Herz“ in der Mährstraße, wartet noch auf Alternativen für die ab Januar verbotenen Tattoo-Farben. © Reinhard Schmitz
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Tattoofarben-Verbot: „Alternativen sind noch nicht existent“

Ab Januar 2022 sollen bunte Tattoo-Farben verboten werden. Grund ist eine EU-Verordnung. Nach der schwierigen Lockdown-Phase ist das die nächste Hängepartie für Tätowierer aus Schwerte.

Die Corona-Pandemie stellte viele Tätowierer für längere Zeit vor ernsthafte Probleme. Da das Tätowieren als körpernahe Dienstleistung in den beiden Lockdown-Phasen verboten war, blieben die Studios dicht.

Nun kommt die nächste Herausforderungen auf die Körperkünstler zu: Ab Januar 2022 tritt mit einer neuen Verordnung der Europäischen Union ein Farbverbot in Kraft, das vor allem bunte Tinte betrifft.

Noch gibt es keine Alternativen

Grund für das Verbot seien gesundheitliche Bedenken bei den Inhaltsstoffen der Farben. Laut ECHA, der Chemieagentur der EU, bergen diese Krebsrisiken und andere gesundheitliche Auswirkungen.

„Wir hängen gerade alle etwas in der Luft“, berichtet Patricia Roß, Inhaberin des Tattoo-Studios „Schönes Herz“ an der Mährstraße in Schwerte. „Ohne Farben wird das Tätowieren schwierig und Alternativen sind von den Produzenten zwar angekündigt, aber noch nicht existent.“

Sollten die neuen Farben pünktlich erscheinen, stelle sich zudem die Frage nach der Qualität, da Bindemittel und andere Inhaltsstoffe komplett gestrichen werden müssten. Im Zweifelsfall könnte es für einen längeren Zeitraum erst einmal gar keine bunten Tattoo-Farben mehr geben.

Probleme habe es noch nie gegeben

Neben der Unsicherheit bedeutet die neue Verordnung für Roß auch eine finanzielle Anstrengung: „Wir müssen im Januar bis auf manche Schwarz- und Weißtöne den kompletten Bestand ersetzen. Das wird eine teure Angelegenheit.“ Schon nach dem vergangenen Lockdown habe sie aufgrund der abgelaufenen Haltbarkeit alles auswechseln müssen.

Probleme mit der bunten Tinte habe es hingegen nie gegeben. „Allergische Reaktionen oder Ähnliches gab es in unserem Studio noch nie“, berichtet Roß. „Bei bestimmten Rot-Tönen kann das schon mal vorkommen, aber die benutzen wir bei uns grundsätzlich nicht.“

Zudem seien auch die Kunden über das sich anbahnende Verbot verwundert. Wer jetzt noch schnell einen Termin ausmachen möchte, bevor die neue Verordnung in Kraft tritt, den muss Patricia Roß allerdings enttäuschen. Bis Januar seien alle Termine ausgebucht.

Ganz ohne Gegenwehr nimmt die Tattoo-Szene das Farb-Verbot aber nicht hin. „Unter dem Namen ‚save the pigments‘ gibt es eine Petition, zu der auch der Bundesverband Tattoo und andere Berufsverbände aufrufen“, erklärt Pactricia Roß. „Wer helfen will, kann sich dort informieren und unterschreiben.“

Bisher hat die europaweite Petition knapp 120.000 Unterstützer gefunden.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Student für Sozialwissenschaft und Philosophie – gebürtiger Schwerter und Wahl-Dortmunder. Immer interessiert an Menschen aus dem Ruhrgebiet und ihren Geschichten.
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Felix Mühlbauer