Telekom bremst Taxi-Kunden in Schwerte aus

Internet-Telefonie

Wenn man ein Taxi braucht, muss es meist schnell gehen. Wenn das erste Unternehmen nicht erreichbar ist, klar: Dann sucht sich der Kunde das nächste. Diese Situation ist bei Rolf Salgert in Schwerte schon oft eingetreten. Schuld ist sein Telefonanbieter.

SCHWERTE

, 11.03.2016, 09:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zentralistin Tanja Schäfer kann die Anrufe der Kunden von Taxi Salgert mit der neuen Telefonanlage endlich wieder normal entgegennehmen.

Zentralistin Tanja Schäfer kann die Anrufe der Kunden von Taxi Salgert mit der neuen Telefonanlage endlich wieder normal entgegennehmen.

„Habt ihr es nicht mehr nötig, ans Telefon zu gehen?“ Immer wieder musste sich Taxi-Unternehmer Rolf Salgert diese Frage anhören. Wochenlang war er unabsichtlich für viele Kunden nicht erreichbar. Seine neue Telekom-Telefonanlage habe Anrufer, die Verträge beispielsweise mit Ruhrnet oder Vodafone hatten, einfach ausgebremst.

„Wenn ich mit einem Kunden sprach, kriegten die nur ein Freizeichen“, berichtet Barbara Salgert. Ein paar Mal ließen die Kunden tuten, dann hätten sie wieder aufgelegt. Und wahrscheinlich ein anderes Unternehmen angerufen.

Unfreiwillig umgestellt auf Internet-Telefonie

Die Technik-Probleme hatten angefangen, als Salgert eigentlich nur die fünf Rechnungen bündeln lassen wollte, die er von der Telekom für die verschiedenen Leitungen seiner Telefonanlage erhielt. „Die Telekom bot einen anderen Vertrag an“, erzählt er. Doch damit habe er – ohne es zu wissen – auch für die Umstellung auf eine neue Technik unterschrieben. Die Internet-Telefonie „Voice over IP“ sollte den bisherigen ISDN-Standard ersetzen.

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Nach der Umschaltung, für die einer der Mai-Feiertage des vergangenen Jahres gewählt wurde, war der Anschluss plötzlich ganz tot, klagt Barbara Salgert. Ein sehr hilfsbereiter Mitarbeiter der Telekom-Störungsstelle in Kiel habe die Ursache herausgefunden. Eine Firma aus Schwerte stellte die Telefonanlage auf „Voice over IP“ um.

Fehler lag bei falscher Einstellung  

Trotzdem blieben immer wieder Probleme, deren Ursache sich Telekom und Anlagen-Hersteller gegenseitig in die Schuhe geschoben hätten, klagt Salgert. Um dem Ärger ein Ende zu machen, kaufte er schließlich eine neue Anlage über den Telekom-Vertrieb: „Aber dann fing das Drama von Neuem an.“ Nutzer von Fremdanbietern wie Versanet, Unitymedia & Co. seien nicht mehr durchgekommen.

Erst in der vergangenen Woche habe sich herausgestellt, dass alles nur eine Einstellungssache an der Anlage gewesen sei. „Lässt sich ändern“, habe die Telekom gesagt. Es müsse die Einwähl-Geschwindigkeit der Fremdanbieter erhöht werden: „Seitdem geht es besser.“

Keine Stellungnahme der Telekom

Das Marienkrankenhaus muss oft für Patienten Taxen rufen. Als Vodafone-Kunde wusste man sich dennoch zu helfen. „Die Kollegin ruft immer über Handy an“, berichtet Sprecher Detlev Schnitker. Die Nummer stehe auf einer Liste, die viele Taxiunternehmen nennt. 

Von der Pressestelle der Deutschen Telekom war am Donnerstag auf Anfrage noch keine Stellungnahme zu erhalten.

Internet-Telefonie
Voice over IP („Stimme über Internet-Protokoll“) ist eine neue Art der Telefonie, die über das Internet abgewickelt wird. Sie benötigt nicht mehr die Schaltung von festen Leitungen, sondern versendet die Daten in kleinen Paketen durch Computernetzwerke. Dazu werden die im Hörer aufgenommenen elektrischen Signale digitalisiert.
Das Senden und Empfangen ist möglich mit Computern, speziellen Endgeräten für Computertelefonie oder normalen Telefonen, die einen Adapter erhalten.

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