Tierquäler in Schwerte schoss Katze ins Auge

Zwei Projektile im Körper

Nur noch Reste seines linkes Auges hingen aus dem Gesicht von Kater Fritzi, als er vor der Terrassentür von Erika Grüning in Schwerte auftauchte. Sie ging von einem Kampf mit einem anderen Tier aus. Jetzt enthüllte ein Röntgenbild die bittere Wahrheit: Ein brutaler Tierquäler muss mit dem Luftgewehr auf Fritzi gezielt haben.

SCHWERTE

, 20.04.2017 / Lesedauer: 3 min

Einen Kampf mit einem Marder hielt die Tierfreundin zunächst für die Ursache der bösen Verwundung. Doch neben dem Auge gab es noch zwei Stellen, an denen der Kater in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zwei weitere Diabolos – so heißen die Blei-Geschosse eines Luftgewehrs – stecken in dem kleinen Körper. „Am Schulterblatt und am Hals“, berichtet Erika Grüning.

Beim Streicheln hatte sie die Fremdkörper schon lange gespürt. Sie fühlten sich an wie ein Chip, den man Haustieren zur Wiedererkennung einpflanzt. Der Scanner, mit dem die Tierärztin den elektronischen Speicher auszulesen versuchte, konnte allerdings nichts anzeigen.

In die Praxis war Fritzi gebracht worden, weil er plötzlich in einer Art Putzzwang damit anfing, mit der Pfote über ganz bestimmte Stellen seines grau-getigerten Fells zu kratzen. „Da haben wir eine Grunduntersuchung mit einem Röntgenbild machen lassen“, sagt Holger Grüning, der ein genauso großes Herz für Tiere hat wie seine Ehefrau. Auf dem Film waren die beiden Kugeln deutlich zu erkennen – an Körperstellen, wo eine Operation sehr gefährlich für das Tier wäre.

Spritzen-süchtige Kater

Glücklicherweise ergab eine Blutuntersuchung, dass von den Geschossen nur sehr wenig Blei an das Blut abgegeben worden war. Deshalb reicht es, Fritzi mit Medikamenten zu behandeln. Er ist nahezu verrückt auf die Spritze, die ihm die Schmerzen nimmt. „Seitdem ist er wieder wie ein Springinsfeld“, freut sich Holger Grüning. Trotz der mittlerweile acht Jahre, die der Kater auf seinem Katzenbuckel hat, und einer Arthrose.

Nur nach draußen darf Fritzi nicht mehr. Die Grünings möchten nicht riskieren, dass er beim Kampf um ein Revier möglicherweise auch noch sein rechtes Auge verliert. Aber den Kater scheint es sowieso nicht mehr vor die Tür zu locken. Die fünf ersten Lebensjahre, die er dort verbracht hat, scheinen ihm völlig zu reichen. Sein Charakter hat sich komplett gewandelt, seit er sich die Grünings als neues Zuhause aussuchte.

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Drang nach Freiheit und nach Angriff

„Er ist jetzt eine Schmusekatze“, sagt Erika Grüning, während sie ihrem Stubentiger das Fell krault. Ganz besonders genießt er die Streicheleinheiten der zwölfjährigen Enkelin Annabell. Die kommt vorbei, wann immer es die Ferien und ihre Wochenenden erlauben. Dann ist sie mit Fritzi unzertrennlich.

Durch den Garten streifen unterdessen zwei weitere Katzen der Familie. Nicki und seine Mutter Püppi, die nur nachts zum Schlafen in die Stube eingelassen werden möchte. Bei den ersten Morgenstrahlen erwacht dann aber immer wieder ihr Freiheitsdrang. Die Grünings und ihre Nachbarn passen auf, dass ihr dann keine Gefahr droht.

Motiv: Langeweile und Hass

Die Augen offen zu halten, dazu rät auch die Leiterin des Schwerter Tierheims, Catharina Seelig. „Man sollte nicht weggucken“, sagt sie. Denn dass Tierquäler sich mit dem Luftgewehr auf die Lauer legen, komme immer wieder vor: „Es gibt Spinner – auch in Schwerte.“ Dabei erinnert sie an Vorfälle, die sich erst kürzlich in Holzen und Westhofen ereignet haben. Nehme man auch noch die vergifteten Köder dazu, die in jüngster Zeit ausgelegt wurden, nähme die Zahl solcher Taten zu.

Langeweile und Hass sieht Catharina Seelig als Ursache für die Tierquälerei: „Das ist eine ganz gefährliche Kombination.“ Sie empfiehlt, auf jeden Fall Anzeige bei der Polizei zu erstatten – auch wenn sie nur gegen Unbekannt gerichtet werden kann. „Denn jeder einzelne Fall ist zu viel“, betont die Tierheimleiterin.

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