Traditionen aus dem Land des Weihnachtsmannes

Erzgebirgischer Holzschmuck in Schwerte

Lars-P. Weinhold aus Geisecke pflegt die Traditionen aus dem erzgebirgischen Seiffen, der Heimat der Räuchermänner und Pyramiden. Der Inhabers des Restaurants Wellenbad ist nämlich dort aufgewachsen, wo der Weihnachtsmann zu Hause ist.

GEISECKE

, 25.12.2016 / Lesedauer: 3 min

Die Flamme des Feuerzeugs blitzt auf, erweicht das Ende der kurzstummeligen Wachskerze. Gekonnt klebt Lars-P. Weinhold sie in den goldglänzenden Ständer seiner Weihnachtspyramide. Die geübte Hand verrät: Der Inhaber des Restaurants Wellenbad ist in Seiffen, der Heimat des erzgebirgischen Holzschmucks, aufgewachsen.

„Das ist das Weihnachtsland. Da, wo der Weihnachtsmann zu Hause ist“, erzählt der 50-Jährige, während die aufsteigende Wärme die Pyramidenflügel zum Drehen bringt. „Oh, die läuft gut – schon bei einer Kerze“, ist er überrascht. Denn nach langem Warten auf dem Dachboden würden Pyramiden oft „müde“. Dann helfe nur ein Tropfen Öl ins Lager der Welle.

Das große Pyramiden-Anschieben

Als die Lichter an allen vier Ecken brennen, sprinten die Hirten, die Schafe und die Heiligen Drei Könige auf der Holzscheibe sogar wie die 100-Meter-Läufer. „Das war für mich als Junge an der Weihnachtszeit die Attraktion: Wenn sich was dreht“, berichtet der Gastronom.

Dieses Schauspiel konnte er immer beobachten. Nicht nur zu Hause oder beim großen Pyramiden-Anschieben, zu dem sich am Ersten Advent das ganze Dorf traf. In der Familie mütterlicherseits gab es sogar einen Betrieb, in dem die Kunstwerke entstanden.

„Ohne Pyramide – das wäre für mich kein Weihnachten“

„Aber ich bin überhaupt kein Holzwurm“, sagt Weinhold. Mit Freunden bastelte er trotzdem mal ein 3,50 Meter hohes Riesen-Exemplar. Seit zehn Jahren schlummert es in Kartons: „Jetzt überlege ich, es in die heutige Zeit zu transportieren. Vielleicht kann man meinen Lieblings-Fußballverein darauf verewigen.“ Die Brille mit dem schwarz-gelben BVB-Logo verrät, wer gemeint ist.

„Ohne Pyramide – das wäre für mich kein Weihnachten“, berichtet Weinhold. Auch ein „Raachermannel“, wie in seiner Heimat das Räuchermännchen genannt wird, gehört dazu. Nur ganz leicht glimmt die Räucherkerze im Bauch des Weihnachtsmannes, der aus seiner Mundöffnung Weihrauch-Myrrhe-Duft verbreitet. Das ist die Lieblings-Sorte des Hausherrn.

Jede Familie hatte ihr eigenes Stollen-Rezept

Ein Stück Stollen – mitgebracht aus Seiffen – macht Weihnachtsstimmung perfekt. „Früher hatte jede Familie ihr eigenes Rezept“, erinnert sich Weinhold. Zehn bis zwölf Stück wurden bei ihm zu Hause jeden Advent verputzt. Zum Backen wurde der Teig zu einem Bäcker gebracht. Beim Abholen im Wäschekorb auf dem Schlitten kippte er einmal um: „Einige Stollen sind zerbrochen. Das gab 'ne saftige Abreibung.“

Unter'm Teller ein Geldstück

Die Besinnlichkeit aus Seiffen, wo sich alles ein wenig langsamer zu drehen scheine, vermisst Weinhold im Advent. Am Heiligen Abend holt er sie zurück. Es ist der einzige Tag im Jahr, an dem er nicht arbeiten möchte, der nur der Familie gehört.

Dann kocht er mittags den gewohnten Linseneintopf: „Wer ihn aufgegessen hatte, durfte früher unter den Teller schauen. Meist lag da ein Geldstück drunter.“ Später gibt es Bratwurst vom Hausmetzger aus dem Erzgebirge, dazu Kartoffelsalat und Sauerkraut. „Das ist ein Stück Heimat“, sagt der Gastronom. Die Tradition sei schon auf die Kinder übergegangen: „Ich hoffe, dass sie so fortgetragen wird.“

Die Gemeinde Seiffen, 60 Kilometer südöstlich von Chemnitz am Erzgebirgskamm gelegen, ist als Spielzeugdorf bekannt.
Gefertigt werden Weihnachtsschmuck und Figuren in unzähligen Handwerksbetrieben aus Holz.
Die Branche entstand nach dem Ende des Zinnbergbaus im 19. Jahrhundert.
Entlang der Hauptstraße reihen sich Schauwerkstätten, Kunsthandwerkläden und ein Spielzeugmuseum.

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