Keine Frauen: Männerfest Sup Peiter darf nicht Weltkulturerbe werden

rnTraditionen in Schwerte

Auf das Jahr 1641 zurück gehen die Ursprünge für die Sup-Peiter-Feier in Westhofen. Reif für das Weltkulturerbe, dachte der Heimatverein. Doch er hatte die Rechnung ohne die Frauen gemacht.

Westhofen

, 23.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Oh, diese Frauen. Wenn es sie nicht gäbe. Dann, ja dann wären die Westhofener mit ihrem Sup Peiter weltweit zur Marke geworden. In einem Atemzug mit dem Kölner Karneval und den Passionsspielen in Oberammergau.

Sogar wissenschaftliche Unterstützung hatte sich der Heimatverein Westhofen geholt, um die traditionsreiche Nachbarschaftsfeier in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco eintragen zu lassen.

Man recherchierte monatelang in Archiven, besorgte Fotos in der Ruhr-Nachrichten-Redaktion sowie Empfehlungsschreiben der renommierten Historiker Professor Dr. Wilfried Reininghaus und Dr. Ingo Fiedler.

Dicke Bewerbungsmappe an die NRW-Landesjury geschickt

Hoffnungsvoll wurde alles in einer dicken Bewerbungsmappe bei der NRW-Landesjury eingereicht. Doch die sortierte die Westhofener einfach aus. Im Wesentlichen mit der Begründung, dass keine Frauen zu dem Männerabend zugelassen seien, wie Heimatvereins-Vorsitzender Martin Gerst berichtet.

Man habe bemängelt, dass es somit keinen freien Zugang zu der Veranstaltung gebe. Das habe das NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft dem Heimatverein sowie den Vorständen der drei Westhofener Nachbarschaften geschrieben.

Eines der ältesten Sup-Peiter-Fotos im Archiv der Ruhr Nachrichten zeigt das Nachbarschaftsgericht in der Niedersten Nachbarschaft im Februar 1968.

Eines der ältesten Sup-Peiter-Fotos im Archiv der Ruhr Nachrichten zeigt das Nachbarschaftsgericht in der Niedersten Nachbarschaft im Februar 1968. © Mazeika/RN-Archiv

„Das ist schade, wird aber den Westhofenern die Freude an dieser besonderen Nachbarschaftsfeier nicht nehmen“, erklärt Martin Gerst. Dem Zeitgeist, der ihr Vorhaben scheitern ließ, werden sich die Westhofener nicht beugen: „Die Vorstände sind sich sicher, dass es auch im Sinne aller Westhofener Männer und sogar einiger Frauen ist, wenn an dieser Tradition nicht gerüttelt wird.“

Es bleibt dabei, dass sich die Mitwirkung ihrer Partnerinnen höchstens auf das vorherige Kartoffelschälen für den übliche Pfefferpotthast-Schmaus beschränkt. Damit stärken sich die Herren der Schöpfung für den langen Abend mit dem humorigen Nachbarschaftsgericht.

Viele geschichtliche Details kamen bei Recherchen ans Tageslicht

Sie blicken jetzt nicht im Zorn zurück auf ihr Vorhaben. Ganz im Gegenteil. Die Bewerbung für das Weltkulturerbe sei für alle eine interessante Aufgabe gewesen, sagt Martin Gerst: „Es wurden viele geschichtliche Details der Veranstaltung recherchiert, und die Hintergründe der Feier konnten im Zuge der Bewerbung noch genauer erfasst werden.“

Unter anderem wurde entdeckt, dass schon 1641 erstmals die Bürgermeister- und Ratswahlen im Bürgerbuch der Freiheit Westhofen erwähnt wurden.

Zum Ausrufen ziehen Männer der drei Nachbarschaften immer eine Woche vor Sup Peiter durch Westhofen.

Zum Ausrufen ziehen Männer der drei Nachbarschaften immer eine Woche vor Sup Peiter durch Westhofen. © Bernd Paulitschke (A)

Diese Abstimmungen fanden an dem katholischen Gedenktag Petri ad Cathedram (Lateinisch für „Petri Stuhlfeier“, das heißt die Berufung des Apostels Petrus auf den Bischofsstuhl im Rom) am 22. Februar statt, der bis heute den Termin für Sup Peiter bestimmt. Die ältesten Protokolle dieser Veranstaltung stammen aus dem Jahre 1882. Damals trafen sich die Westhofener Männer noch zur „Nachbarschaftsfeier St. Petri Stuhlfeier“. Den Namen „Sup Peiter“ - eine plattdeutsche Verballhornung als „Sauf-Peter“ - erhielt sie erst im Jahre 1950.

Wotansfeuer im Kanonenofen war eine Deutung aus der Nazizeit

Sup Peiter, das immer am Samstag nach Petri Stuhlfeier begangen wird, gilt als höchstes Fest der Westhofener Männerwelt. Damit es keiner verpasst, ziehen eine Woche vorher Ausrufer mit allerlei krachmachenden Geräten durch die Straßen der drei Nachbarschaftsbezirke.

Getrennt halten diese dann später ihre Nachbarschaftsgerichte ab, bei denen der „Schräpper“ genannte Ankläger kleine oder große Missetaten der Teilnehmer aufdeckt, über die vor einem bullernden Kanonenofen launig verhandelt wird.

Lange glaubte man, dass in dem Herd das Wotansfeuer flackerte. Doch mit dieser Legende räumten die wissenschaftlichen Forschungen für den Weltkulturerbe auf. Es handelte sich nur um eine Deutung aus der Hitlerzeit, die Sup Peiter mit dem Germanenkult vermischen sollte. Das Feuer dient nur dazu, die Angeklagten kräftig schwitzen und durstig werden zu lassen. Damit ihr Körper das Bier, das bei Sup Peiter fließen muss, besser annimmt.

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