Transplantationsbeauftragter Ralf Wolski im Interview: "Die Sinne schärfen"

SCHWERTE 12 000 Patienten warten derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan. Doch immer weniger Menschen spenden ihre Organe. Mit Ralf Wolski, Transplantationsbeauftragter am Marienkrankenhaus, sprach RN-Redakteurin Nicole Giese über diese Problematik.

von Von Nicole Giese

, 20.01.2009, 17:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ralf Solski, Transplantationsbeauftragter des Marienkrankenhauses.

Ralf Solski, Transplantationsbeauftragter des Marienkrankenhauses.

Organisationen wie die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) klagen über mangelnde Spendebereitschaft. Ist das auch hier ein Problem? Wolski: Wir sind ja ein Haus der Grundversorgung und haben daher eher wenig mit Organspende zu tun. Ich bin seit über zwölf Jahren im Haus. Während dieser Zeit gab es nur einen einzigen Patienten, bei dem wir eine Explantation, also eine Entnahme der Organe, durchgeführt haben. Doch die abnehmende Bereitschaft zur Organspende ist ein Trend, der seit längerer Zeit vorherrscht. Deshalb gab es vor einem Jahr eine Gesetzesänderung: In Krankenhäusern mit einer Intensivstation musste ein Transplantationsbeauftragter bestimmt werden."Das Alter spielt mittlerweile keine Rolle mehr"Im Marienkrankenhaus sind Sie das. Was sind Ihre Aufgaben?Wolski: In erster Linie soll ich bei allen Beteiligten die Sinne schärfen für die Problematik. Als Oberarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin sehe ich jeden Patienten bei den Visiten. Ich kann die Patienten herausfiltern, die für eine Explantation in Frage kommen – denn das sind mehr, als man denkt. So spielt sogar das Alter mittlerweile keine Rolle mehr. „Old for old“ heißt das Konzept, bei dem ältere Menschen für ältere Empfänger spenden. Man muss einfach gucken, was möglich ist. Das Problem: Rund 70 Prozent der Deutschen würden einer Organentnahme zustimmen, aber nur zehn Prozent haben einen Ausweis.Die DSO fordert daher, statt der Ausweise eine so genannte Widerspruchsregelung einzuführen – der Patient muss sich zu Lebzeiten gegen eine Organentnahme aussprechen, wenn er sie nicht will. Glauben Sie, dass das etwas ändern könnte?Wolski: Das könnte natürlich zu mehr Spendern führen, aber auch zu mehr Misstrauen. Ich finde es wichtig, dass sich die Leute mit dem Thema auseinander setzen, sich eine eigene Meinung dazu bilden. Dazu braucht die Problematik mehr Öffentlichkeit. Vielleicht könnte man es sogar schon in den Schulunterricht einbinden. Lesen Sie das Interview in voller Länge in der Mittwochsausgabe der Ruhr Nachrichten.

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