Beerdigungen und Trauern: In der Corona-Krise muss man „einfallsreich“ werden

rnCoronavirus in Schwerte

Nur zwei Personen dürfen beieinander stehen. So kann keine Beerdigung stattfinden. Doch es gibt es Sonderregeln, „und man muss einfallsreich sein“, sagt Trauerrednerin Susanne Lategahn.

Schwerte

, 24.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch in dieser Woche, in ein paar Tagen, wird Susanne Lategahn eine Trauerrede für einen Verstorbenen halten. Sie wird die Rede in einem Saal des eigenen Beerdigungsinstituts halten.

Sie wird dann die einzige Person in dem Saal sein, alleine mit einer Video-Kamera. Die trauernden Familienmitglieder und Freunde hingegen werden die Rede später nur als Aufzeichnung auf einem Bildschirm anschauen können.

Bereits am Dienstag hielt die Schwerterin eine Trauerrede für eine Verstorbene auf dem evangelischen Friedhof in Dortmund-Berghofen. Die Rede hielt sie im Sonnenschein, denn die Trauerhallen sind bedingt durch die Corona-Krise geschlossen.

Abstand halten am Grab

Mit am Grab standen nur wenige Personen. „Die engsten Angehörigen“, wie es formuliert wird. „Nicht mehr als zehn Personen dürfen es sein“, sagt Susanne Lategahn. Auf einigen Schwerter Friedhöfen dürfen es auch 20 sein.

Und neben dem Grab fand man das, was man jetzt so häufig entdeckt. Ein Schild mit der Aufschrift: „Bitte halten Sie zwei Meter Abstand zueinander.“

Trauern hat sich verändert in der Corona-Krise. Die Andacht findet draußen statt, nicht alle Menschen, die dem Toten die letzte Ehre erweisen wollen, dürfen kommen, entfernte Verwandte können nicht aus dem Ausland anreisen und das traditionelle Kaffee trinken fällt auch aus.

Würdevoller Abschied wird ermöglicht

Davon lassen sich die Seelsorger und Bestatter aber nicht entmutigen. Sie wollen den Hinterbliebenen weiterhin einen würdevollen Abschied ermöglichen und gleichzeitig alle Beteiligten gesundheitlich schützen.

Bei der Firma Lategahn fängt der Corona-Umstieg ganz praktisch in den Büroräumen an. „Der Umstieg auf Homeoffice ist nicht möglich“, sagt Susanne Lategahn. „Es gibt einfach soviel handwerklich zu tun, wofür man vor Ort sein muss“. Um die Zahl der Mitarbeiter, die gleichzeitig im Büro sind, zu reduzieren, wurden jetzt Teams gebildet, die sich abwechseln.

Durch Service und Nähe soll Trauernden das Gefühl genommen werden, sie müssten Verzicht üben. Neben der Zahl der Trauergäste, betrifft das auch Spezialwünsche, die Menschen für ihre eigene Beerdigung hinterlassen haben. Die können nicht mehr alle erfüllt werden.

Taufen werden verschoben

Trost, so der katholische Pfarrer Peter Iwan, könne man in jederzeit möglichen Gesprächen finden, aber auch in der Aussicht, eine mögliche Trauerfeier nach Ende der Corona-Krise nachzuholen.

So wie es momentan mit den Taufen gehandhabt wird. In den Schwerter Gemeinden beider Konfessionen hat es seit dem 15. März bereits keine Taufen mehr gegeben. „Die werden wir alle nachholen“, sagt der evangelische Pfarrer Tom Damm.

Nottaufen, zum Beispiel bei Sterbenden, wird es aber weiterhin geben.

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