Traumobjekt stand jahrelang leer: Neues Leben im Bauernhof am Waldrand

rnLandwirtschaft in Schwerte

Als die Umgehung auf der Heide gebaut wurde, musste ein Bauer umgesiedelt werden. Doch der starb kurz darauf, sein nagelneuer Hof stand leer. Nun macht er eine Familie und Tiere glücklich.

Schwerterheide

, 08.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Traumhafter kann die Lage hoch über Schwerte einfach nicht sein. Vom Wintergarten schweift der Fernblick über die Fachwerkfassade des ehemaligen Ausflugslokals Esel Eckey und die ganze Ruhrstadt bis tief hinein in die sanften Berge des Sauerlandes. Alles unverbaubar. Drumherum nur saftige Wiesen und - ein paar Galoppsprünge entfernt - der ewig schöne Schwerter Wald. Kaum zu glauben, dass das fast nagelneue Anwesen fünf Jahre lang leer stand, bevor Michael und Britta Hötter es übernehmen konnten. Munteres Hufgetrappel hat die unwirkliche Stille abgelöst.

Das alte Zuhause im Wannebachtal war längst zu eng geworden

„Das ist jetzt unser Hof“, bestätigt die 48-Jährige, die auf der Hüsingheide den idealen Ort für ihren Pensionspferdebetrieb gefunden hat. Lange hatte die Familie danach gesucht. Denn in ihrem alten Zuhause, im Wannebachtal, war es längst zu eng geworden. Vor 20 Jahren hatte ihr Ehemann dort seinen Garten- und Landschaftsbau-Betrieb gegründet. Auch Pferde gab es, allerdings nur sieben an der Zahl. Für mehr reichte der Platz nicht.

ritta Hötter hat mit ihrem Ehemann Michael Hötter den jahrelang leerstehenden Bauernhof auf der Hüsingheide gekauft und dort einen Pferdehof eröffnet.

Britta Hötter hat mit ihrem Ehemann Michael Hötter den jahrelang leerstehenden Bauernhof auf der Hüsingheide gekauft und dort einen Pferdehof eröffnet. © Reinhard Schmitz

Gleichzeitig lag auf der Schwerterheide ein schmucker Hof in Dunkelheit. Erst 2006 war er auf dem einsamen Hügel am Waldrand aus dem Boden gestampft worden. Als Ersatzquartier für einen Bauern, der seinen angestammten Besitz am Osthellweg verlassen musste, weil der Kreis Unna sein Land für den Bau der Umgehungsstraße K20/Am Eckey benötigte. Doch es war dem Landwirt nicht lange vergönnt, seinen Neubau zu genießen. Er starb im April 2013 im Alter von nur 66 Jahren. Das Anwesen ging an eine Erbengemeinschaft und schlummerte verlassen wie ein Dornröschenschloss vor sich hin, bis es die Familie Hötter vor gut drei Jahren bei einem Versteigerungstermin erwerben konnte.

„Mein Mann hat sich einen Traum erfüllt“

Die Baugenehmigungen für die geplante Nutzung als Pferdehof ließen noch einmal lange auf sich warten. Ein Teil der Reithalle musste neu angebaut, der eigentliche Stall mit dem Auslauf errichtet werden, die Futterkammer und die Sattelkammer. Neben dem Löschteich wollte zwischen den Gebäuden der große Hof befestigt und gepflastert werden. Was immer möglich war, erledigten die neuen Besitzer mit den eigenen Händen. Vor einem Jahr konnten sie dann endlich einziehen. „Mein Mann hat sich einen Traum erfüllt“, verrät Britta Hötter: „Er ist gelernter Landwirt.“ Die Eltern des 47-Jährigen betreiben einen Bauernhof am Westhellweg.

Die Offenstallhaltung erlaubt den 20 Pensionspferden, jederzeit ins Freie zu gehen oder sich unter der geschützten Veranda aufzuhalten.

Die Offenstallhaltung erlaubt den 20 Pensionspferden, jederzeit ins Freie zu gehen oder sich unter der geschützten Veranda aufzuhalten. © Reinhard Schmitz

Das Besondere an dem neuen Pferdehof auf der Schwerterheide ist das Konzept mit dem so genannten Offenstall, in dem sich 20 Pensionspferde wohlfühlen dürfen. Herkömmliche Boxen gibt es nicht. Stattdessen eine Art großer Veranda, unter deren Dach sich die Reittiere zurückziehen und auf einer dicken Strohlage ausruhen können. Wenn sie wieder möchten, können sie von dort ungehindert zurück ins Freie, wo sie mit ihren Zähnen jederzeit Futter aus der Heuraufe herauszupfen können. „Über die Sommermonate gehen sie auf die Wiesen“, berichtet Britta Hötter. Frühere Äcker in Richtung Waldrand sind dafür großflächig mit Gras eingesät worden.

Geplant ist noch eine eigene Gruppe für alte Pferde

Der Betrieb setzt auf eigenes Futter. „Heu und Stroh machen wir selbst“, sagt Britta Hötter. Letzteres ist von einem Feld geerntet, auf dem Gerste angebaut wurde. Der Bedarf ist groß. Um über den Winter zu kommen, muss allein ein Vorrat von rund 300 Ballen Heu ins Lager gestapelt werden.

Von der Baustelle ihres Wintergartens, der als Esszimmer der Familie dienen soll,  genießt Britta Hötter den traumhaften Panoramablick über die frühere Ausflugsgaststätte Esel Eckey hinweg bis tief ins Sauerland.

Von der Baustelle ihres Wintergartens, der als Esszimmer der Familie dienen soll, genießt Britta Hötter den traumhaften Panoramablick über die frühere Ausflugsgaststätte Esel Eckey hinweg bis tief ins Sauerland. © Reinhard Schmitz

Dass alle Pensionsplätze derzeit ausgebucht sind, kann nicht verwundern. Britta Hötter plant noch einen Anbau an den Stall. Dort möchte sie aber ein besonderes Projekt verwirklichen: eine eigene Gruppe für alte Pferde, die ihren Lebensabend ein bisschen ruhiger verbringen möchten als unter ihren jungen Artgenossen.

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