Trinker vertreiben Senioren aus Schwerter Park

Geld für Soziarlabeit fehlt

Im Schwerter Stadtpark prallen Welten aufeinander. Gruppen die trinken und nicht nur Müll hinterlassen, Flüchtlinge die in der Nähe wohnen und Senioren. Wir haben uns vor Ort ein Bild gemacht. Rentnerin Emmi Beck hat uns dabei begleitet. Sie und Sozialarbeiter Rüdiger Rychlik berichten von der Situation im Park.

SCHWERTE

, 21.09.2015, 11:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Emmi Beck wohnt seit Jahren in einer Seniorenwohnung direkt am Park. Doch den nutzt sie kaum noch, denn im Schwerter Stadtpark prallen verschiedene Welten aufeinander. 

Die 76-Jährige ist nicht die einzige Nachbarin des Stadtparks, die sich ärgert. „Auch die Rollstuhlgruppe des nahen Pflegeheims nutzt den Park kaum noch“, so Emmi Beck. Seit Jahren wende man sich immer wieder an die Stadt. „Die Bänke sind besetzt von Gruppen, die dort trinken und nicht nur Müll hinterlassen“, erzählt die Seniorin. Denn Toiletten gibt es im Park nicht, und so erleichtern sich viele im Gebüsch vorm Schulhof der Friedrich-Kayser-Schule.

Keine feste Stadtpark-Szene

Seit in der benachbarten Turnhalle am Stadtpark Flüchtlinge untergebracht sind, wird der Park nicht nur von der Trinker-Szene, sondern auch von den Flüchtlingen intensiv genutzt. Dadurch stieß der Generationenausschuss des Rates auf das Thema. „Wir haben eine Anfrage aller Fraktionen an die Verwaltung gestellt, ob man das Gelände nicht aufräumen, das Grün schneiden und den Park kontrollieren kann“, so die Vorsitzende, Bianca Dausend (CDU).

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Doch so einfach ist die Lösung der sozialen Probleme im Park nicht. Bis Oktober 2014 hatte sich Sozialarbeiter Rüdiger Rychlik um Drogenkranke und Alkoholiker dort gekümmert. Zuletzt ehrenamtlich, weil die öffentlichen Mittel für seine Stelle gestrichen wurden und die Stadt selber kein Geld für freiwillige Ausgaben hat. Und als solche gilt die Betreuung der Szene rein rechtlich.

 

Der Sozialarbeiter weiß weiter: „Es gibt keine einheitliche Stadtpark-Szene.“ So versammelten sich hier zusätzlich zu Alkoholikern und Gelegenheitstrinkern auch Patienten aus dem Methadonprogramm. Letztere reisen aus der Region nur für die Methadonausgabe in der Haselackstraße nach Schwerte. Und verschwinden abends wieder.

Politik fordert Aufräumaktion 

Echte Obdachlose seien kaum im Park, so Rychlik. Für die gebe es im Rathaus eine Schlafstelle. „Dort sind auch Toiletten“, erklärt Jutta Pentling, die sich bei der Stadt um das Thema kümmert. Und die würden auch gut frequentiert. Allerdings nicht von Menschen im Stadtpark, sondern von Alkoholikern, die sich neben dem Spielplatz am Postplatz, also neben dem Rathaus treffen. 

Dass man durch Aufräumaktionen und das Niederschneiden der Büsche, wie es die Politiker jetzt fordern, der Szene und vor allem Müll und Wildpinklern Herr werden kann, glaubt Jutta Pentling nicht. Und auf Dauer könnte man die Leute nicht des Parks verweisen.

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