Trotz Zwangsschließung: Wirte in Schwerte bleiben vorerst gelassen

rnGastronomie in Schwerte

Während ab Montag (20. April) der Einzelhandel weitestgehend wieder öffnen darf, bleiben die Türen der Gastronomiebetriebe weiter geschlossen. Mancher Wirt nutzt die Gelegenheit.

Schwerte

, 20.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Bundesregierung am Mittwochnachmittag (15. April) eine weitere Lockerung der Corona-Beschränkungen bekannt gab, blieben Restaurants und Kneipen außen vor, denn die müssen weiterhin geschlossen bleiben. Auch in Schwerte fließt seit mittlerweile vier Wochen kein Bier durch die Zapfhähne.

„Die Pressekonferenz der Bundeskanzlerin war eine herbe Enttäuschung. Dass eine Branche mit 2,4 Millionen Beschäftigten in Deutschland mit keinem Wort erwähnt wird, ist ein Schlag ins Gesicht“, findet Lars Martin vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Westfalen.

Hilfe vom Land deckt die Kosten

Viele Gastronomen in Schwerte sehen das gelassener. „Ich habe schon damit gerechnet, dass es bis Mai dauert, bis wieder geöffnet werden darf“, kommentiert Frank „Pocke“ Simon von der Feuerteichschänke die jüngste Entscheidung. Dass der Einzelhandel schon wieder öffnen darf, sieht er sogar kritisch: „Ich hätte bis Mai alles zugemacht.“

Durch die finanzielle Soforthilfe des Landes können die laufenden betrieblichen Kosten laut Simon gedeckt werden. „Die laufen ja weiter, auch für Sky muss ich weiter bezahlen.“

Dabei gibt es weder Gäste, die in seine Kneipe kommen, noch Fußballspiele, die übertragen werden könnten.

Bis Frank „Pocke“ Simon in der Feuerteichschänke für seine Gäste wieder Bier zapfen darf, wird es vermutlich noch ein paar Wochen dauern.

Bis Frank „Pocke“ Simon in der Feuerteichschänke für seine Gäste wieder Bier zapfen darf, wird es vermutlich noch ein paar Wochen dauern. © Jessica Will

Über eine Aktion von Borussia Dortmund sammelt Simon zusätzlich Geld, das er sonst bei der Übertragung von BVB-Spielen eingenommen hätte. Einige Stammgäste spendeten schon über das Internet, sodass bereits mehr als 700 Euro zusammenkamen.

Wenn die Gastronomie unter Sicherheitsauflagen wieder öffnen dürfe, hätten laut Simon nur drei bis vier Gäste Platz in der Feuerteichschänke. „Da brauche ich dann auch nicht aufmachen.“

Regelung ist „völliger Quatsch“

Anders sähe es da bei der Ausflugsgaststätte Amsel aus. Die jetzige Regelung ist für Markus Hüppe nicht nachvollziehbar. „Das ist völliger Quatsch. In Baumärkten und Möbelhäusern drängen sich die Leute und es werden keine Abstände eingehalten.“

In der Amsel dagegen sei kein Betrieb erlaubt, obwohl dort Sicherheitsmaßnahmen wie Abstandsregelungen umgesetzt werden könnten. „Wir haben hier genug Platz.“ Das zeigte sich bereits vor dem Erlass zur Schließung, als die Tische der Gaststätte weit genug auseinander standen.

Sylvia Schülke von der Gaststätte Zur Waage sieht ein anderes Problem von Abstandsregeln. „Die Regeln kann ich einhalten, es macht aber dann keinen Spaß. Das ist eine Kneipe.“ Dort werde nun einmal geknobelt und mit Karten gespielt. Ohne Nähe sei das nicht möglich.

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Doch selbst, wenn Restaurants und Kneipen unter Sicherheitsvorkehrungen öffnen dürfen, seien die Umsätze laut Schülke nicht vergleichbar mit normalem Betrieb.

Um diese Verluste auszugleichen, überlegte Familie Hüppe kurzzeitig, einen Abholservice für die Gaststätte Amsel anzubieten. „Der Weg ist aber zu weit. Da ist das Schnitzel kalt, bevor die Leute oben am Tor sind“, erklärt Markus Hüppe. Also wurde der Plan verworfen.

Zeit zum Renovieren

In der Gaststätte Zum Sputnik in Westhofen nutzte Inhaber Marvin Spannaus die Zeit der Zwangsschließung. „Ich habe die Kneipe jetzt drei Wochen renoviert, sodass sie bei der Öffnung wieder in neuem Glanz erstrahlt.“

Wie die anderen Gastronomen auch hat Spannaus eine finanzielle Hilfe beim Land beantragt, die laufenden Ausgaben können damit bezahlt werden. „Die Soforthilfe deckt die Kosten bis mindestens Ende Mai.“ Bis dahin hofft Spannaus auf eine Wiederöffnung seiner Kneipe.

Die Hilfe des Landes ist allerdings nur für betriebliche Kosten gedacht. Private Ausgaben wie Mietzahlungen sind da außen vor. „Für zwei Monate geht es, danach wird es schwierig“, meint Spannaus.

Neben dem finanziellen Aspekt will Waage-Wirtin Sylvia Schülke das zwischenmenschliche Verhältnis nicht außer Acht lassen: „Die sozialen Kontakte als Wirtin fehlen mir auch.“

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