Amtsgericht

„Über den Kopf gewachsen“: Schwerter (26) übernimmt sich mit eigenem Ladenlokal

Er vertrieb Lifestyle-Produkte, mietete ein Ladenlokal an. Später konnte er die Rechnung in Höhe von 23.500 Euro nicht mehr bezahlen. Die Geschäftsidee eines jungen Mannes aus Schwerte scheiterte.
Ein 26-jähriger Mann aus Schwerte musste sich jetzt vor dem Amtsgericht verantworten. © Manuela Schwerte

Verkalkuliert: Mit einer Geschäftsidee im Lifestyle-Bereich übernahm sich ein 26-jähriger Schwerter, verlor den Überblick und konnte die fünfstellige Rechnung eines Lieferanten nicht mehr bezahlen.

Unbeglichene Rechnung über 23.500 Euro

Die Einnahmen waren gut, die Kasse klingelte und der junge Mann aus Schwerte war optimistisch. So optimistisch, dass er sich nicht nur ein Ladenlokal zulegte, sondern auch Ware bestellte, um sie vorrätig zu haben und Kundenwünsche prompt und nicht erst auf Bestellung erfüllen zu können.

Doch genau das wurde dem 26-Jährigen zum Verhängnis. Im Juni 2019 orderte er bei einem Anbieter eine Auswahl der Lifestyle-Produkte, die er vertrieb. Später war er nicht mehr dazu in der Lage, die Rechnung über rund 23.500 Euro zu begleichen. So wurde ihm vorgeworfen, von Anfang an nicht vorgehabt zu haben, seinen Part des Geschäfts zu erfüllen.

Vor dem Amtsgericht betonte der Verteidiger nun gleich zu Beginn des Betrugsprozesses: „Es ist dem Angeklagten über den Kopf gewachsen.“ Und ganz ähnlich beschrieb der 26-Jährige die Situation im Jahr 2019 dann auch.

Seine Geschäfte mit Kunden aus ganz Deutschland seien gut gelaufen und eine erste Lieferung des geschädigten Unternehmens habe er auch bezahlt. In seinem Laden habe er die Ware nicht mehr nur auf Bestellung veräußern, sondern direkt verkaufen wollen. Deshalb habe er die große Bestellung getätigt.

Geldstrafe zugunsten der Flutopfer im Ahrtal

Die Nachfrage sei dann plötzlich rückläufig gewesen, das Ganze sei ihm aus den Händen geglitten und er sei in eine finanzielle Schieflage geraten. Die Idee, auf Vorrat zu kaufen, habe sich im Nachgang als Fehler entpuppt. Zudem habe er die Kosten einfach unterschätzt. Zwar habe er mit Verkäufen Geld eingenommen, aber das sei woanders hingegangen – Versicherung, Miete und anderes.

Ende 2019 sei ihm alles über den Kopf gewachsen. „Ich habe den Überblick einfach verloren.“ Anfang 2020 habe er noch einmal versucht, das Ruder rumzureißen. Dann sei Corona gekommen. Aber, so beteuerte er: „Ich wollte niemanden schädigen, ich wollte niemanden betrügen.“ Sein Geschäft wolle er nun schließen, die restliche Ware verkaufen und mit dem Geld möglichst viel in Ordnung bringen.

Die Vertreterin der Anklage und die Richterin gaben dem Schwerter die Chance, einer Verurteilung zu entgehen. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt. Allerdings mit einer Auflage: Binnen sechs Monaten soll der 26-Jährige 5000 Euro Geldbuße zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung, die Flutopfer aus dem Ahrtal unterstützt, zahlen. Zahlt er rechtzeitig, kann der Fall zumindest strafrechtlich ad acta gelegt werden.

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