Unterschriften besiegeln das Kinderhaus Rasselbande im Nattland in Schwerte

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Wenn‘s ganz schnell geht, wird in einem Jahr das Kinderhaus Rasselbande im Nattland eröffnet. Viele berufstätige Eltern in Schwerte können aufatmen.

Westhofen

, 06.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Nur zu gern hätte Philipp Halbach eine Mitarbeiterin zurück im Unternehmen, die vor einigen Monaten Mutter geworden ist. Sie würde auch gern zurückkehren, hat aber an ihrem Wohnort im benachbarten Dortmund zehn Absagen für einen Tagesstättenplatz bekommen.

Vorerst wird Diagramm Halbach also weiter auf die qualifizierte Kollegin verzichten müssen. Anderen Unternehmen geht es ähnlich. Noch. Denn die Unternehmer haben es selbst in die Hand genommen, gemeinsam mit anderen Akteuren ein außergewöhnliches Projekt der Kinderbetreuung ins Leben zu rufen. Für das Kinderhaus Rasselbande im Nattland wurden am Donnerstag nach mehrjähriger Vorarbeit die Verträge unterzeichnet.

Axourgos spricht vom „historischen Tag“

Einen „historischen Tag“ für Schwerte rief Bürgermeister Dimitrios Axourgos aus. „Die neue Einrichtung bringt uns als Bildungsstadt einen großen Sprung nach vorn.“ Und sie befördere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Um die hat sich seit Jahren das Schwerter Bündnis für Familien stark gemacht, dessen Sprecher Michael Schlabbach am Donnerstag eine Menge Lob für die Hartnäckigkeit bekam, mit der sich das Bündnis immer wieder Gehör verschafft habe. Philipp Halbach: „Ohne Sie säßen wir jetzt nicht hier.“ Lob bekam auch die Stadt ab, die als Projektpartner mit an Bord ist und für die öffentlichen Mittel sorgt, ohne die ein neuer Kindergarten gar nicht zu stemmen wäre.

Den wichtigsten Anteil an der erforderlichen Überzeugungsarbeit beim Unternehmernetzwerk und der Stadt hat aber offenbar Angelika Kirstein gelegt. Sie ist Geschäftsführerin der gemeinnützigen GmbH Kinderhaus Rasselbande, die mit großer Erfahrung in unternehmensnaher und flexibler Kinderbetreuung aufwarten kan. Die von der Rasselbande geführten Einrichtungen zeichnen sich vor allem durch flexible Öffnungszeiten und viele Wahlmöglichkeiten aus. Die soll es auch im Nattland geben, wo 60 Kindergartenplätze in drei Gruppen entstehen sollen.

Mitarbeiterkinder bekommen rund die Hälfte der Plätze

50 bis 60 Prozent, so erklärte es Angelika Kirstein, werden an Mitarbeiterkinder der beteiligten Betriebe vergeben, der Rest ist für die Allgemeinheit. Die Öffnungszeiten von 7 bis 18 Uhr gelten für alle. Ebenso wie das Angebot, passgenaue Zeiten ganz individuell für jede einzelne Familie zu buchen. Bei Bedarf sogar bis 20 Uhr und samstags.

Die Kindergartenbeiträge werden wie gewohnt über die Stadt abgerechnet. 30 Euro zusätzlich werden fällig für die Flexibilitätszulage, Frühstücksgeld, etc. Schon bald, so kündigte Jugendamtsleiter Andreas Pap bei der Vertragsunterzeichnung an, könne der neue Kindergarten ab dem Kindergartenjahr 2019/2020 im Kita-Navigator angewählt werden.

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Mit Philipp Halbach hoffen derweil die Unternehmen Schrezenmaier, Sparkasse, Stadtwerke, das Marienkrankenhaus und die Bürgerstiftung Rohrmeisterei, dass es möglichst schnell geht, bis sie ihren Mitarbeitern bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz mit einem Kita-Platz helfen können. Für Philipp Halbach ist das auch ein „Akt von Wirtschaftsförderung“, dem bei der Fachkräftegewinnung ein immer größerer Stellenwert beigemessen wird.

Tagesstätte soll Ende 2019 fertig sein

Auch sein Mitstreiter Egon Schrezenmaier freut sich: „Für die Unternehmen im Netzwerk steigen mit unserer Kita die Chancen, gut ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen frühzeitig wieder in das Berufsleben zu integrieren. Wir hoffen, bis zum Jahresende 2019 unser Bauvorhaben im Nattland realisiert zu haben.“

Zeit genug für Angelika Kirstein, die zwölf Mitarbeiterstellen zu besetzen und die Erzieher mit dem Konzept vertraut zu machen. Die Frau, die 1995 das Kinderhaus Rasselbande in Castrop-Rauxel als Elterninitiative gegründet hat und heute ein Unternehmen mit 150 Mitarbeitern in mehr als zehn Kitas führt, erklärt auf Nachfrage gern, dass sich in ihren Einrichtungen die Erziehungsarbeit der zeitlichen Flexibilität anpasse.

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