Verwalter übernimmt Regie im Traditionsbetrieb

Eiscafé Mattiuzzi in Schwerte insolvent

Das Eiscafé Mattiuzzi steckt in Schwierigkeiten. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter hat das Ruder übernommen. Er sieht Überlebenschancen.

SCHWERTE

, 21.02.2018, 05:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Verwalter übernimmt Regie im Traditionsbetrieb

Das Eiscafé Mattiuzzi steht unter der vorläufigen Insolvenzverwaltung von Rechtsanwalt Kai Bartelt. Er sieht „grundsätzliche Überlebenschancen“ für den Schwerter Traditionsbetrieb. © Foto: Reinhard Schmitz

Im Winter ist‘s kalt, im Sommer ist‘s heiß, und immer schmeckt Mattiuzzi-Eis. Seit 65 Jahren ist dieser Werbespruch ein geflügeltes Wort bei den Schwertern. Dass es so bleibt, darum bemüht sich jetzt ein Dortmunder Rechtsanwalt. Kai Bartelt ist von Amtsgericht Hagen zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die Mattiuzzi Betriebsgesellschaft bestellt worden, die in finanzielle Turbulenzen geraten ist.

„Sie hat grundsätzliche Überlebenschancen“, erklärte Bartelt am Dienstag bei einem Termin vor Ort. Er werde den Betrieb im Rahmen der vorläufigen Insolvenzverwaltung fortführen: „Für längstens drei, eher zwei Monate.“ Gleichzeitig werde er ein Gutachten über die Vermögensverhältnisse schreiben und dem Gericht vorlegen. Das müsse anschließend entscheiden, ob das Verfahren eröffnet wird. Wenn ja, müsse zeitnah entschieden werden, ob es einen Interessenten gebe, der den Betrieb weiterführe.

Zehn Arbeitsplätze

„Ich bin generell ein Verwalter, der sehr viel fortführt“, sagte Bartelt. Schließlich hingen an dem Eiscafé zehn Arbeitsplätze: „Keiner von uns hat ein Interesse, dass die morgen hier ohne Job sind.“ Durch die derzeitige Regelung seien die Lohnzahlungen vorerst gesichert.

Nach der Ursache für die finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens gefragt, vermutete der vorläufige Insolvenzverwalter „ein Potpourri von allem“. Es sei immer schwer, gegen Altverbindlichkeiten anzukämpfen. Und in der wichtigen Sommerzeit seien Einnahmen weggebrochen – nach einer „Rufmord-Kampagne“, wie Geschäftsführer Alessandro Mattiuzzi klagt. Irgendwer habe das Gerücht in die Welt gesetzt, dass er 3,5 Millionen Euro im Spielcasino verspielt habe. Dann wiederum sei von Internet-Poker gesprochen worden. „Ich spiele nicht mal Lotto“, erklärte der 39-Jährige. Woher sollte er auch soviel Geld haben? „Leute, ich verkaufe die Kugel Eis für einen Euro“, beteuert er.

Während Anwalt Bartelt die wirtschaftliche Hoheit über das Eiscafé übernommen hat, bleibe die Personalhoheit weiterhin bei Mattiuzzi. „Er unterstützt mich“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter. Auch habe der Geschäftsführer „selbst schon vor geraumer Zeit sein Gehalt heruntergesetzt“.

Immobilie verkauft

Das Ladenlokal war schon im vergangenen Herbst kurzzeitig auf der Liste der Zwangsversteigerungs-Termine des Amtsgerichts Schwerte aufgetaucht. Die Versteigerung war dann aber zurückgezogen worden, weil sich ein Käufer für die Immobilie fand. „Der Betrieb ist Mieter“, sagte Bartelt. Auch das Inventar gehöre dem Vermieter – nach jetzigem Kenntnisstand, weil er alles noch ganz genau untersuchen müsse.

„Ich hoffe, jemanden zu finden, der den Betrieb übernimmt“, sagte Bartelt gestern.

Mattiuzzi selbst zeigte sich kämpferisch und optimistisch. Er möchte in diesem Jahr das 65. Jubiläum der Eisdiele feiern, die sein Vater Francesco Mattiuzzi 1959 gegründet hatte. Eigentlich war der damals nur zu einem Ferienjob aus seiner italienischen Heimatstadt Treviso nach Schwerte gekommen. Er wollte seinem Schwager helfen, der sechs Jahre zuvor an der Bahnhofstraße 15 das älteste italienische Eiscafé der Stadt eröffnet hatte. Doch die Leidenschaft für die kalte, leckere Creme im Hörnchen wurde so stark, dass Mattiuzzi für immer blieb.


Beliebter Treffpunkt

In den Neubau an der Beckestraße 1 zog das Eiscafé schließlich 1982 ein. „Da war ich dreieinhalb Jahre“, erinnerte sich Alessandro Mattiuzzi und erzählte von dem Andrang vor der Tür. Neben dem Studium als Kommunikationswirt absolvierte er noch die Ausbildung zum Eiskonditormeister, um den Betrieb fortzuführen. Viele Schwerter schwören auf seine Kreationen. Oder treffen sich auf einen Cappuccino in den Räumen.

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