Geschlossener Villigster Frischemarkt soll ein letztes Mal richtig Kasse bringen

rnNahversorgung in Schwerte

Von einem Tag auf den anderen standen die Villigster im August 2018 vor verschlossenen Türen. Ihr damals einziger Nahversorger hatte aufgegeben. Jetzt soll er noch mal Geld einbringen.

Villigst

, 12.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit mehr als anderthalb Jahren klingeln die Kassen nicht mehr im Villigster Frischemarkt. Urplötzlich war das damals letzte Lebensmittelgeschäft im Ortsteil im August 2018 geschlossen geblieben. Jetzt soll es noch einmal Geld einbringen. Sogar ziemlich viel, ungefähr wie ein Einfamilienhaus. Denn die Immobilie am Fasanenweg 2 kommt am Montag, 11. Mai, im Amtsgericht Schwerte unter den Hammer. Als „Gewerbeeinheit (z.B. Laden, Büro), 15 Kfz-Stellplätze als Sondernutzungsrecht, 1 Garage als Sondernutzungsrecht“, taucht sie bei den Zwangsversteigerungsterminen im Internet auf.

Die Ölheizung stammt wahrscheinlich noch vom Baujahr 1975

Die 305 Quadratmeter großen Verkaufsräume (plus 157 Quadratmeter im Keller) gehören zu einer teilweise unterkellerten Teileigentumsanlage, die auf einem Erbpachtgrundstück steht. Das Erbbaurecht läuft seit dem 1. Juli 1973 für die Dauer von 99 Jahren. Der frühere Laden hat daran einen Anteil von 86,5 Prozent. Als zweite Einheit gibt es noch eine kleine Wohnung im ersten Oberschoss samt kleinem Keller, die nicht zu der Versteigerung gehört.

Schon 2016 wurde das Lebensmittel-Sortiment aufgegeben. Es blieben Bäckerei- und Fleischtheke sowie ein Imbiss mit Partyservice.

Schon 2016 wurde das Lebensmittel-Sortiment aufgegeben. Es blieben Bäckerei- und Fleischtheke sowie ein Imbiss mit Partyservice. © Bernd Paulitschke (A)

Der Gutachter spricht von einem Unterhaltungsstau in dem Mitte der 1970er-Jahre hochgezogenen Objekt. Die Ölheizung stamme wahrscheinlich noch aus dem Baujahr 1975: „Es kann nicht gesagt werden, ob diese Heizung noch über längere Dauer funktionstüchtig ist.“ Darüberhinaus stellte der Experte unter anderem einen Wasserschaden im Keller fest. In dessen unterem Bereich habe das Wasser zwei bis drei Zentimeter hoch gestanden und Wände durchfeuchtet. Grund sei offenbar der Ausfall einer Pumpe, die mittels einer „Art Brunnen“ aufsteigendes Grundwasser beseitigen sollte.

Gründer fuhr auch mit dem Brotwagen durch die Straßen

Bis auf zwei kleinere Kühltheken und der kleinen Bäckerei-Theke

steht das Gewerbeobjekt leer. Ein trauriges Ende für den Nahversorgunger, der seit 1948 auch ein Treffpunkt der Villigster gewesen war. Viele erinnern sich noch an den Gründer Werner Graefe, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Knifte“, der auch mit einem Brotwagen durch die Straßen fuhr. 28 Jahre betrieb er das Lebensmittelgeschäft, dann ging es an einen Neffen.

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Später kamen Pächter. Der letzte erfüllte sich 2005 mit der Übernahme des Ladens einen Traum. Doch trotz allen Engagements kamen immer weniger Kunden. Man kaufte lieber auf dem Nachhauseweg von der Arbeit bei Supermärkten oder Discountern ein. Dazu kam 2015 die teure Einführung des Mindestlohns. Das einst zehnköpfige Mitarbeiter-Team musste verkleinert werden, das Sortiment ein Jahr später auf Backwaren, Fleischtheke und Imbissangebot schrumpfen. Aber letztlich konnte auch ein Partyservice die Einbußen nicht mehr ausgleichen.

Zwangsversteigerung

  • Die Versteigerung findet am Montag, 11. Mai, um 10 Uhr im Zimmer 104 des Amtsgerichts Schwerte, Hagener Straße 40, statt.
  • Bieter müssen damit rechnen, dass eine Sicherheitsleistung in Höhe von 10 Prozent des Verkehrswertes verlangt wird. Diese muss auf das Konto der Zentralen Zahlstelle Justiz bein der Landesbank Hessen-Thüringen überwiesen werden. Barzahlung ist nicht möglich. Auskünfte dazu gibt das Gericht unter Tel. (02304) 2408035.
  • Das originale Gutachten zu dem Objekt kann auf der Geschäftsstelle des Amtsgerichts Schwerte eingesehen werden nach Rücksprache unter Tel. (02304) 240800.
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