Nichts erinnert an dem Haus an die wilden Zeiten als „Schlangegrube“. © Heiko Mühlbauer
Immobilie der Woche

Vom Ausflugslokal über ein Bordell bis zum Wohnhaus – eine Immobilie mit Geschichte

Eigentlich wäre das Mehrfamilienhaus unweit vom Westhofener Kreuz kaum auffällig, wäre da nicht die schillernde Vergangenheit als Bordell mit dem malerischen Namen „Schlangengrube“.

Eine Burg, ein Bahnhof, ein Rathaus: Solche Gebäude haben Geschichte und Geschichten erlebt. Aber manche Häuser haben eine bemerkenswerte Geschichte, die man ihnen gar nicht ansieht.

Das Haus selbst, fällt nur deshalb in den Blick, weil es das letzte Wohnhaus an der Hauptstraße in Westhofen ist. Quasi am Rande des Ortszentrums. Fünf Parteien stehen auf den Briefkästen, die Fenster unauffällig mit Gardinen und Blumen.

Doch alte Westhofener kennen das Gebäude nur zu gut, natürlich niemand persönlich.

Ein Etablissement namens „Schlangengrube“

Unter dem Namen „Schlangengrube“ war es einst als wohl verruchtestes Etablissement des Ortsteils bekannt. Diese bewegte Vergangenheit sieht man dem heute biederen Wohnhaus an der Reichshofstraße gar nicht mehr an. Die weiß getünchten Mauern auf dem Bruchsteinsockel, direkt neben dem ehemaligen Westhofener Bahnhof, haben jegliche Erinnerung an frühere Rotlichtzeiten abgeschüttelt.

Von der Bar zu einem Ort mit „Spaß ohne Ende“

„Man konnte sich da drin vergnügen“, erklärt Ortsheimatpfleger Lothar Meißgeier vielsagend. Und natürlich kennt er das Treiben selbst nur vom Hörensagen: „Es bestand die Möglichkeit, dass man da Spaß haben konnte ohne Ende.“ Mehr erzählen Westhofener selbst hinter vorgehaltener Hand nicht mehr von den Damen in der Bar, die ursprünglich mal eine stinknormale Gastwirtschaft gewesen war. Damals, als Ausflügler noch in Scharen mit der Eisenbahn nach Westhofen fuhren, um eine Wanderung zur Hohensyburg zu unternehmen. Und werktags die Arbeiter der Stahlwerke Brüninghaus auf dem Heimweg an der Quelle für ein Feierabend-Bierchen vorbeikamen.

Einst als Gaststätte Weinberg gegründet

Unter dem Namen Gaststätte Weiberg wurde das Lokal lange Zeit von den Geschwistern Ida und Ludwig Weiberg betrieben, weiß Meißgeier. Später hätten Horst Sprave und seine Ehefrau Ida hinter der Theke gestanden.

Vor dramatischem Himmel erhebt sich das verschwundene Hotel Wittekind an der Reichshofstraße gegenüber dem Westhofener Bahnhof. Auf der rechten Straßenseite beherbergte das langgestreckte Gebäude später die berüchtigte „Schlangengrube“, bekannt als Puff von Westhofen. © Foto: Reinhard Schmitz © Foto: Reinhard Schmitz

Brand beendete die Geschichte der Schlangengrube

Die wilde Zeit als „Schlangengrube“ muss irgendwann in den 70er-Jahren begonnen haben. So gut scheint der Verkehr allerdings wohl doch nicht gelaufen zu sein, denn bereits Ende 1983 gingen die Lichter über der langen Theke mit den Barhockern aus. Im April 1984 zerstörte ein Brand, der im hinteren Teil des Schankraums ausbrach, dann die komplette Inneneinrichtung. Der Feuerwehr, die um 21.59 Uhr mit drei Fahrzeugen und 20 Männern anrückte, gelang es, wenigstens das Gebäude zu retten.

Danach begann das zweite Leben der Schlangengrube. Als Wohnhaus, deutlich weniger auffällig, dafür aber bis heute nachhaltig.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz