Von freilaufendem Hund gejagt und schwer gestürzt: Reiter klagen über fehlende Toleranz

rnIm Schwerter Wald

Ein nicht angeleinter Hund jagte Simone Franksen auf ihrem Pferd durch den Schwerter Wald. Sie fiel und musste operiert werden. Probleme zwischen Hund und Pferd sind kein Einzelfall.

Schwerte

, 29.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An das Kläffen kann sie sich noch erinnern – und daran, dass der Hund an ihrem Pferd hochgesprungen ist. Vom Unfall selbst weiß Simone Franksen aber nichts mehr. Erst auf dem Waldboden kam sie wieder zu Bewusstsein.

Aber von vorn: Am 31. Oktober ritt Simone Franksen mit ihrem Pferd durch den Schwerter Wald, entlang des Mutter-Möller-Wegs. Zwei Frauen gingen wenige Meter vor ihr mit einem Hund spazieren, hielten an, um ihr Platz zu machen.

Doch die Reiterin wollte sowieso auf den besandeten Reitweg im Waldstück abbiegen. „Als das Pferd dann langsam angaloppiert ist, muss der Hund hinter uns her sein. Ich habe es erst nicht bemerkt, aber mein Pferd wurde immer schneller. Dann habe ich das Hundebellen gehört.“

Hundebesitzer riefen Hund kurz zurück, aber ohne Erfolg

Sie sei noch an den Hundebesitzern vorbei geritten, in der Hoffnung, dass diese das Tier unter Kontrolle bringen. Ein oder zwei Mal hätten sie kurz „Robbie“ gerufen, der schwarze Hund habe aber nicht von Simone Franksen abgelassen und sei an dem Pferd hochgesprungen.

Fast panisch versuchte sie, im Sattel zu bleiben, als Pferd und Hund durch die engen Lücken zwischen den Bäumen rannten. „Ich dachte nur: Das war‘s.“ Dann der Blackout.

Von freilaufendem Hund gejagt und schwer gestürzt: Reiter klagen über fehlende Toleranz

Die Zeichnung an den Bäumen grenzt den besandeten Reitweg ganz deutlich vom Rest des Waldes ab. © Aileen Kierstein

Das Pferd muss sie abgeworfen haben. Erst auf dem Waldboden kam die Dortmunderin wieder zu sich. „Ich muss auf dem Rücken gelandet sein. Ich hatte dort ein riesiges Hämatom, so groß wie eine halbe Melone. Im Krankenhaus wurde es operativ entfernt.“ Hinzu kamen weitere blaue Flecken an den Hüften, Schürfwunden im Gesicht und eine Gehirnerschütterung. Nach der OP hatte sie zwei Drittel ihres Bluts verloren.

„Die Halter haben mich meinem Schicksal überlassen.“

Was Simone Franksen aber am meisten ärgert ist nicht unbedingt das Verhalten des Hundes. „Der ist ein Jagdtier und wird von seinen Instinkten getrieben. Aber die Halter haben doch mitbekommen, dass der Hund mich gejagt hat. Sie hätten einmal nach mir schauen können und mich nicht einfach meinem Schicksal überlassen.“

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Es hätte schlimmer kommen können, das weiß die 47-Jährige. Auch ihrer Tochter ist beim Ausreiten im Schwerter Wald ähnliches passiert – wahrscheinlich sei es auch der gleiche Hund gewesen, ein mittelgroßer schwarzer Langhaar-Hund.

Mit Plakaten wollte Simone Franksen Kontakt zu den Hundebesitzern aufnehmen, drei Mal seien diese aber schon nach kurzer Zeit abgerissen worden. „Wahrscheinlich von den Besitzern selbst. Mich hat auch jemand angesprochen, der glaubt, sie dabei beobachtet zu haben.“ Und dann gab es noch einen Hinweis: „Durch die Plakate hat sich jemand an die Besitzer erinnert. Eine Dame rief an und sagte mir, dass der gemeinte Hund auch schon ihren eigenen Hund im Wald angegriffen hätte.“

Sie wolle aber auf keinen Fall alle Hundebesitzer verteufeln. „Ich weiß, dass das Ausnahmen sind. Es geht mir nur darum, für das Thema zu sensibilisieren.“

Hundebesitzer schmissen Spielzeug auf Weide: Pferd verletzt

Auch auf der Schwerterheide gab es Probleme zwischen Hund und Pferd. Als Kerstin Plöger an einem Morgen zum Stall kam, lahmte ihr Pferd plötzlich. „Ich dachte schon, dass es eingeschläfert werden muss“, erinnert sich die 45-Jährige.

Dann habe sie durch Zufall ein Hundespielzeug auf der Weide gefunden. „Wahrscheinlich ist das Tier hinter dem Spielzeug her und kam dann dem Pferd in die Quere. Es ist wichtig, dass wir die Hundebesitzer sensibilisieren. Wahrscheinlich fehlt oft einfach das Bewusstsein.“

Auch das Pferd von Simone Franksen hat noch mit dem Vorfall im Oktober zu kämpfen. „Er hat jetzt panische Angst vor Hunden und lahmt auch nach knapp zwei Monaten noch.“ Auch sie selbst werde beim Ausritt im Gelände immer Respekt vor Begegnungen mit Hunden haben. Eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei hat sie kurz nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus gestellt. Sie rechnet sich aber keine hohen Chancen aus. Denn im Zweifelsfall stehe Aussage gegen Aussage.

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