Schon vor 100 Jahren gab es E-Autos: Der Schwerter Klaus Rossfeld half eines zu retten

rnHistorisches Elektroauto

Deutschlands ältestes Elektroauto ist 100 Jahre alt geworden. Den Bericht darüber las Klaus-Josef Rossfeldt auf der RN-Internetseite. Und erinnerte sich, wie er half, den Oldtimer zu retten.

Schwerte

, 22.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elektroautos sind der angesagte Trend in der Automobilwelt. Neu ist das nicht. Im Gegenteil. Vor hundert Jahren waren zum Beispiel in New York 40 Prozent aller Fahrzeuge Elektro-Autos und auch in Deutschland gab es E-Mobile.

„In den 20er Jahren gab es drei konkurrierenden Antriebsarten bei Autos“, berichtet Klaus-Josef Rossfeldt (67), Automobilhistoriker, Sachbuchautor und Sammler: „Dampf, Benzin und Strom“. Trotz noch nicht sehr leistungsfähiger Batterien hatten E-Autos einen guten Ruf, denn weil es nur wenige bewegliche Teile gab, waren die Wagen sehr zuverlässig.

Kuriose Episode der Automobilgeschichte

Firma Hawa (Hannoversche Waggonbau) versuchte den Schritt in die Autoindustrie und baute den Hawa 40 Volt. Die verkauften 2000 Exemplare waren angesichts der Weltwirtschaftskrise ein Achtungserfolg. Aber nicht langfristig. Elektrowagen setzten sich nicht durch, Benziner hatten einfach die überlegene Reichweite.

Der Hawa war ein Wrack, als er in Australien. Komplett restauriert und fahrbereit steht er jetzt in einem Hannoveraner Museum.

Der Hawa war ein Wrack, als er in Australien entdeckt wurde. Komplett restauriert und fahrbereit steht er jetzt in einem Hannoveraner Museum. © Foto: Roßfeldt

70 Jahre später wurde diese eher kuriose Episode der deutschen Automobil-Geschichte teil von Klaus-Josef Rossfeldt Leben. 1990 klingelte eines Tages das Telefon bei dem damals in Fachkreisen schon bekannten Rolls-Royce- und Bentley-Fachmann. Ein befreundeter Sammler, Prof. J.C. Gallagher aus England, meldete sich, weil er von einem Sammler aus Australien angesprochen worden war.

Australier baut Oldtimer neu auf

Eric Raynsford hatte in Adelaide einen Hawa erworben. Wie das Elektro-Auto nach Australien gekommen war, ließ sich nicht mehr nachvollziehen. Doch der Hawa war in einem schlechten Zustand und der Australier wollte die Rarität restaurieren.

Einfachste Technik: Hebel nach vorn, volle Fahrt (etwa 30 km/h); Hebel zurück und es geht rückwärts. Ein Getriebe brauchte der Hawa nicht.

Einfachste Technik: Hebel nach vorn, volle Fahrt (etwa 30 km/h); Hebel zurück und es geht rückwärts. Ein Getriebe brauchte der Hawa nicht. © Roßfeldt

Klaus-Josef Rossfeldt entdeckte in einem Museum in Hannover Original-Bau- und Schaltpläne des Hawa. Damit konnte der australische Sammler die alte Technik wieder neu aufbauen lassen. Das war nicht billig aber Raynsford scheute keine Kosten. Auch nicht, als er wenig später das ganze Fahrzeug zur Hannover-Messe überführen ließ.

Elektroauto kehrt in seine Heimat zurück

Der dortige Museumsleiter überredete Raynsford, den Wagen in seiner Heimatstadt zu lassen – erfolgreich. Das Stück ist nun ein Glanzstück der Ausstellung. Nur eines von zwei erhaltenen Exemplaren.

In Hannover konnte Rossfeldt den Hawa selbst besichtigen und Fotos machen: „Kein spektakuläres Autos, aber seiner Zeit hundert Jahre voraus“.

Jetzt zu seinem 100-jährigen Bestehen ging der Hawa durch die Medien und Klaus-Josef Rossfeldt erinnerte sich an diese Episode.

Und er schmunzelt über den heutigen Stand der Technik bei Elektro-Autos. „Nach hundert Jahren gibt es noch immer die gleichen Probleme bei E-Autos: Reichweite und Ladezeit“. Seine Prognose für die E-Mobilität: „Um die Massentauglichkeit zu erreichen, müssen Politik und Industrie noch viel aktiver werden.“

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