Vor 55 Jahren kam der erste Schwerter Gastarbeiter

Erinnerungen an früher

Die 60er-Jahre des Ruhrgebiets waren von Wirtschaftswachstum, Kohle und Stahl geprägt. Zahlreiche Gastarbeiter, vor allem aus Italien und der Türkei, fanden den Weg nach Deutschland. Der erste Schwerter Gastarbeiter war Kenan Karanfil. Vor genau 55 Jahren hat er das erste Mal Schwerter Boden betreten.

SCHWERTE

, 25.11.2016, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vor 55 Jahren kam der erste Schwerter Gastarbeiter

Kenan Karanfil ist heute vor 55 Jahren als Gastarbeiter nach Schwerte gekommen.

Langsam rollte der schwere Zug in den Schwerter Bahnhof. Als sich seine Türen öffneten, blickte der damals 27-jährige Türke auf seine neue Heimat – und es sollte seine Heimat bleiben, bis heute. „Damals konnte ich noch kein Wort Deutsch und stand plötzlich in einer mir völlig fremden Welt. Aber ich freute mich unglaublich auf die Chancen, die wir in diesem Land hatten“, erinnert sich Karanfil.

Zwei Tage zuvor hatte er sich mit zwei Freunden auf den Weg nach Deutschland gemacht. Von Bolu, einem kleinen Ort zwischen Ankara und Istanbul, ging es zunächst nach München. An einem Samstagmorgen erreichten sie schließlich die Ruhrstadt. „Meine Freunde verschlug es schnell in andere Ecken. Aber ich blieb hier. Mir gefiel es sofort“, sagt der 82-Jährige.

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Nachdem er in der Türkei die Berufsschule abgeschlossen hatte, sollte es in Deutschland eigentlich mit einem Maschinenbau-Studium weitergehen. Die anfänglichen Sprachprobleme machten das allerdings unmöglich. Also blieb er zunächst bei der Firma Brüninghaus in Westhofen, bei der bis zur Insolvenz 2004 Wagonbau betrieben wurde.

Später widmete er sich lange Zeit der Gastronomie. „In dieser Zeit lernte ich auch meine Margarete kennen“, schwärmt Karanfil. Über 25 Jahre waren die beiden verheiratet, bis sie vor zwölf Jahren starb. „Wir hatten eine schöne Zeit“, sagt der gebürtige Türke.

Reisefreudiger Hobbysportler

Heute ist der ehemalige Gastarbeiter schon lange in Rente. Seine 82 Jahre sind ihm kaum anzusehen. Er trägt gerne Turnschuhe, geht viel Spazieren und hält sich fit. Auch Sport gehört immer noch zu seinem Alltag. „Ich gehe Joggen und schwimme auch sehr gern. Die Leute sagen, ich bin verrückt, aber was soll ich Zuhause. Ich will mich bewegen“, sagt Karanfil und lacht.

Außerdem reist er gerne ans ägäische Meer. Dahin, wo es warm ist. Doch so schön es dort auch sein mag, der Hobbysportler freut sich noch heute auf den Moment, in dem er wieder in Schwerte ankommt. Auf den Moment, in dem er seine Wohnung in der Poststraße betritt. Auf den Moment, in dem er wieder Zuhause ist. In seiner Heimat. In seinem Schwerte.  

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