Bundestagswahl 2021

Wahlarena 2021: Das sagen die Kandidaten zu Klimawandel und Hochwasserschutz

Fünf der sechs Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Unna I standen in unserer Livesendung Rede und Antwort. Wir haben die Antworten noch einmal für Sie zusammengefasst. Teil 1: Klimaschutz und Hochwasser.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Die Wahlarena 2021 im Livestream, organisiert von Ruhr Nachrichten und Hellweger Anzeiger, fühlte den Kandidaten für den Wahlkreis Unna I noch einmal auf den Zahn. In einer kleinen Serie fassen wir die Antworten der Kandidaten zu den einzelnen Themen noch einmal für Sie zusammen.

Im ersten Fragenblock ging es um den Klimawandel sowie den Hochwasserschutz und die Flutkatastrophe im Juli. Auch Teile des Kreises Unna standen ab dem 14. Juli unter Wasser. Klimaforscher sagen zudem schon lange eine Zunahme von Starkwetterereignissen voraus.

Was soll aus Sicht der Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Unna I also geschehen, um das Ruder noch einmal herumzureißen? Und was wollen die Parteien in dieser Hinsicht zum Schutz der Bevölkerung tun?

Oliver Kaczmarek (SPD): „Nicht nur wollen, sondern auch machen und können“

„Wir brauchen mehr Räume, in denen das Wasser sich auch entfalten kann (…). Neben Schutzräumen brauchen wir auch technischen Umweltschutz. Ich bin als Forschungspolitiker dabei mit zu entwickeln, wo wir Alternativen schaffen können, damit wir in staatlichen Einrichtungen forschen können, aber auch in Unternehmen. Wir wollen das 1,5-Grad-Ziel einhalten und 2045 spätestens klimaneutral sein. Das funktioniert nur, wenn wir gleichzeitig die Alternativen entwickeln (…). Deswegen sind nicht nur Worte, sondern auch Taten gefragt.“

„Im Bezug auf Hochwasserschutz ist mir wichtig, unsere Städte in die Lage zu versetzen, sich eigenständig vor solchen Situationen schützen zu können (…) und zu investieren (…). Das Zweite ist darüber nachzudenken, wie die Menschen sich selbst schützen können. Da kommen wir schnell auf das Thema Elementarschadenversicherung und die Frage, ob diese Versicherung bald als Pflichtversicherung eingeführt wird. Ich glaube, beide Punkte gehören zusammen.“

Hubert Hüppe (CDU): „Klimaschutz muss nicht heißen, dass wir nicht Arbeitsplätze gewinnen“

„Man muss konkrete Maßnahmen durchführen. Mit dem Ausstieg aus der Braunkohle hat Minister Laschet schon eine konkrete Maßnahme getan (…). Es muss auch mit der Technik funktionieren. Wasserstoff ist eine Möglichkeit, in die mehr investiert werden muss (…). Klimaschutz muss nicht heißen, dass wir nicht Industrie- und Arbeitsplätze gewinnen (…).“

„Ich will nicht nur beschreiben (…), sondern auch sagen, was man machen kann. Eine Möglichkeit kann die Renaturierung von Flüssen sein. Wir haben ganz viele Flüsse, die kanalisiert wurden und dann übergelaufen sind (…). Dann müssen wir genau hinschauen, was wir versiegeln. Wir bauen überall etwas hin, ohne auf Folgen zu schauen.“

„Zudem muss es neue Möglichkeiten geben im Wohnungsbau, um wieder in die Höhe zu gehen (…) . Auch eben genannte Technologien wie Wasserstoff helfen da. Da könnte man zum Beispiel mit Parabolspiegeln in Ägypten Wasserstoff gewinnen (…). Davon hätte die Region viel und wir hätten mehr Klimaneutralität.“

Michael Sacher (Grüne): „Wir brauchen Lösungen, die über einen Tag hinausgehen“

„Eine reell umgesetzte Klimapolitik wird derzeit nur von den Grünen gefordert. Natürlich müssen wir dabei auch auf Wissenschaft und Technik setzen, um bestimmte Entwicklungen weiter nach vorne zu bringen. Aber man muss sich auch die Fragen zu Mobilität, Industrie und CO2-Reduktion stellen. Was dabei häufig unter den Tisch fällt, ist die Artenvielfalt, die verloren geht. Das hängt zusammen und ist ein genauso dramatisches Problem. Wir müssen also nicht nur auf Technologie setzen, sondern auch darauf, vernünftige Reduktionen oder (…) andere Ansätze einzuführen.“

„Reduktionen kann man in unterschiedlichen Bereichen angehen. Wenn wir das aber nicht schaffen, kommen Katastrophen, die weit über unsere lokalen Ereignisse hinausgehen (…). Erderwärmung führt zu chaotischem Wetter. Das heißt, wir haben jetzt Flutereignisse und denken, wir müssen uns nur vor Wasser schützen. Freiraum zur Versickerung zu schaffen, ist natürlich eine wichtige Maßnahme, aber man weiß auch nicht, ob in der Zukunft nicht Dürrezeiten kommen. Man muss sich also auf alles einstellen und deshalb braucht man Lösungen, die auch über einen Tag hinausgehen.“

Suat Gülden (FDP): „Wir müssen auf Technologie setzen und Anreize schaffen“

„Als ich die Bilder vom Hochwasser gesehen habe, hat es mir die Sprache verschlagen (…). Ich und die FDP werben für Technologieoffenheit. Solche Katastrophen und Schäden können im Klimawandelprozess immer wieder stattfinden und nicht verhindert werden. Technik, wie zum Beispiel Warn-Apps, kann in solchen Situationen Hilfe schaffen. Das hat bei diesem Mal nicht so gut geklappt. Wir brauchen also kluge Lösungen, um solche Katastrophen kurzfristig zu beseitigen. Auf der anderen Seite können wir auch Emissions-Zertifikate von der EU für den Klimaschutz sehr gut gebrauchen.“

„Auch im Hochwasserschutz müssen wir auf Technologie setzen und Anreize schaffen, dass das auch passiert. Wir müssen Bürokratie abschaffen, damit unsere Forscher und Techniker in dieser Hinsicht auch Arbeit leisten und uns mit vielen cleveren Technologien versorgen können. Der CO2-Emissionshandel belohnt zudem die Leute, die Emissionen einsparen und bittet die Leute an die Kasse, die viel CO2 verbrauchen. So können wir Anreize schaffen.“

Andreas Meier (Linke): „Wir müssen unser Quäntchen beitragen“

„Die Linke will den Kohleausstieg vorziehen. Wir können uns nicht nur auf das Versprechen stützen, Technologien zu entwickeln (…). Gute Beispiele wie die Wasserstofftechnik wurden schon angesprochen, aber wir müssen auch in die Strukturen gehen (…) . Wir brauchen mehr stadtplanerische Instrumente, die nicht auf reines Beton und Versiegelungspläne ausgerichtet sind. Wir müssen zudem die Emissionen reduzieren (…), um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Man kann sagen, andere Länder sind auch schuld, aber auch wir müssen unser Quäntchen dazu beitragen. Wir stehen dazu, die Emissionen auch wirklich zu reduzieren.“

„Zum Thema Hochwasserschutz komme ich noch einmal auf das Konzept der Schwammstädte zurück. Kurz gesagt, brauchen wir mehr Grün in unseren Städten und dem Umland. Weg von Flussbegradigungen, von denen es in Deutschland seit der Industrialisierung noch genug gibt (…). Wir müssen Kommunen aber nicht nur Gelder bereit stellen. Kommunen, Unternehmen und Privatleute müssen auch alle was machen (…). Mit mehr Grün kann das Wasser direkt versickern und belastet die Kanalsysteme bei Starkregenereignissen nicht mehr.“

Anmerkung der Redaktion: Auch der Kandidat der AfD, Ulrich Lehmann, war eingeladen. Er sagte kurzfristig ab mit der Begründung, es sei „entwürdigend“, dass für die Teilnahme an der Veranstaltung laut Coronaschutzverordnung Impfung, negativer Test oder Nachweis einer überstandenen Infektion notwendig war.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Student für Sozialwissenschaft und Philosophie – gebürtiger Schwerter und Wahl-Dortmunder. Immer interessiert an Menschen aus dem Ruhrgebiet und ihren Geschichten.
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Felix Mühlbauer

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