Ein Stück des Schwerter Waldes wird zum Urwald – Was bedeutet das für Spaziergänger?

Schwerter Wald

Im Schwerter Wald gibt es bald eine Fläche, die als Wildnisentwicklungsgebiet gelten wird. Der Mensch soll dort nicht mehr eingreifen. Was bedeutet das für Joggen, Spazieren oder Reiten?

Schwerte

19.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
An den Mutter-Möller-Weg grenzt das künftige Wildnisentwicklungsgebiet.

An den Mutter-Möller-Weg grenzt das künftige Wildnisentwicklungsgebiet. © Ingo Rous / Stadt Schwerte

Ein Stück des Schwerter Walds wird bald sich selbst überlassen sein. Auf 16,2 Hektar soll ein Wildnisentwicklungsgebiet entstehen, in der Mensch nicht mehr eingreifen darf. Heißt: Pflanzen dürfen so alt werden, wie sie können. Bäume, die beim Sturz gefallen sind, bleiben liegen und an deren Stelle darf wachsen, was will. Auch der Schädlingsbefall wird seinen natürlichen Weg gehen.

Zurück geht das alles auf das ökologische Waldkonzept, das der Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung und Umwelt im Rat der Stadt Schwerte im November 2018 auf den Weg gebracht hat.

Jetzt wird das Wildnisentwicklungsgebiet im Schwerter Wald kartiert, teilte die Stadt Schwerte am Dienstag mit. Die Biologische Station des Kreises Unna/Dortmund hat vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) einen entsprechenden Auftrag bekommen.

Bäume müssen gezählt und beschrieben werden

Zur Kartierung gehört die Aufnahme und Beschreibung der Flächen, Altbäumen, der Nist- und Bruthöhlenbäume und der sonstigen Bepflanzung. Die erforderlichen Arbeiten werden in unbelaubtem Zustand des Waldes durchgeführt.

Jetzt lesen

Neben dieser Biotopkartierung ist es ferner geplant, auf dieses besondere Waldgebiet mit mehreren Schautafeln hinzuweisen. Alle Maßnahmen erfolgen für die Stadt Schwerte kostenfrei.

Schon 2017 hatte das LANUV festgestellt, dass eine Teilfläche des Schwerter Waldes als Wildnisentwicklungsgebiet geeignet ist. Eine Holzentnahme findet hier nur im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht an Wegen und in ausgewählten Fällen für eine nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz unter den Maßgaben des ökologischen Waldkonzeptes statt.

Wälder kühlen die Temperatur in der Umgebung ab

Naturnahe Wälder mit altem, großkronigen Baumbestand sind ein wertvoller Speicher von Wasser und kühlen durch Verdunstung die heißen Umgebungstemperaturen spürbar ab. Wälder sind ein natürlicher Speicher von CO2 und Erzeuger von Sauerstoff. Gleichzeitig wirken Wälder als natürlicher Filter von Luftschadstoffen.

Hier soll das Wildnisentwicklungsgebiet entstehen.

Hier soll das Wildnisentwicklungsgebiet entstehen. © Karte: LANUV

Bemerkenswert ist das hohe Durchschnittsalter der Bäume des Schwerter Waldes. Von den 240 Hektar Kommunalwald sind rund 60 Hektar älter als 140 Jahre und 150 Hektar zwischen 100 und 140 Jahren. Der Schwerter Wald entspricht mit diesen Merkmalen einem Wald von großer Naturnähe und befindet sich auf dem Weg zu einem ursprünglichen Wald, dem neben seiner positiven Klimawirkung auch eine hohe Bedeutung für die Artenvielfalt zukommt.

Sind Joggen, Reiten oder Walking noch erlaubt?

Das Naturschutzgebiet erfuhr die endgültige Widmung im November 2019 durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Alle wegegebundenen Erholungsaktivitäten wie Spazierengehen, Joggen, Nordic-Walking oder Reiten sind weiterhin ausdrücklich erwünscht und können weiter im gewohnten Umfang stattfinden.

Lesen Sie jetzt