Warum ein zentraler Ein-Euro-Laden ein Gewinn für Schwertes Innenstadt ist

rnKlare Kante

Ein Ein-Euro-Laden kommt zentral in die Schwerter Innenstadt. Schlimm? Ganz im Gegenteil: Gut so! Wenn man ehrlich ist: Das ist doch das Beste, was passieren kann!

Schwerte

, 08.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht bergab mit der Schwerter Innenstadt. Früher - man erinnert sich gerne - gab es noch viele Einzelhändler. Inhabergeführt, man kannte sich, blieb gerne mal zur längeren Unterhaltung, holte sich Beratung und zahlte in bar.

Heute aber gibt es doch nur noch Schund. Man kriegt ja gar nichts Richtiges mehr. Handygeschäfte. Ein-Euro-Läden. Bald auch noch an zentraler Stelle - an der Ecke Mährstraße/Hüsingstraße.

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Sehen Sie das auch so? Im Ernst?

In dem Fall habe ich eine Gegenfrage: Wie sieht denn ihr Gegenvorschlag aus? Was soll denn sonst dort einziehen? Eine schicke kleine Boutique? Der ist die ehemalige Ernsting‘s-Family-Filiale zu groß und zu teuer. Das wäre wirtschaftlicher Unsinn.

Was wäre der nächste Vorschlag? Der Filialist einer größeren Kette? Hunkemöller, H&M, Hussel - etwas aus dieser Liga? Um es so offen wie schmerzhaft zu sagen: Die einen haben sich aus gutem Grund aus Schwerte zurückgezogen - und sicher hatte es auch mit zu geringen Umsätzen zu tun. Und die anderen werden gar nicht erst in Erwägung ziehen, eine Filiale in einer Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern zu eröffnen, die zwischen Hagen, Dortmund und Iserlohn liegt.

Diese Stadt ohne Leerstände in der Innenstadt - das geht nicht

Schwerte hat ein Problem: Es gibt einfach zu viele Ladenlokale in der Innenstadt. Aneinandergereiht sind die Läden so lang wie der Westenhellweg in Dortmund. Und selbst dort gibt es Leerstände.

Die Supermärkte haben sich längst aus Innenstädten verabschiedet. Sie sind hinausgezogen auf die Wiese, in Neubauten mit ausreichend Parkplätzen und Flächen für die Anlieferung. Die Schwerter sollten froh sein, in der Innenstadt noch mehrere Blumenhändler, Drogeriemärkte, Buchhändler und Kleidungsgeschäfte zu haben. Solch eine Auswahl ist für eine Stadt dieser Größenordnung keineswegs selbstverständlich.

Der Feind des Einzelhändlers heißt Amazon

Zurück zum Ein-Euro-Laden an der Ecke Mährstraße/Hüsingstraße: „Ich habe ja auch erst gedacht ‚Oh Gott, ein Ein-Euro-Laden‘ “, sagte mir neulich ein benachbarter Einzelhändler: „Aber wenn das hier die Alternative ist...“, fuhr er fort und zeigte auf den halb zuplakatierten Leerstand.

Das ist genau das Problem: Es gibt keine Alternative. Darüber sollten sich die Kunden und die anderen Händler im Klaren sein. Idealerweise zieht ein Ein-Euro-Shop Laufkundschaft zentral in die City. Vielleicht kauft mancher dann das Verlängerungskabel dort und nicht im Baumarkt oder bei Amazon. Um anschließend ein Eis zu essen, nach Büchern oder anderen schönen Dingen Ausschau zu halten, ein bisschen zu flanieren.

Denn der Feind des Einzelhändlers ist nicht der Ein-Euro-Laden. Sondern Amazon.

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