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Warum Fotos für die Schwerter Landwirte überlebenswichtig sind

rnEU-Agrarfonds

Säen und ernten reicht bei allem Fleiß nicht. Vom Verkauf ihrer Erzeugnisse allein können die Bauern nicht mehr leben. Sie brauchen die Geldspritze aus Brüssel. Die gibt es nur gegen Fotos.

Schwerte

, 22.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Brombeergestrüpp und Birken erobern die Felder, wo jetzt noch Raps und Gerstenhalme wogen. Von Kuhweiden bleibt nur eine Unkrautwüste, auf der kniehohes Gras und Disteln um die Wette wuchern: Ein trauriges Szenario würde dem Ruhrtal ohne die Förderung durch die Europäische Union drohen. Wenn es den EU-Agrarfonds nicht gäbe, wären die meisten Bauernhöfe nicht überlebensfähig.

„Weil unsere Erzeugerpreise zu niedrig sind, um davon existieren zu können“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands, Bernd Schulte. Mittlerweile müsse man sich mit dem Weltmarkt messen, dessen Preisniveau großen Schwankungen unterworfen sei.

40 Empfänger in der Ruhrstadt aufgelistet

Alle Betriebe - einschließlich der Höfe, die im Nebenerwerb betrieben werden - erhalten Förderung durch die EU. 40 Empfänger in der Ruhrstadt listet eine Internet-Tabelle der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, die die Zahlungen transparent macht, in ihrer aktuellsten Ausgabe für das Jahr 2017 auf.

Warum Fotos für die Schwerter Landwirte überlebenswichtig sind

Bäuerliche Kulturlandschaft: Die mächtige Eiche wacht über die Felder auf der Rheinermark. © Reinhard Schmitz (A)

Als ein Exot, der weder Feldfrüchte noch Milch erzeugt, ist darunter die Waldbetriebsgemeinschaft Schwerte-Dortmund mit einer Fördersumme von 2710,40 Euro zu finden. „Damit wird die Aufforstung anteilig bezahlt“, erläutert der zuständige Förster Andreas Weber. Für diese Aufgabe gebe eine Co-Finanzierung durch Land und EU, die meist etwa zwei Drittel der Kosten decke - einschließlich der Pflanzung der jungen Bäume. Ziel ist die Umwandlung von Nadel- auf Laubhölzer: „Man muss eine andere Baumart pflanzen. Auch Buche unter Buche geht nicht.“ Wieviele Jungbäume für die 2710,40 Euro in die Erde gesetzt werden können, vermag Weber nicht abzuschätzen. Das hänge stark von den Pflanzen und den Bedingungen vor Ort ab, beispielsweise, ob die Aktion in weichem oder steinigem Boden oder gar an einem Hang weitab vom Weg geplant sei.

Bauern können Anträge nur noch per Computer stellen

Mit einer Menge Schreibtischarbeit ist die Antragstellung für die EU-Förderung schon vorbunden. Aber sie ist kein Papierkram mehr. „Es ist alles digital“, sagt Bauernsprecher Schulte: „Bis zum Vorjahr konnte man noch einen Extra-Antrag stellen, damit man einen Papierantrag zugeschickt bekam.“ Diese Möglichkeit sei jetzt abgeschafft. Wer Schwierigkeiten hat, könne aber Hilfe von der Landwirtschaftskammer Ruhr-Lippe in Unna bekommen, die alle Unterlagen vor dem Weiterleiten sowieso noch einmal überprüft.

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Ganz wichtig sind dabei aktuelle Luftbilder, die die Größe der bewirtschafteten Flächen zeigen. Denn die Förderung wird pro Hektar gezahlt - egal, was dort wächst. „Jeder Hektar hat seinen eigenen Zahlungsanspruch“, erklärt Schulte. Und zwar für den, der ihn bewirtschaftet. Das heißt: Verpachtet ein Eigentümer seinen Boden, erhält nicht er, sondern der Pächter das EU-Geld. In Schwerte ist das häufig so. Denn der Pachtanteil liegt in der Ruhrstadt den Angaben zufolge bei knapp über 50 Prozent. Das bedeutet auch, dass viele Äcker zerstreut liegen. Nur die wenigstens Bauern können Felder bewirtschaften, die direkt an ihrem Hof liegen.

Behörden kontrollieren die Angaben

Mit Satellitenbildern kontrollieren die Behörden die Angaben. „Die werden immer genauer“, sagt Schulte: „Da kann man fast die Füße der Kühe erkennen.“ Stichprobenartig finden auch Prüfungen in den Betrieben statt, wobei mit dem Laser nachgemessen wird. Damit die Zahlungen an die rechtmäßigen Empfänger fließen. Mit allem Geld kann die EU aber eines nicht verhindern: Dass die Felder und Wiesen durch neue Bau- und Gewerbegebiete ständig schrumpfen. „In NRW gehen dadurch jeden Tag 17 Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren“, berichtet Schulte. Und kann absolut nicht verstehen, dass in Schwerte fruchtbarstes Ackerland für Fotovoltaik-Paneelen geopfert werden solle.

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