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Warum in einem neuen Baugebiet in Ergste das Abwasser künftig bergauf gepumpt werden muss

rnHohe Kosten auf dem Knapp

Eigentlich schließt das neue Baugebiet Auf dem Knapp in Ergste an bestehende Häuser an. Dennoch wird das Abwasser dort künftig teuer bergauf gepumpt. Und das bezahlen alle Schwerter mit.

04.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Unumstritten war das Baugebiet Auf dem Knapp und Am Hinkeln am Ortsrand von Ergste noch nie. Nachbarn hatten mit großen Plakaten und Unterschriften gegen die neuen Häuser, die ihnen vor allem auch den Blick in die Natur verstellen, protestiert.

Letztlich vergeblich, der Rat segnete den Bebauungsplan ab.

Allerdings in einer Variante, die eine Tücke enthält. Denn aus einem zusammenhängenden Baugebiet wurden zwei Teilstücke, von denen eines bergauf entwässert werden muss. Und das geht nur mit einer Pumpstation. Deren Betrieb und die Wartung bezahlen am Ende alle Schwerter über die Entwässerungsgebühr mit.

Grundstücke für 28 neue Häuser

Das Baugebiet am Ortsrand wird von der städtischen Immobilien Entwicklungsgesellschaft (IEG) erschlossen und vermarktet. Die IEG, in der die Stadt und ihre Töchter Stadtwerke und Sparkasse vertreten sind, wurde vom Rat 2016 aus der Taufe gehoben, um die Stadtentwicklung besser steuern zu können. Mit dem Bau am Knapp soll nun erstmals ein großes Baugebiet erschlossen werden.

Doch das Problem: Die Stadt hatte zwar Zugriff auf jene Flächen, die künftig mit einem Mehrfamilienhaus und 27 Einfamilienhäusern bebaut werden sollen, aber eben nicht auf die zwei Grundstücke, die Auf dem Knapp und Am Hinkeln voneinander trennen. Bei einem handelt es sich um den Garten eines Anwohners, bei dem anderen um ein Stückchen Ackerfläche, die einem benachbarten Landwirt gehört. Und mit dem gab es keine Einigung, wie dessen Vertreter Heiner Bornemann erklärt. Der Architekt ist der Überzeugung, dass man den Landwirt mit Brosamen abspeisen wollte und die dadurch entstandenen Kosten jetzt auf die Allgemeinheit umlegen will.

Warum in einem neuen Baugebiet in Ergste das Abwasser künftig bergauf gepumpt werden muss

© Reinhard Schmitz

Forderung: 300.000 Euro - Angebot: 95.000 Euro

95.000 Euro habe die Stadt für das Grundstück geboten, dass nach Bornemanns Ansicht 300.000 Euro wert ist. Die große Differenz in den Preisvorstellungen kommt auch deshalb zustande, weil die IEG nur für die Fläche die dort künftig üblichen Grundstückpreise (325 Euro pro Quadratmeter) zahlen wollte, die man für Leitungen brauchte. Für 250 Quadratmeter, die man als Verbindungsstraße in den ersten Entwürfen vorgesehen hatte, bot man nur noch 40 Euro für den Quadratmeter an. Einen weiteren Teil hätte man als Ausgleichsfläche für 19 Euro pro Quadratmeter abgenommen. Der Landwirt wollte aber nur die gesamte Fläche zum hohen Quadratmeterpreis abgeben. „Wir wären auch bereit, die restliche Fläche selber als Bauland zu vermarkten“, so Bornemann. Schließlich verlangt die IEG für die erschlossenen Grundstücke Quadratmeterpreise von 304 bis zu 399 Euro.

„Alternative stand immer im Raum“

Die IEG lehnte aber ab. Das bestätigte Geschäftsführer Holger Gies am Donnerstag auf Anfrage. „Die Alternative stand immer im Raum“, so Gies. Weil ohne die Leitungen das Schmutz- und Oberflächenwasser vom Baugebiet Auf dem Knapp nur bergauf in Richtung Bürenbrucher Weg entsorgt werden kann, soll eine Pumpstation gebaut werden.

Das sei nicht die beste Lösung, aber auch nicht ungewöhnlich, erklärt Markus Borchert von der Stadtentwässerung Schwerte (SEG). Denn so eine Pumpe verbrauche Strom und müsse natürlich auch gewartet werden. Aber es gebe im Stadtgebiet einige Baugebiete, die mit solchen Hebeanlagen ausgestattet seien. Zu dieser Lösung greife man normalerweise, wenn es aus topografischen Gründen nicht anderes gehe, betont der SEG-Prokurist.

Die Pumpstation selber zahlen am Ende die Erwerber der Grundstücke über die Erschließungskosten. Was sei aber mit den laufenden Kosten? „Die fließen in die Abwassergebühr mit ein“, bestätigt Borchert auf Anfrage.

Eine Lösung für das Problem ist nicht in Sicht. „Das Bebauungsplan ist vom Rat abgesegnet und rechtsgültig“, erklärte Stadtsprecher Ingo Rous.

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