Warum Kuhbar-Gründer Bernd Ostermann mit 53 Jahren die Firma verlässt

rnWechsel im Unternehmen

Eissorten wie Ku(h)nterbuntes sind die Spezialität der Kuhbar. Vor 12 Jahren gründete Bernd Ostermann die erste der trendigen Eisdielen. Warum er mit 53 Jahren aus dem Geschäft aussteigt.

Schwerte, Dortmund, Werne

, 19.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bernd Ostermann sitzt auf der Bank vor der Kuhbar an der Wittbräucker Straße in Dortmund-Berghofen. Hier hat alles angefangen, hier hatten er seine Frau Martina und zwei Partner die erste Eisdiele eröffnet. Als Maschinenbautechniker wollte er damals nicht mehr arbeiten, an einem Sommerabend im Garten entstand die Idee. Spezielle Eissorten sollten es sein und vor allem ein peppiges Werbekonzept: „Kuhl“ eben. Jetzt hat Ostermann seine Anteile am eigenen Unternehmen verkauft. Er trennt sich von seinem Baby.

Warum der Rückzug?

Diese Entscheidung fiel an keinem lauen Sommerabend, sondern im November. Der Nachwuchs hatte das Studium beendet, aus der Frau ist längst die Ex-Frau geworden. „Ich habe mich gefragt, warum machst du das?“ Das Unternehmen stehe aktuell gut da. Das Produkt laufe gut, der Markenname ist in der Region bekannt.

Eine Marketing-Professorin als Nachfolgerin

Also suchte Ostermann jemanden, der seine Anteile kauft. Er engagierte einen spezialisierten Makler und fand über den den gewünschten Nachfolger, oder besser: eine Nachfolgerin. Dr. Heike Papenhoff, Marketing-Expertin und Professorin an der FOM Hochschule für Ökonomie in Dortmund, übernahm zum 1. Juni einen Teil der Anteile von Bernd Ostermann, Ein weiterer Anteil ging an Martina Ostermann, die ohnehin schon nahezu die Hälfte der Anteile besaß und damit jetzt die Mehrheit im Unternehmen hält. Mit der alten und der neuen Anteilseignerin als Geschäftsführerin ist die Ku(h)bar nun fest in weiblicher Hand.

Kuhbar als Franchise-Unternehmen geplant

Schon im Jahr der Gründung seiner ersten Eisdiele plante Ostermann den großen Wurf, eine Eisdielenkette, am besten im Franchise-System. Nach und nach fand er Partner, die mit seinen Eiskreationen und seiner Werbung eigene Kuh-Bars eröffneten. In Schwerte war das Hakan Köse. Und weil die kleine Eisdiele in Berghofen nicht ausreichend Eis für all die neuen Partner herstellen konnte, erhielt Köse gleich auch die Erlaubnis, selbst Eis nach Kuhbar-Rezepten herzustellen. Eine Erlaubnis, die er immer noch hat, auch wenn die Ostermanns 2011 eine Eismanufaktur in Schwerte in Betrieb nahmen. Hier wird seitdem der größte Teil der Eissorten, von Ku(h)nterbuntes bis Scho(Kuh)lade hergestellt. In den Räumen im Schwerter Technologiepark stapeln sich auch die Werbemittel. Denn die Kuhbar lebt nicht nur von ihrem Eis, sondern auch vom Image.

Manufaktur arbeitet mit Sonnenstrom

Das ist trendig und umweltbewusst. Auf dem Dach der Manufaktur sind Solarkollektoren angebracht. Die produzieren den Strom, der für die Eismaschinen gebraucht wird. Die Manufaktur ist überwiegend Selbstversorger. Die Milch für das Eis kommt von einem kontrollierten Bauernhof in Waltrop. Denn in der Saison verbraucht die Kuhbar rund 800 Liter Milch täglich. Der Bauer erhält dafür 70 Cent, die wiederum der Tierhaltung zugute kommen. Das verkündete Ostermann 2017 zum zehnjährigen Bestehen.

Warum Kuhbar-Gründer Bernd Ostermann mit 53 Jahren die Firma verlässt

So sieht es in der Kuhbar Eismanufaktur aus. © Foto: Bernd Paulitschke

Mit 53 Jahren schon Rentner?

„Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagt Bernd Ostermann zu seinem Entschluss. Das klingt zunächst positiv, doch da schwingt auch deutlich Wehmut mit. Schließlich ist die Kuhbar sein Kind. Aber wann soll man sonst aufhören?

Mit 53 Jahren Rentner werden? Nein, das sei nicht sein Plan. Die Berufsbezeichnung „Privatier“, die seit neuestem auf seiner Facebookseite zu sehen ist, sei nicht ganz ernst gemeint. Aber zunächst stehe ein Sabbatjahr an. Wenn das vorbei ist, will Ostermann auf jeden Fall wieder arbeiten. „Ich habe noch einige Ideen, denn gar nichts will man ja auch nicht tun“, sagt er, steigt in eines der schwarz-weißen Kuhbarmobile und fährt davon. Denn Termine hat Bernd Ostermann derzeit noch reichlich, um Verträge und Kredite abzuwickeln.

Eis und Sahne

Die Kuhbar-Daten in Kürze: Das Eis, die Filialen, das Konzept

  • Die Kuhbar hat derzeit 36 Standorte in einem Dreieck zwischen Iserlohn, Bochum und Dortmund. Die meisten davon sind Franchise-Unternehmen. Einige Filialen sind in Läden der Bäckereikette Grobe untergebracht.
  • Das Eis wird in Schwerte produziert. Neben den Sorten, die fest im Programm sind, gibt es jede Woche eine Spezialsorte. Aktuell ist das Lakritzeis. Zu den Kuhbar-Klassikern gehören Ku(h)nterbuntes (ein Eis mit Smarties) und Haferflockeneis.
  • Neu ist die Kuhbar-App, die es in den gängigen Stores von Android und IOS gibt.
  • Die Kugel Eis in der Kuhbar kostet derzeit 1,20 Euro. Die Probier(kuh)gel 80 Cent.
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