Warum zwischen den Abrisshäusern an der Hörder Straße eine Fassade renoviert wird

rnB236 in Schwerte

Dem geplanten Ausbau der B236 vom Freischütz bis zur Autobahn-Auffahrt müssen etliche Wohngebäude weichen. Aber ein Haus auf dieser Strecke ist jetzt noch für Handwerker eingerüstet worden.

Schwerte

, 12.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warten auf den Abrissbagger. Verlassen gammeln das alte Forsthaus und andere Wohngebäude an der oberen Hörder Straße vor sich hin. Wenn der Ausbau der B236 in diesem Bereich beginnt, müssen sie der Straßenverbreiterung weichen. Doch mitten in der Häuserreihe ist vor einer Fassade ein Gerüst zur Renovierung aufgestellt worden. Gerade so, als ob die Besitzer nicht mehr glauben würden, dass die von der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) immer wieder verschobene Straßenbau-Maßnahme jemals noch beginnen würde.

Landesbetrieb Straßen NRW wollte nur ein anderes Grundstück

Doch der Schein trügt. Es ist alles ganz anders. Das Haus Hörder Straße 102, direkt neben dem schon plattgemachten früheren Bordell Club 100, ist von den Baggerkolonnen nicht gefährdet. Das Gebäude, das der alt eingesessenen Schaustellerfamilie Mennecke gehört, steht der Maßnahme nicht im Wege. Denn hinter ihm ließe sich die Hörder Straße nur noch mit einem Riesenaufwand aufweiten, weil dort die Überführung über die Autobahn A1 beginnt. „Sonst müsste die Brücke ja auch vergrößert werden“, erklärt Dieter Mennecke. Er habe das Haus seinerzeit dem planenden Landesbetrieb Straßen NRW angeboten, doch der habe es nicht gewollt. Im Gegensatz zu seinem anderen Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn, nahe des Schreinereibetriebes. Das sei beim Landesbetrieb begehrt gewesen, da ansonsten ein großer Tankstellenkonzern dort eine Tankstelle errichten wollte.

Schaustellerbetrieb fand neues Gelände in Holzen

Der Standort an der Hörder Straße war für die Schaustellerfamilie Mennecke lange Zeit ideal. Direkt an der Autobahnauffahrt, um mit ihren schweren Fahrzeugen auf schnellem Wege zu den Festplätzen der Republik fahren zu können. Doch mit dem zunehmenden Verkehr sei die Grundstücks-Zufahrt zu gefährlich geworden, sagt Dieter Mennecke. Das Rangieren in die Einfahrt war noch möglich, aber erforderte große Vorsicht. Deshalb griff er zu, als er in Holzen ein 4.500 Quadratmeter großes neues Betriebsgelände erwerben konnte, wo die Toilettenwagen und der große Autoscooter untergebracht sind.

Das Wohnhaus an der Hörder Straße möchte Mennecke deshalb eigentlich verkaufen. Das in den 1960-er Jahren errichteten Gebäude wird derzeit von zwei Familien bewohnt, ließe sich aber auch als Drei-Familien-Haus nutzen, sagt er. An einer Seite hätten Bäume, die inzwischen gefällt wurden, den Putz beschädigt und Feuchtigkeitsschäden verursacht. Diese Mängel reparieren die Handwerker auf den Gerüsten derzeit. Denn für Mennecke ist es Ehrensache, offensichtliche Fehler vor einem Verkauf zu beseitigen: „Wir wollen nicht beschissen werden und tun das auch nicht.“

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