Was wurde aus dem Baby, das am Tag der ersten Mondlandung in Schwerte zur Welt kam?

rnSchwerter Mondkind

Der Geburtstag von Kerstin Weber steht in jedem Geschichtsbuch: 21. Juli 1969, der Tag der Mondlandung. 1000 Euro hatten Reporter geboten, wenn man sie Luna genannt hätte.

Garenfeld

, 21.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Auf dem Schwarzweiß-Fernseher die Flimmerbilder von der Mondlandung. Auf dem Flur der Neugeborenenstation eine Horde ungeduldiger Pressefotografen. Und dazwischen: Die winzige Kerstin Weber, das einzige Baby weit und breit, das an diesem geschichtsträchtigen Tag das Licht der Welt erblickte. Genau zwölf Stunden und 21 Minuten nach dem Moment, als der Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond gesetzt hatte. Die Uhr im Kreißsaal des Evangelischen Krankenhauses zeigte 15.35 Uhr.

Zeitung bot 1000 Mark für Taufe auf den Namen Luna

„Webersche, mach mal voran, die Reporter stehen draußen“, drängelte die Hebamme im Evangelischen Krankenhaus (heute: Marienkrankenhaus Schützenstraße) die Mutter Ursula Weber. Die hatte die ganze Nacht nicht schlafen können, als nach einer Woche Verspätung die Geburt eingeleitet worden war. „Ich hatte solche Wehen“, erzählt die heute 75-Jährige. Ständig rannte sie hin und her, konnte aber zwischendurch das ganze Geschehen der Apollo-11-Mission am Bildschirm verfolgen. Nach der Geburt wurde ihr Töchterchen eilig ganz schick angezogen. Kaum eine halbe Stunde alt, ließ es das Blitzlichtgewitter in Mamas Arm über sich ergehen. Die Ruhr Nachrichten schrieben in einem Zweispalter, dass Klein-Kerstin „nach Säuglingsart“ über die Ruhestörung schimpfte.

Als der Rummel vorbei war, war das ganze Patientenzimmer voller Blumen. Beinahe wäre auch noch ein Umschlag mit 1000 Mark dabei gewesen. Die hatte eine Zeitung geboten, wenn das Kind auf den Namen Luna getauft würde. „Das war verdammt viel Geld damals“, sagt Vater Erich Weber (78): „Aber meine Frau war strikt dagegen.“ Später ärgerte sie sich: „Ich hätte ihr auch zwei Namen geben können. Dann hätte sie schon mal 1000 Mark auf dem Sparbuch gehabt.“

Bei Vollmond kann sie heute noch nicht gut einschlafen

So blieb außer ein paar Zeitungsausschnitten nichts von diesem denkwürdigen Geburtstag. Der Mond war für Kerstin Weber nur ein Leuchtkörper am Himmel. Zu Karneval ging sie nicht als Raumfahrerin, sondern als Bauchtänzerin oder Maikäfer. Ein Löwe statt Rakete schmückte die Schultüte, als die Garenfelderin als i-Männchen in die Berchumer Grundschule ging. Wenn sie heute fliegt, dann mit dem Flugzeug - wie vor einem Jahr nach Ägypten. Die „Mondfrau“, die am Sonntag 50 wird, ist bodenständig geblieben. Erst vor zwei Wochen hat sie ihre Gastronomie „Weber´s Diner“ an der Tucht-Tankstelle in Hagen-Lennetal eröffnet. Dort bietet sie Frühstück, Mittagessen, Imbiss, Kaffee und Kuchen. Und was ist mit Astronautenkost? „Definitiv nicht“, sagt Kerstin Weber. Nur eine einzige Sache verbindet sie mit dem Mond: „Bei Vollmond habe ich immer noch schwer damit zu tun, einschlafen zu können.“

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