Schon wieder Wasserhähne geklaut: Weg am Katholischen Friedhof geflutet

rnFriedhofsdiebe in Schwerte

Wasserhähne an Zapfstellen für die Gießkannen haben unbekannte Täter auf der Grabanlage an der Friedhofstraße abmontiert. Was wollen sie mit den Armaturen, die gerade mal 2 Euro kosten?

Schwerte

, 17.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Warum in aller Welt klaut jemand gebrauchte Wasserhähne für 2,20 Euro? Über diese Frage zerbrechen sich Besucher des Katholischen Friedhofs seit Wochen den Kopf. Am selben heißen Juni-Sonntag, als Diebe über den Westhofener Friedhof hergefallen waren, verwandelte ein ähnlicher Vorfall den Splittweg zwischen den Grabanlagen an der Friedhofstraße in einen Bach. „Wir waren auf dem Weg nach Norderney, als wir am Handy informiert wurden“, berichtet Friedhofsgärtnermeister Heiner Knostmann. An drei der sieben Zapfstellen, an denen Angehörige die Gießkannen für die Blumenpflege füllen können, waren die Absperrhähne abmontiert worden - in der Mittagszeit. Das Wasser spritzte mit vollem Druck aus den Rohren.

Händeringend versuchte man, per Handy einen mit dem Ringleitungssytem vertrauten Mitarbeiter zu erreichen. Obwohl auf der Harley auf Sonntagstour im Sauerland unterwegs, wendete der das Motorrad und brauste zurück zum Katholischen Friedhof. Am Hauptschieber in der Friedhofskapelle konnte er das Wasser stoppen. „Sonst könnte Kämmerling demnächst noch Wassertreten anbieten“, sagt Knostmann mit Blick auf das Sportmedizinische Gesundheitszentrum unterhalb der Gräberfelder. Schon am nächsten Tag kam dank freundschaftlicher Beziehungen ein Klempner, um die Absperrhähne zu ersetzen. Bis dahin mussten sich Besucher mit dem Kran an der Trauerhalle begnügen, der als einziger noch sprudelte.

Täter müssen nass wie die Katzen gewesen sein

Eigenartig, dass niemand gesehen hat, wie sich die Kriminellen am helllichten Tage an den Wasserstellen zu schaffen machten. Sie mussten vor den Schwanenhälsen niederknien, aus denen das Gießwasser per Fußtaster gezapft wird. Unter einer Gitter-Abdeckung befindet sich darunter in einem Schacht der Absperrhahn, der zum Entlüften dient, wenn vor dem Winterfrost das Wasser aus den Rohren gelassen wird. „Da ist voller Druck drauf“, sagt Knostmann: „Die Täter müssen nass gewesen sein wie die Katzen.“ Nur weil der Schaden von Friedhofsbesucher Erich Westermann so schnell bemerkt wurde, hielt sich der Wasserverlust mit elf Kubikmetern noch in Grenzen.

Schon wieder Wasserhähne geklaut: Weg am Katholischen Friedhof geflutet

Erich Westermann entdeckte den Schaden am 16. Juni, als er die Blumen auf den Gräbern seiner Angehörigen gießen wollte. © Reinhard Schmitz

Auf der Rechnung bleibt die Katholische Kirchengemeinde sitzen. Auch muss sie die neuen Absperrhähne und vor allem die Arbeitszeit für ihre Montage bezahlen.

Die Abdeckgitter der Zapfstellen-Schächte künftig zum Schutz vor ähnlichen Attacken zu befestigen, hält Knostmann nach Rücksprache mit einem Schmiedebetrieb für keine praktikable Idee mehr. Die Maßnahme wäre nicht nur hinderlich für seine Mitarbeiter, sondern vor allem wohl auch ziemlich nutzlos, seitdem Akku-Flexgeräte immer leistungsfähiger werden.

Jetzt werden Gießkannen geklaut

Glücklicherweise ist es seit der Attacke ruhig geblieben an den Wasserstellen auf dem Katholischen Friedhof. Genauso wie auf dem Friedhof in Westhofen, wie Stadt-Pressesprecher Ingo Rous auf Anfrage bestätigt. Dort waren vor vier Wochen gleich zweimal hintereinander die Wasserhähne an den Gießkannen-Zapfstellen abgeflext worden. Besucher hatten damals hilfesuchend den Bestatter Oliver Märtin benachrichtigt, dass Fontänen aus den Rohren herausspritzten. Nachdem zunächst nur ein Kran an der Trauerhalle in Betrieb war, richteten Mitarbeiter der Stadt mittlerweile auch die anderen wieder her. „Das Wasser läuft an allen Wasserstellen“, sagt Rous.

Statt auf Metall haben es Diebe auf dem Katholischen Friedhof jetzt auf grünes Plastik abgesehen: die Gießkannen, die Heiner Knostmann zur kostenlosen Benutzung an allen Wasserstellen zur Verfügung stellt. „Ich habe in den letzten drei Wochen 37 neue Gießkannen hingehängt“, sagt der Friedhofsgärtnermeister. In welchen Garten haben sich wohl all die Gefäße mit seinem Namensaufdruck verirrt?

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