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Wohin geht das Kind nach der vierten Klasse? Viele Schwerter Eltern entscheiden das emotional und nicht logisch. Dabei gibt es gute Gründe für jedes Gymnasium - und für jede Gesamtschule.

Schwerte

, 06.02.2019 / Lesedauer: 5 min

Schwerte ist ein Kaff“, sagt der Vater - und das meint er nicht despektierlich. Er selbst ist hier aufgewachsen, ist hier verwurzelt, engagiert in einem Verein, ist hier zufrieden und vernetzt. Heute hat er eine Tochter in der vierten Klasse und steht vor der Entscheidung: Wohin soll es gehen nach der Grundschule? Auf eines der beiden Gymnasien? Oder auf eine der beiden Gesamtschulen?

Warum es so wichtig ist, dass Schwerte ein Dorf ist - oder ein „Kaff“, wenn man es so bezeichnen will? „Sie können mich zitieren, aber bitte schreiben Sie den Namen nicht.“ So oder so ähnlich formulieren es mehrere Eltern. Auch im Jahr 2019 wirkt es in Schwerte wie eine Glaubensfrage: Wohin gehst du - RTG oder FBG, Ruhrtal-Gymnasium oder Friedrich-Bährens-Gymnasium? Und wenn es um Glaubensfragen geht, halten sich viele öffentlich eher bedeckt.

Dortmunder wären froh, wenn sie ihre Kinder hierher schicken könnten

„Beide Gymnasien haben in den vergangenen Jahren unglaublich viel investiert“, sagt der Viertklässler-Vater, „in ihre Infrastruktur, aber auch in ihre Öffentlichkeitsarbeit.“ Kein Wunder also, dass viele Eltern aus dem Dortmunder Süden ihre Kinder am liebsten auf eines der Schwerter Gymnasien schicken würden. Und wäre die Stadt Dortmund bereit, der Stadt Schwerte den gewünschten finanziellen Ausgleich zu zahlen - dann käme es zu einer Beschulungsvereinbarung und die Dortmunder Schüler bekämen Plätze.

So aber muss die Stadt Schwerte zunächst einmal sehen, dass sie alle eigenen Schüler gemäß ihrer Wünsche unterbringen kann. Was in den vergangenen Jahren schwierig genug war. Maximal 93 Schüler durften die beiden Gymnasien im Sommer 2018 annehmen. Das FBG hatte aber 99 Anmeldewünsche. Immerhin waren auf dem RTG noch genügend Plätze frei.

Welches Gymnasium? Welche Gesamtschule? Das ist in Schwerte oft eine Glaubensfrage

Das Friedrich-Bährens-Gymnasium. © Foto: Manuela Schwerte

Steckbrief

Friedrich-Bährens-Gymnasium

Ostberger Str. 17, gegründet 1900, 816 Schüler, davon aktuell 93 Fünftklässler, Leitsatz: „Mit Vielfalt umgehen. Stärken fördern“, 3 oder 4 Eingangsklassen 2019/20, Englisch ab Klasse 5, Spanisch, Latein oder Französisch ab Klasse 7, wahlweise Spanisch, Latein oder Französisch ab Klasse 9, Partnerschule des Leistungssports mit Sportklasse und Sport-LK, Fach Technik auch in der Oberstufe, flexibler Ganztag mit einer Übermittagsbetreuung bis 15 Uhr, Rock- und Big-Band, Theater, Sport, Kunst und Roboter und Naturwissenschaften, Förderangebote in den Hauptfächern, Begabtenförderung, seit langem Schule ohne Rassismus.

Gesamtschule Gänsewinkel musste noch mehr Schüler ablehnen

Noch mehr Ablehnungen musste die Gesamtschule am Gänsewinkel verschicken. 149 wollten hin, 124 hätten maximal gedurft. Allerdings auch hier: Auf der zweiten Gesamtschule, der Theodor-Fleitmann, waren noch Plätze frei. Und 15 der 149 waren Dortmunder, also auch bei der Bewerbung an der Schwerter Gesamtschule chancenlos.

Die einzigen Nicht-Schwerter, die genauso wie Schwerter behandelt werden: Iserlohner, wenn es um die Gymnasien geht. Und Holzwickeder, wenn es um die Gesamtschulen geht. Denn mit diesen Nachbarorten gibt es Vereinbarungen.

Welches Gymnasium? Welche Gesamtschule? Das ist in Schwerte oft eine Glaubensfrage

Das Ruhrtal-Gymnasium. © Foto: Manuela Schwerte

Steckbrief

Ruhrtal-Gymnasium

Wittekindstr. 6, gegründet 1857, Leitsatz: „ Wir begleiten unsere Schüler_innen mit Herz und Engagement, fördern sie individuell, bilden Persönlichkeiten und schaffen die Basis für eine verantwortungsvolle Lebensgestaltung“, 793 Schüer, davon aktuell 89 Fünftklässler, 3 oder 4 Eingangsklassen 2019/20, Englisch ab Klasse 5, Spanisch, Französisch, Latein ab Klasse 7, wahlweise Spanisch, Französisch, Latein ab Klasse 9, wahlweise Spanisch ab Klasse 10, sehr gute digitale Ausstattung der Schule, Laptopklassen Klassen 7 bis 9, MINT-Profilklassen ab Klasse 5, EDV-Führerschein NRW, Junior-Ingenieur-Akademie in Klasse 8 und 9, Theater/Film in Klasse 8 und 9, Medienscouts, Spanisch-Prüfungscenter, Schule der Zukunft, Schule gegen Rassismus, Schulsanitäter, Übermittagsbetreuung bis 15 Uhr, Kooperation mit zahlreichen außerschulischen Partnern, Kooperation im Sport in den Bereichen Volleyball, Tennis und Tanzen, Umfangreiches AG-Angebot, z.B. Jugend forscht, Technik-AG, Roboter-AGs, Schülerzeitung, Schulfernsehen RTG-TV, Chor 5-7, Chor 8-12, Vororchester, Orchester, Schülerband

„Mint-Klasse und die Sportklasse sind die Aushängeschilder“

Aber was macht die Schwerter Schulen denn nun so beliebt? „Die Mint-Klasse am RTG und die Sportklasse am FBG sind ganz klar die Aushängeschilder“, sagt der Vater der Viertklässlerin. Also auf RTG-Seite der klare Fokus auf Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, verbunden mit Laptopklassen und betont guter digitaler Ausstattung - und auf FBG-Seite das Angebot, Schule und Leistungssport in den Alltag einen Jugendlichen zu bekommen, plus Begabtenförderung, plus Technik in der Oberstufe.

„Ich kenne Kinder auf beiden Schulen - und die sind alle zufrieden und glücklich“, sagt eine RTG-Mutter. Aber auch sie möchte ihren Namen lieber nicht lesen. „Bei vielen ist es doch so“, erläutert der Viertklässler-Vater, „die Eltern waren schon auf RTG oder FBG - und genau da schicken sie ihre Kinder jetzt auch hin.“

Gesamtschulen hatten den G9-Bonus - und haben jetzt andere Argumente

Und die Gesamtschulen? Sie hatten bis 2018 noch einen eindeutigen Pluspunkt gegenüber den Gymnasien: G9 statt G8, Abitur nach 13 statt nach 12 Jahren, mehr Zeit zum Lernen des Stoffes statt des umstrittenen Turbo-Abis - das ist auch für viele Eltern in Schwerte ein gewichtiges Argument gewesen. „Wir hatten auch überlegt, ob eine Gesamtschule nicht besser wäre“, sagt die Mutter eines anderen Schwerter Viertklässlers, „aber zum Glück sind wir erst 2019 dran mit dem Schulwechsel. Und jetzt haben ja auch die Gymnasien wieder G9. So wie früher. Zum Glück.“

Schwertes Gesamtschulen haben andere Trümpfe. Auch sie bieten mit im großen Wettbewerb um neue Schüler. Am Gänsewinkel ist man stolz auf die neue Futsal-Kooperation mit den Holzpfosten - und ansonsten auf die Vielfalt im eigenen Angebot: Debattieren, Roboter bauen, der Chor, die Band, Hauswirtschaft, Gestalten, Mint und vor allem das selbstständige Lernen mit Wochenplan.

Die Theodor-Fleitmann-Gesamtschule (TFG) betont die 60-statt-45-Minuten-Stunden und die „Entschleunigung des Unterrichtstages“, die das mit sich bringe - ansonsten auch das selbstständige Lernen und die Vielfalt des Angebots für Schüler mit unterschiedlichen Stärken.

Welches Gymnasium? Welche Gesamtschule? Das ist in Schwerte oft eine Glaubensfrage

Die Städtische Gesamtschule Gänsewinkel. © Foto: Manuela Schwerte

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Gesamtschule am Gänsewinkel

Grünstr. 70, gegründet 1991, Leitsatz: „Gemeinsam in die Zukunft – mit Respekt, Courage und Kompetenz“, 989 Schüler, davon aktuell 116 Fünftklässler, 4 Eingangsklassen 2019/20, Englisch ab Klasse 5, Französisch ab Klasse 6 und ab Klasse 8, Latein ab Klasse 8, Italienisch ab Klasse EF, Schule ohne Rassismus Projekt „sozial genial“, Buddy-Projekt, Medienscouts, Klassenrat, Schulchor MINT-freundliche Schule, Schulband, Roboter-AG, Schülerfirma: Schülercafé (Verkauf von Fair-Trade-Produkten), Neigungskurse Jahrgang 5: Theater, Technik, Kunst, Naturwissenschaften, Digitale Welten, Englisch, Wahlpflichtfächer: Technik, Hauswirtschaft und Darstellen und Gestalten und Naturwissenschaften, Futsal-Kooperation mit Holzpfosten, Jungen- und Mädchenraum, Spieleraum, Selbstlernzentrum mit Bibliothek, Wettbewerbe: Jugend debattiert, Bolyai-Wettbewerb, Heureka Wettbewerb, Nachmittagsunterricht und AG-Nachmittag, selbstgesteuertes Lernen im Wochenplan

Betreuung, Unterricht und AGs bis in den Nachmittag hinein

Andererseits: Das Angebot einer Schule kann noch so gut sein. Das nutzt Eltern nichts, wenn die Betreuungszeit zu früh endet? Wenn die Jungen und Mädchen in der fünften Klasse plötzlich um 12 Uhr beschäftigungslos sind und sich selbst überlassen. Vor allem dann, wenn beide Eltern berufstätig sind.

Ein Punkt, den alle vier weiterführenden Schulen in Schwerte berücksichtigen. RTG und FBG weisen auf die Übermittagsbetreuung bis 15 Uhr hin, Gänsewinkel und TFG auf Ganztag, Nachmittagsunterricht und das Essen der Mensa. Plus AGs, versteht sich. Die haben alle im Portfolio.

Welches Gymnasium? Welche Gesamtschule? Das ist in Schwerte oft eine Glaubensfrage

Die Theodor-Fleitmann-Gesamtschule. © Foto: Manuela Schwerte

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Theodor-Fleitmann-Gesamtschule

Holzener Weg 22-24, gegründet 2016, Leitsatz: „TFG – Schule in Bewegung!“, 380 Schüler, davon aktuell 133 Fünftklässler, 4 Eingangsklassen 2019/20, Englisch ab Klasse 5, Spanisch und Latein ab Klasse 6, Französisch ab Klasse 8, Schwerpunktklassen MINT, Kreativ und Sport in Klasse 5 & 6, gebundener Ganztag mit Mensa und zahlreichen Angeboten, vielfältige AG-Angebote in den Klassen 5 & 6, 60-Minuten-Zeitraster zur Entschleunigung des Unterrichtstages, SegL-Konzept zum selbstgesteuerten Lernen, individuelle Förderangebote, besondere Forderangebote für starke Schüler, soziales Lernen, Projekt „Jung lehrt Alt“, vielfältiges Sportangebot mit Turnieren, Schulmannschaften und Aktionstagen, Kooperation mit dem Kinder- und Jugendtheater Dortmund, Projekttage zu unterschiedlichen Themen

Englisch, Französisch, Latein - drei Mal Spanisch, ein Mal Italienisch

Und welche Sprachen können die Kinder an den Gymnasien und Gesamtschulen in Schwerte lernen, abgesehen vom allgegenwärtigen Englisch ab Klasse 5? An FBG, RTG und TFG sind das Spanisch, Latein und Französisch, am Gänsewinkel kein Spanisch, dafür Italienisch ab der Oberstufe.

Wichtiger Unterschied ab dem Schuljahr 2019/20: An Gymnasien wird die zweite Fremdsprache erst ab Klasse 7 unterrichtet. An den Gesamtschulen kann sie schon ab Klasse 6 hinzukommen.

Dafür ist eine andere Sache nun gleich - ebenfalls eine Folge der gymnasialen Rückkehr zu G9: Bisher hatten Schüler dort nur eine Möglichkeit. Sie mussten durchhalten bis zum Abitur, denn vorher hatten sie keinen Schulabschluss geschafft. Ab 2019/20 aber haben die Mädchen und Jungen nach Klasse 10 den mittleren Schulabschluss erworben - also das, was man klassischerweise als „Realschulabschluss“ bezeichnet.

Geht es am Ende nicht doch um das Bauchgefühl?

„Ich weiß nicht, ob es überhaupt gut ist, wenn man jedes Schul-Angebot bis ins kleinste Detail durchleuchtet“, sagt die RTG-Mutter. Gehe es am Ende nicht doch einfach um das Bauchgefühl? Wo fühle sich das Kind am wohlsten? Mit welcher Variante könnten die Eltern am besten leben?

Und der Viertklässler-Vater? Weiß er schon, wohin er seine Tochter schicken will? Ja, sagt er - mehr aber nicht. Hat die Mint-Klasse am RTG den Ausschlag gegeben oder die Sportklasse am FBG? Eins der beiden. Er wisse genau, in welches Gebäude er in der Anmeldephase ab 8. Februar gehen werde. Und das reiche ja auch.

Anmeldetermine


An allen weiterführenden Schulen einheitlich

Schwerte hat erneut seine Anmeldetermine vorgezogen - und erneut einen Samstag im Angebot, vor allem für die berufstätigen Eltern, die es nicht anders schaffen würden. Der Grund für das Vorziehen: Eltern von abgelehnten Kindern aus anderen Städten können sich später in der regulären Runde in ihrer Heimatstadt ganz normal um einen Platz bewerben. Die Termine sind an allen vier Schwerter Schulen gleich: Freitag, 8. Februar, 14-18 Uhr; Samstag, 9. Februar, 10-12 Uhr; Montag, 11. Februar, 8-13 und 15-18 Uhr; Dienstag, 12. Februar, 8-13 und 14-16 Uhr; Mittwoch, 13. Februar, 9-13 Uhr; Donnerstag, 14. Februar, 9-13 Uhr.
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