Wenn Eisenbahner Landwirtschaft betreiben

SCHWERTE Vor 80 Jahren hatten sie noch Ziegen, Schweine, Hühner und Bienen. Heute beschäftigen sich die Bahnlandwirte nur noch mit dem Garten. Und feiern Jubiläum.

von Von Jürgen Koers

, 26.07.2007, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

In sattem Rot leuchten die Tomaten in selbst gezimmerten Gewächshäusern. Dahlien blühen farbenfroh in liebevoll gestalteten Parzellen. "Garten und Gemeinschaft", das zählt für die Kleingärtner der Bahn-Landwirtschaft.

Fünf verschiedene Anlagen, 165 Parzellen, knapp 380 Mitglieder und seit dem 1. Juli 80 Jahre zählt der Verein.

Friedlich pflücken, graben, pflanzen eifrige Gärtnerinnen und Gärtner hinter grünen Hecken und kleinen Gartenzäunen. Zwischen den Beeten an der Schützenstraße scheint die Welt in Ordnung und die Zeit stehen geblieben. "Ach, die Zeit rast auch hier nur so durch", korrigiert Karl Pohl den ersten Eindruck.

Verein ist für alle offen - Eisenbahner werden aber bevorzugt

Verflogen sind die Jahre seit der Gründung des Vereins. Seit 1927 hat der damalige Rasse- und Nutzgeflügel-Zuchtverein Schwerte-Ost turbulente Zeiten mitgemacht. Anfangs noch unterteilt in Sparten für Geflügel, Kaninchen, Bienen und - Achtung: Schafe und Ziegen! - kümmern sich die Mitglieder seit 1964 ausschließlich ums Gärtnern.

"Eisenbahner werden bevorzugt. Aber wir sind für alle offen", betont der 1. Vorsitzende Josef Müer. Der 71-Jährige möchte im kommenden Jahr seinen Posten abgeben. Ein jüngerer Nachfolger wird gesucht.

Mit der Bahn, zu deren Vermögen das Gelände gehört, wollen die meisten nicht mehr viel zu haben. Viele genießen einfach ihren Ruhestand in der Gruppe und im Garten. Als Sozialeinrichtung ist der Verein gedacht, und so funktioniert er auch. "Wir tauschen Erfahrungen aus, aus dem Leben und aus dem Garten", erzählt Schriftführer Karl-Heinz Hildebrand. "Und dummes Zeug quatschen wir auch manchmal", kommt ein Kommentar aus den eigenen Reihen.

Es geht gesellig zu: Ausflüge nach Holland oder an die Mosel, Fahrradtouren in die Umgebung und Männerabende werden organisiert, auch Frühlingswanderung, Kummeltag, Kartoffelfest stehen auf dem Plan. Einige der Senioren treffen sich schon morgens am Vereinsheim "Zur Tränke".

Unkrautsheriff kontrolliert die Anlage

Neben dem Festausschuss und weiteren Ämtern gibt es auch den "Unkrautsheriff", der die Anlage kontrolliert. "Das ist hier keine Freizeitanlage", hebt der 2. Vorsitzende Klaus Sträßer hervor. In den Gärten falle genug Arbeit an. Schludert jemand, schreitet der Verein ein.

Interessenten für die Parzellen gibt es zur Genüge. Bei manchen allerdings funktioniert die Integration nicht. Müer: "Nur am Wochenende herkommen, grillen, und dann wieder weg, das gefällt uns nicht."

Tipps fürs Gärtnern und entsprechende Bauernweisheiten gehören auch dazu. Zum Beispiel diese: "Regnet es im Mai - ist der April vorbei!"

   

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