Der Fahrgast in einem Taxi zum Ergster Bahnhof hatte ein Klappmesser dabei (Symbolfoto). © picture alliance/dpa
Meinung

Wenn gute Manieren so locker säßen wie Messer, hätten wir keine Probleme

Weil er die Fahrt nach Ergste nicht bezahlen wollte, hat ein 37-Jähriger einen Taxifahrer mit einem Messer bedroht. Unsere Autorin fragt sich, wann gutes Benehmen aus der Mode gekommen ist.

Wer doof angeschaut wird, schlägt zu. Wer eine Taxifahrt nicht bezahlen möchte, zückt sein Messer. Wer auf einen fehlenden Mundschutz angesprochen wird, schießt. Wo leben wir denn?

Offenbar in einer Welt, in der es Mode geworden ist, mit Gewalt zu reagieren. Althergebrachte Reaktionen wie einfach weiterzugehen, die Fahrt zu bezahlen oder die Maske zu holen, sind nicht mehr en vogue. Warum bezahlen, wenn man dem unschuldigen Taxifahrer auch Todesangst einjagen und dann weglaufen kann?

Die einfache Antwort: Weil es angebracht wäre, freundlich oder auch einfach nur normal. Messer, Schlagringe und Co. sitzen heutzutage aber lockerer als gute Manieren. Ein Trend, den die breite Masse glücklicherweise nicht mitmacht. Trotzdem häufen sich Ereignisse, die nicht mehr gutmütig wegzulächeln sind.

Woher kommt die Aggression?

Es ist schon eine Wurzelbehandlung nötig, um diejenigen zu packen, die gutes Benehmen mit Füßen treten. Vielerorts arbeiten Polizei, Kindergärten, Schulen und Jugendtreffs bereits eng zusammen, um Aggressionen entgegenzuwirken und potenzielle Täter zu stoppen, bevor etwas passiert.

Es ist der Versuch, Probleme im Keim zu ersticken. Ein Versuch, der Respekt verdient und weiter gefördert und unterstützt werden sollte.

Denn auch wenn der Kern der Aggression nicht unbedingt im Umfeld, sondern auch in der eigenen Familie sitzen könnte, sind derartige Programme doch eine Chance, zumindest einen Teil möglicher Straftaten zu verhindern.

Über die Autorin
Redakteurin für Schwerte und den Dortmunder Süden
Redakteurin, davor Studium der angewandten Sprachwissenschaften in Dortmund und Bochum. Sportbegeistert und vor allem tänzerisch unterwegs.
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Carolin West