Wheelmap führt Rollstuhlfahrer durch Schwerte

Barrierefrei durch die City

Ist Schwerte barrierefrei? Wie leicht können sich Rollstuhlfahrer in der Ruhrstadt bewegen? Im Internet können Betroffene diese Fragen selbst beantworten. Das Portal „Wheelmap“ macht die Beurteilung aus erster Hand möglich.

SCHWERTE

, 14.06.2016, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wheelmap führt Rollstuhlfahrer durch Schwerte

Thorsten Eisenmenger (r.) und Katrin Seibt vom Arbeitskreis Dabei markieren die Schwerter Post auf der Wheelmap rot. Denn zahlreiche Stufen hindern sie daran, das Gebäude zu betreten. Selbst eine mobile Rampe wäre hier schwierig.

In Sachen Schwerter Barrierefreiheit ist der Bahnhof wohl das prominenteste Negativbeispiel – doch auch an anderen Stellen in der Innenstadt besteht dringender Handlungsbedarf. Viele der Geschäfte, Bäckereien und Apotheken sind etwa für Rollstuhlfahrer oder Personen mit einem Kinderwagen nicht erreichbar.

Weltweit Gebäude und Geschäfte auf Barrierefreiheit bewerten

Es gibt jedoch eine Möglichkeit, wie Betroffene sich und andere vorab über Schwierigkeiten informieren können: das Internet-Portal Wheelmap. Und so funktioniert es: Auf einer virtuellen Karte können weltweit Symbole für öffentliche Gebäude und Geschäfte angeklickt werden. Daraufhin erscheint eine Infobox, die über ihre Barrierefreiheit aufklärt. Besteht noch kein Status, kann dieser basierend auf eigenen Erfahrungen vergeben werden.

Hier geht es zum Portal .

Entstanden ist die Idee bei den Sozialhelden. Ein Teammitglied des Berliner Vereins sitzt im Rollstuhl. „Wir wussten nicht, wo wir uns treffen können“, erinnert sich Vereinssprecher Andi Weiland, „und so ist die Idee für eine Online-Karte entstanden.“ In den folgenden sechs Jahren hat sich die Zahl der Orte, die bei Wheelmap verzeichnet sind, auf 650 000 hochgeschraubt. Und täglich kommen etwa 300 hinzu. Laut Andi Weiland sind in den größeren Städten im Durchschnitt 40 Prozent der Symbole grün, gelb oder rot markiert.

Fantastische Idee, um sich auf herrschende Begebenheiten einzustellen

Für Thorsten Eisenmenger von der Initiative „Schwerte dabei“ sei das Portal „eine fantastische Idee.“ Man könne sich so auf die herrschenden Begebenheiten einstellen. Das sei in Schwerte auch bitter nötig, sagt Eisenmenger: „Am Bahnhof ist es natürlich katastrophal, ich komme nicht mal aus der Stadt raus.“

Auch die Geschäfte an der Bahnhofstraße besitzen oft noch Treppeneingänge. Peter Rienhöfer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, nannte gestern auf Anfrage einen plausiblen Grund: „Ein Ladenlokal ebenerdig zu bekommen, kostet etwa 1000 Euro pro Quadratmeter“, sagt Rienhöfer, „plus weitere Sanierungsarbeiten.“

Umsatz reduziert sich mit jeder Stufe

Besitzt ein Ladenlokal einen Treppenaufgang, reduziere sich dessen Umsatz um 8 Prozent pro Stufe, so Rienhöfer. Das zeige sich auch bei der Vermietung der Objekte: mit einer Treppe seien diese 4 bis 8 Prozent pro Stufe günstiger. Ob die Ladenbesitzer an der Bahnhofstraße eine Sanierung in Erwägung ziehen, bleibt daher offen. Mit der Wheelmap kann der Fortschritt beobachtet werden.

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