Wasserwerkschef erklärt, wie Corona unseren Wasserverbrauch veränderte

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Was hat Corona mit dem Wasserverbrauch zu tun? Und wie wirkt sich das Klima auf die Wasserwerke aus? Der Geschäftsführer der Wasserwerke Westfalen, Bernd Heinz, hat Antworten darauf.

Geisecke

, 06.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch wenn es in den vergangenen Tagen geregnet hat. 2020 war bislang deutlich zu trocken. Vor allem im Frühjahr ließen die Niederschläge auf sich warten. „Es ist jetzt schon das dritte Jahr in Folge, in dem es zu trocken ist“, sagt Bernd Heinz. Der Klimawandel sei eindeutig spürbar. Der Mann muss es wissen, schließlich ist er Geschäftsführer der Wasserwerke Westfalen und deshalb schon beruflich ein aufmerksamer Beobachter der Wetterlage. Hinzu kommen Corona und die lange Sonnenscheindauer. Beides Faktoren, die für einen erhöhten Wasserverbrauch sorgen.

Menschen bleiben zu Hause

Denn in der Coronazeit bleiben die Menschen zu Hause. So stieg der Wasserverbrauch um die Osterfeiertage, an denen er sonst sinkt. Normalerweise fahren Menschen unserer Region Ostern in den Urlaub. In diesem Jahr blieben fast alle daheim, pflegten den Garten, duschten und verbrauchten mehr Wasser. Auch die Anweisung, öfters die Hände gründlich zu waschen, trägt zum zusätzlichen Wasserverbrauch bei.

Ein Kiesbecken im Wasserwerk in Hengsen.

Ein Kiesbecken im Wasserwerk in Hengsen. © Heiko Mühlbauer

Der Sonnenschein tut ein übriges dazu. Denn sobald die Sonne scheint, werden die Gärten mehr gegossen, oft auch mit Trinkwasser.

Talsperren sind noch gut gefüllt

Auf der anderen Seite hatten viele Geschäfte und Restaurants lange geschlossen. Das habe dazu geführt, dass der Wasserverbrauch nicht durch die Decke ging. Aber dennoch sei er deutlich höher gewesen als im Vergleichszeitraum

Kann das zu Problemen mit der Versorgung führen? Heinz winkt ab. Noch sind die Talsperren gut gefüllt, und damit ist die Versorgung sichergestellt. Denn mit den Talsperren im Oberlauf und an den Zuläufen wird der Wasserstand in der Ruhr geregelt, aus der die Wasserwerke den Rohstoff entnehmen. Das Ruhr-Einzugsgebiet besitzt generell eine sehr hohe Sicherheit durch die Talsperren des Ruhrverbandes und ist daher im Vergleich zu anderen Regionen sehr komfortabel aufgestellt.

Morgens geht es später los

Und Corona hatte noch eine Auswirkung auf die Wasserwerke. Die Verbrauchskurve hat sich verschoben. „Vermutlich durch die vielen Menschen im Homeoffice wurde die Spitzenwerte erst später am Morgen gemessen als in normalen Zeiten. Offensichtlich standen viele Menschen, die ja keinen Weg zur Arbeit mehr hatten, später auf. So war die Morgenspitze am 3. Juni noch um 10 Uhr, die am Monatsende bereits wieder um 9 Uhr.

Die Wasserwerke merken das durch die Entnahmen an den Hochbehältern, die überwiegend auf dem Höhenzug Haardt zwischen dem Ruhrtal und Dortmund stehen. Bis dort wird das Wasser gepumpt, von dort aus fließt es durch die Leitungen zum Verbraucher. Sinkt in den Hochbehältern der Wasserstand, ist das das Signal, dass die Wasserwerke neues Wasser aus der Ruhr entnehmen und durch Filter und Klärtechnik in Trinkwasser umwandeln müssen.

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