Wie ein Jugendlicher mit Hühnern Senioren in einem Schwerter Heim zum Strahlen bringt

rnSchwerter Altenheim

Seit kurzem ist Lukas Bodemer (14) Hühnerzüchter. Er hatte die Idee, mit seinen Tieren die Bewohner des Friedrich-Krahn-Seniorenzentrums in Schwerte-Holzen zu besuchen. Was dann passierte.

Holzen

, 12.08.2019, 13:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Schätzken, Schätzeken.“ Zärtlich fahren in Ehren alt gewordene Hände über das dunkelbraune Federkleid. Als würde sie die Streicheleinheiten genießen, kuschelt sich Helen ganz still auf dem Schoß ihrer Bewundererin. Nur hin und wieder dreht sie ihr Köpfchen - es ist wohl die aufkommende Neugier - hin und her. Schließlich ist die Henne zum ersten Mal zu Gast auf dem Wohnbereich D des Friedrich-Krahn-Seniorenzentrums in Holzen. Da gibt es viel zu entdecken für ein junges munteres Huhn.

Aber umgekehrt genauso für die alten Menschen, die sich in einer Art Stuhlkreis in ihrem Aufenthaltsraum versammelt haben. „Ich hätte nicht geglaubt, dass die sich so streicheln lassen“, staunt die 82-jährige Edith Naust. Bei den eigenen Hühnern, die sie mit ihrem Mann gehalten habe, habe man das nicht gekonnt. Um die zehn Hennen glücklich zu machen, war ein Hahn angeschafft worden. Aber die Nachbarn meckerten über sein Krähen am frühen Morgen: „Da hat mein Mann den geschlachtet.“ Und musste das Fleisch wegschmeißen, da keiner es essen wollte.

Lukas Bodemer (14) züchtet seit einem halben Jahr

Die beiden Hühner - neben dem modernen englischen Zwergkämpfer Helen geht auch das Croad-Langshan-Zwerghuhn Berta reihum - bringen die Erinnerungen in Fluss. Auch eine 93-jährige Bewohnerin gibt sich als ehemalige Hühnerhalterin zu erkennen. „Erst hatten wir zwei“, erzählt sie: „Dann haben sie sich vermehrt.“ Aus einer anderen Ecke hört man, wie die Tiere mit einem wiederholten „Putt-putt-putt-putt-putt“ begrüßt werden.

„Die Hühner fühlen sich wohl“, sagt Jungzüchter Lukas Bodemer (14), der die Idee zu dem tierischen Besuch im AWO-Seniorenheim hatte. Vor einem halben Jahr hat er im elterlichen Garten den Kaninchenstall für sein neues Hobby umgebaut. Das Know-How holt er sich beim Rassegeflügelzuchtverein Iserlohn und Umgebung. „Es gibt in Schwerte keinen Verein mehr“, sagt Papa Ralf Bodemer, der von den leckeren Eiern schwärmt. Das komme nicht zuletzt von dem Futter, das man selbst aussuchen kann. Und welche Größe legen die Zwerghühner ins Nest? Mehr als Wachteleier auf jeden Fall: „Das kleine Huhn legt verhältnismäßig große Eier.“ Ungefähr alle zwei Tage gibt´s ein frisches für den Frühstückstisch.

Im Seniorenheim haben die Berta und Helen kein Ei zurückgelassen. Dazu war die Zeit wohl auch zu kurz. Trotzdem war es ein Erlebnis, das auch auf anderen Stationen wiederholt werden soll. „Wir haben regelmäßig ehrenamtlich Besuch“, sagt Einrichtungsleiterin Kirsten Hermann und freut sich, wenn Lukas wiederkommt. Dann vielleicht mit anderen Hühnern. Denn er sucht immer nach Tagesform Tiere aus, die besonders ruhig sind.

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