Julius Bräuer befindet sich in den letzten Zügen von „Der Briefträger“. Davor hat er in Schwerte an der Ruhrakademie Regie studiert. Beim Film haben ihn namhafte Schauspieler unterstützt.

Schwerte

, 07.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dazu gedrängt hätten ihn seine Eltern nie, erzählt Julius Bräuer, zur sicheren und vermeintlich vernünftigen Berufswahl: Medizin studieren und Arzt werden, das erschien zunächst trotzdem als eine gute Option.

„Ich habe dann ein Praktikum im medizinischen Bereich gemacht, das hat mir aber nicht zugesagt. Ich habe gemerkt, dass ich es mir generell nicht vorstellen kann, jeden Tag einen geregelten Ablauf zu haben, von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags an einem Schreibtisch zu sitzen etwa“, erzählt der gebürtige Bremer.

Die Bewerbung hat er erst kurz vor knapp eingereicht

Also habe er sich in die Kreativszene verguckt, wollte Filmregie studieren. „Als ich mich schlussendlich entschieden habe, war die Auswahl für Studienorte auch nicht mehr so groß.“ Da fielen Kunsthochschulen in Großstädten, wie etwa die Folkwang Universität in Essen oder die Universität der Künste in Berlin für die Bewerbung schon flach. Schwerte sei aber auch „eine gute Wahl“ gewesen, findet Bräuer.

Eine Wohnung in der Ruhrstadt hat sich der Filmregisseur zu Beginn seines Studiums aber nicht gesucht. „Ich bin lieber nach Dortmund gezogen, da kommt man schneller in viele attraktive Gebiete.“ Dass er Schwerte, wie er sagt, „langweilig“ findet, habe aber nichts an seinem guten Urteil über die Ruhrakademie geändert.

Im Abschlussprojekt soll Bräuer zeigen, was er gelernt hat

An der privaten Bildungseinrichtung können seit 1985 freie Kreativberufe erlernt werden. Seit 1987 sitzt die Akademie im heute denkmalgeschützten Haus Ruhr in Wandhofen. Mittlerweile können neben Filmregie unter anderem Fotografie, Design oder Illustration studiert werden. Die Studierenden der Filmregie führen in ihrem Abschlussfilm Erlerntes in einem Projekt zusammen.

Als Julius Bräuer sich Gedanken um seinen Film machte, mussten zunächst tiefsinnige Figuren und eine spannende Handlung ersonnen werden. „Da hat mir meine Freundin den Input gegeben. Sie hatte die Idee, was wäre denn, wenn ein Briefträger in einem idyllischen Ambiente ein kurioses Hobby hat?“ Das wurde dann das Sammeln von Polaroids, die der Postbote Thorben beim Öffnen der Sendungen heimlich von den Empfängern schießt.

Wie ein Student aus Schwerte einen Film mit bekannten TV-Schauspielern dreht

„Der Briefträger“ wurde in Bremen und Niedersachsen gedreht. © Julius Bräuer

Der Plot ist keine leichte Kost

Im Film haben Thorben und seine Frau Paula vor einiger Zeit ihre Tochter Mathilda verloren. Die Mutter kommt über diesen Verlust nicht hinweg und fantasiert, das dreijährige Mädchen würde noch am Leben sein. Wie Thorben und Mathilda ihre Situation und damit einhergehende Konflikte überwinden, will Bräuer aber noch nicht verraten.

Für seinen Protagonisten hat er einen bereits mehrfach preisgekrönten Schauspieler gewinnen können: Constantin von Jascheroff. Neben der Auszeichnung als Bester Darsteller beim Förderpreis Deutscher Film 2005, gab es 2006 für „Falscher Bekenner“ auch den Preis als Bester Darsteller beim Deutsch-Türkischen Filmfestival. Seitdem wird der gebürtige Berliner auch häufig als Synchronsprecher gebucht, erst kürzlich für die Rolle des Archie in der Netflix-Produktion „Riverdale“.

Drehbuch hat Schauspieler gepackt und erschüttert

„Erstmal habe ich seiner Agentur geschrieben und denen das Drehbuch geschickt. Als ich keine Rückmeldung bekommen habe, habe ich es direkt bei Constantin probiert.“ Zeitgleich habe den das Skript erreicht und nach dem Lesen überzeugt: „Ihn hat das Drehbuch gepackt und gleichzeitig erschüttert. Er brauchte erstmal ein paar Tage, um das zu verdauen“, erzählt Julius Bräuer stolz. Die Thematik sei durchaus schwer verdaulicher Stoff, so der Regisseur.

„Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und über Anrufe und Whatsapp Kontakt gehabt. Constantin hat mir dann gesagt, wenn er etwas anfängt, dann richtig.“ Also ist von Jascheroff nicht nur Schauspieler, sondern auch Co-Produzent von „Der Briefträger“ geworden. Neben dem Berliner sind auch Bettina Zimmermann und Curd Berger im Cast der Produktion. Beide können auf eine lange Karriere in deutschen Fernsehfilmen zurückblicken.

Wie ein Student aus Schwerte einen Film mit bekannten TV-Schauspielern dreht

Regisseur Julius Bräuer (links) mit Co-Produzent und Haupstdarsteller Constantin von Jascheroff. © Julius Bräuer

Am Set lief dann alles rund

Die Hochkaräter am Set machen den Film für Bräuer noch bedeutender, als ein Abschlussprojekt ohnehin schon sein kann: „Ich erhoffe mir weit mehr von diesem Film, als etwa von denen, die ich im Studium schon gedreht habe.“ Beim sechstägigen Dreh in Bremen und Niedersachsen im Mai sei dann auch alles gut über die Bühne gegangen. „Es gab natürlich auch mal stressige Zeiten, wenn mal etwas von der Technik nicht gestimmt hat.“ Beim gemeinsamen Feierabendbierchen des Teams seien die aber nicht weiter von Belang gewesen, sagt der Bremer.

Nun geht es für Julius Bräuer und seine Mitstreiter an die Post-Produktion. Hierfür hat der Regisseur eine Seite auf dem Crowdfunding-Portal „Startnext“ eingerichtet. Dort kann für die kostspielige Bearbeitung von Bild- und Tonmaterial gespendet werden. „Da geht es zum Beispiel um das sogenannte Color Grading. Dabei werden die Bilder nachträglich eingefärbt oder entsättigt. Das kostet eine Menge Geld“, weiß Bräuer.

Wie ein Student aus Schwerte einen Film mit bekannten TV-Schauspielern dreht

Am Set herrscht höchste Konzentration. © Julius Bräuer

Kurzfilm mit Potenzial für mehr

Der Student hofft in den kommenden Wochen noch auf die finanzielle Unterstützung der Öffentlichkeit, und auch Bettina Zimmermann wolle die Kampagne noch auf ihrem Instagram-Kanal teilen. „Ich bin da optimistisch und sehr guter Dinge, dass das Geld zusammenkommt.“ Die alleine für die Soundbearbeitung veranschlagten 10.000 Euro wolle er zur Not aus eigener Tasche finanzieren, „es gibt ja keine andere Möglichkeit“, schließt Bräuer. Er sehe in dem Stoff viel Potenzial, um sogar einen Langfilm daraus zu machen.

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