Wie falsche Kommissare versuchen, eine Schwerter Rentnerin um ihr Geld zu bringen

rnBetrüger unterwegs

Der Anruf begann harmlos. „Guten Tag, mein Name ist Kommissar Klein.“ Wer sich schon immer gefragt hat, warum man auf Betrüger reinfällt: Der Fall Ingrid R. zeigt, wie gemein die Masche ist.

Schwerte

, 05.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Telefongespräch begann unverdächtig. „Guten Tag, mein Name ist Martin Klein, ich bin Kommissar bei der Kriminalpolizei in Schwerte.“ Ingrid R. (Name geändert) war zwar überrascht, aber nicht misstrauisch. Höflich sei er gewesen, der Kommissar Klein.

Am Telefon erklärte er dann der 84 Jahre alten Frau aus Wandhofen, dass die Polizei drei Rumänen festgenommen habe. Die hätten neben einer Tasche mit Einbruchswerkzeug auch ein Notizbuch dabei gehabt. Und in dem habe auch ihr Name und ihre Adresse gestanden. Um an die Hintermänner zu kommen, müsse man nun genau die letzten Tage rekonstruieren.

Los ging es mit unverdächtigen Fragen

Und die ersten Fragen des vermeintlichen Kommissars waren auch wenig verdächtig. „Ist Ihnen etwas aufgefallen, haben Nachbarn etwas beobachtet?“ Ingrid R. beantwortete wahrheitsgemäß. Sie erzählte, dass sie halbtags eine Haushaltshilfe habe, alleine in dem Haus wohne und eigentlich nichts gesehen habe. Der angebliche Kommissar behauptete, in dem Buch stünden Angaben zu ihren Vermögensverhältnissen und trug die Notizen vor. Ingrid R. korrigierte ihn. Nein, sie sei nicht vermögend und habe auch kein Schließfach bei der Bank.

Erst als der angebliche Polizist fragte, wann sie das letzte Mal Geld abgeholt habe, wurde sie misstrauisch.

Was wollen die falschen Kommissare?

„Geben Sie mir doch Ihre Telefonnummer, ich rufe Sie dann zurück.“ Der Mann am Telefon blieb ruhig und behauptete, er verbinde sie jetzt mit Kommissar Daniel Schwarz, der gerade in der Vernehmung der Rumänen sei. Der Mann, der sich dann am Telefon meldete, ging anders vor. „Der war gleich so aggressiv“, erzählt Ingrid R.: „Und als ich darauf bestanden habe, nun zurückzurufen, erklärte er, das könne ich über 110. Ich müsse mich dann nur mit dem Kommissariat für Raub verbinden lassen.“

Das tat Ingrid R. und landete nicht im Kommissariat, sondern bei der echten Polizei. Denn die Kommissare Klein und Schwarz gibt es dort nicht.

Es handelt sich um Betrüger mit einer ausgefeilten Masche. „Wir hatten am Mittwoch in Schwerte einige Anzeigen deshalb“, bestätigt Polizeisprecher Bernd Pentrop.

Doch was wollten die falschen Kommissare? Es handelt sich nicht um Einbrecher, sondern um klassische Betrüger. Die Täter hätten das Gespräch solange weitergeführt, bis sich eine Gelegenheit ergeben hätte, die Wertsachen der Opfer „in Verwahrung“ zu nehmen, bis die Hintermänner der Rumänen gefasst seien.

Mehrfache Anrufe und immer höherer Druck

„Deshalb hat Ingrid R. auch alles richtig gemacht“, sagt Bernd Pentrop. Denn wer das Gespräch abbricht, beendet zunächst auch den Betrugsversuch. Die Polizei kennt aber auch Fälle, in denen die Täter mehrmals angerufen haben, dabei wurde der Druck auf die Opfer immer weiter gezielt erhöht, wurden Verschwörungstheorien ausgebreitet. Am Ende telefonierte man nur noch über das Handy, erklärte, auch auf der Bank sei das Geld nicht sicher, zog die Gespräche in die Länge. Bis man die Opfer teilweise so weit hatte, dass sie sogar ihr Geld von der Bank abgehoben haben und den vermeintlichen Polizisten zur angeblich sicheren Aufbewahrung übergeben hatten.

„Der Anrufer wirkte am Telefon wie ein Psychologe“, bestätigt Ingrid R.. Sie hat sich vorsichtshalber Unterstützung bei einer Bekannten geholt, die vorübergehend bei ihr einzog. Und sie ärgert sich, dass sie dem vermeintlichen Polizisten so viel von sich preisgegeben hat. Doch gerade das ist die Masche der Täter, die in Einzelfällen auch die Telefonanlage so manipulieren, dass die 110 als Nummer des Anrufers auf dem Display erscheint.

Das sei übrigens ein deutliches Anzeichen, dass es sich um einen Betrugsanruf handelt, betont die Kripo.

Am Donnerstag häuften sich die Anrufe falscher Kriminalbeamter dann in Soest. Offensichtlich haben die „Kommissare Klein und Schwarz“ ihr Einsatzgebiet ein paar Kilometer nach Osten verlegt.

Das rät die Polizei

Was tun, wenn ich angerufen werde?

  • Falls Sie in Ihrem Telefondisplay die Notrufnummer der Polizei (110) ggf. mit einer Vorwahl sehen sollten, dann handelt es sich nicht um einen Anruf der Polizei.
  • Bei einem Anruf der Polizei erscheint nie die Rufnummer 110 in Ihrem Telefondisplay.
  • Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamtin oder Polizeibeamter aus, lassen Sie sich den Namen nennen und wählen Sie selbst die 110. Schildern Sie der Polizei den Sachverhalt. Geben Sie unbekannten Personen keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten.
  • Öffnen Sie unbekannten Personen niemals die Tür oder ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu.
  • Übergeben Sie unbekannten Personen niemals Geld oder Wertsachen, auch nicht Boten oder angeblichen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichten oder Geldinstituten.
  • Wenn Sie Opfer eines solchen Anrufes geworden sind, wenden Sie sich in jedem Fall an die Polizei und erstatten Sie eine Anzeige.
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