Wie geht es weiter bei Hoesch Schwerter Profile? 400 Mitarbeiter warten auf Entscheidung

rnInsolvenz-Eröffnungsverfahren

Nur bis Ende Februar bleibt Zeit, Hoesch zu retten. Es gibt angeblich Kaufinteressenten. Aber es wird auch über schmerzhafte Maßnahmen diskutiert.

Schwerte

, 20.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Schaltjahr verlängert die Frist um einen Tag. Doch die Stunde der Entscheidung naht für die Hoesch Schwerter Profile GmbH, nachdem das Amtsgericht Hagen im Dezember ein Isolvenzeröffnungsverfahren bekannt gemacht hatte. Nicht nur die rund 400 Beschäftigten, denen das Traditionsunternehmen Lohn und Brot sichert, fragen sich: Wie geht es weiter auf dem stadtteilgroßen Gelände an der Eisenindustriestraße? Das sollte bis Samstag, 29. Februar, klar sein. Denn dann endet die dreimonatige „Verschnaufpause“, in der die Arbeitsagentur die Zahlung von Löhnen und Gehältern über das Konkursausfallgeld übernimmt.

Die erste von drei Möglichkeiten wäre ein neuer Eigentümer

„Am 1. März gibt es dann drei Möglichkeiten“, sagt Jens Mütze, Geschäftsführer der zuständigen Industriegewerkschaft (IG) Metall in Hagen, auf Anfrage. Und spielt die Varianten theoretisch durch, die in solchen Fällen bleiben. Die erste wäre, dass es einen neuen Eigentümer gäbe. Wenn nicht, könnte die Firma im „richtigen“ Insolvenzverfahren weitergeführt werden, müsste dann aber die Personalkosten wieder selbst erwirtschaften. Dritte und letzte Möglichkeit wäre die Erkenntnis, dass sich der Betrieb nicht mehr lohne und geschlossen werde. „Ich gehe davon aus, dass das nicht eintritt“, betont Mütze: „Wir kämpfen alle, um Hoesch Schwerter Profile und die Arbeitsplätze für die Zukunft sicher zu machen.“

Profile von Hoesch, darauf war man in Schwerte immer stolz. Beim Bau des City-Centrums Anfang der 1980er-Jahre dienten sie sogar als Material für eine Kunstplastik.

Profile von Hoesch, darauf war man in Schwerte immer stolz. Beim Bau des City-Centrums Anfang der 1980er-Jahre dienten sie sogar als Material für eine Kunstplastik. © Reinhard Schmitz

Hinter verschlossenen Türen laufen deshalb offenbar intensive Gespräche des Betriebsrats mit dem Arbeitgeber. Zum Stand der Verhandlungen ist nach außen nichts bekannt. Es soll dabei aber auch um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan gehen. Das müsse aber nicht zwangsläufig Kündigung bedeuten, erklärt der IG-Metall-Geschäftsführer. Es könne beispielsweise auch sein, dass Arbeitsplätze nach dem Ausscheiden von Mitarbeitern nicht wieder besetzt werden. „Ich gehe davon aus, dass Personal reduziert wird“, sagt Jens Mütze. In welchem Umfang, das könne er jedoch nicht sagen.

Insolvenzverwalter entwickelt ein neues Konzept

Gleichzeitig muss ein neues Konzept für das Hoesch-Werk entwickelt werden. Der Insolvenzverwalter - so der Spitzen-Gewerkschafter weiter - prüfe, was möglich ist. Dann müsse er der Führungsebene deutlich machen: So stelle ich mir Hoesch Schwerter Profile für die Zukunft vor. „Das ist alles hochspannend“, sagt Jens Mütze. Seiner Kenntnis nach gebe es Interessenten für einen Kauf des Unternehmens. Genaueres könne in dieser Frage aber nur der vom Amtsgericht Hagen bestellte vorläufige Insolvenzverwalter sagen. Das ist der Dortmunder Rechtsanwalt Achim Thomas Thiele, der leider am Mittwochnachmittag wegen einer längeren Sitzung nicht erreichbar war.

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