Wie zwei Hunde die vermisste Sunny im Schwerter Wald aus misslicher Lage retteten

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Als Petra Kloß ihre Mischlingshündin Sunny am Samstag im Schwerter Wald ausführen will, büxt die Hündin aus. Sie bleibt bis Montag verschwunden. Zwei Artgenossen spüren sie schließlich auf.

Schwerte

, 11.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Samstagnachmittag, 15 Uhr: Petra Kloß will mit Mischlingshündin Sunny einen Spaziergang unternehmen im Schwerter Wald. Als die Hundebesitzerin auf dem Parkplatz die Autotür öffnet, kann sie gar nicht so schnell zupacken, wie Sunny sich davon macht. Mitsamt Leine und Geschirr rast die Hündin in den Wald. Eine verzweifelte Suche beginnt.

Die einjährige Sunny ist ein Hund aus dem Tierschutz. Seit einigen Monaten lebt sie bei Familie Kloß. Dort geht es ihr gut, aber schlechte Erfahrungen aus der Welpenzeit plagen Sunny noch immer. Petra Kloß: „Sie ist halt sehr ängstlich und fremden Menschen gegenüber äußerst scheu. Besonders große Angst hat sie vor Männern.“ Deshalb mag niemand in der Familie daran glauben, dass Sunny sich fremden Menschen anschließt oder gar von ihnen „einfangen“ lassen würde.

Am Wochenende veröffentlich Lara Kloß Suchmeldungen in sozialen Netzwerken, die Familie hängt Such-Plakate auf. Und tatsächlich gibt es Meldungen, dass Sunny gesehen worden sei. Aber alle Versuche der Familie, im Schwerter Wald und der Umgebung selbst auf Sunny zu stoßen, schlagen fehl.

Noelia und Luna nahmen schnell Sunnys Spur auf

Schließlich sucht Petra Kloß Rat bei Kerstin Herzog, in deren Villigster Hundeschule Sunny und ihr Frauchen schon Kurse absolviert haben. Inzwischen war es Montagabend. Kirsten Herzog alarmierte den Hundebesitzer Ralf Krause und mit ihren Hunden Noelia, einer sechs Jahren alten Golden-Retriever-Dame, und Luna, einer Labrador-Retriever-Hündin, hefteten sich die beiden an Sunnys Spuren.

Kirsten Herzog: „Beide Hunde haben Erfahrungen im Mantrailing. Wir haben sie an Sunnys Decke und an einem Stofftier schnuppern lassen und uns im Wald auf die Suche gemacht. Ganz schnell hatten wir den Eindruck, dass die beiden Hunde Sunnys Witterung aufgenommen haben.“ Irgendwann kamen die Hunde und ihre Führer allerdings nicht mehr weiter. Kirsten Herzog: „Aber wir geraten Petra Kloß geraten, unbedingt in diesem Dickicht noch einmal alleine zu suchen.

Im Dickicht mussten die Menschen schließlich alleine weitersuchen

Ganz offenbar hatten unsere Hunde dort eine vielversprechende Spur.“ Aus Sorge, man könne die ängstliche Sunny mit dem größeren Suchtrupp womöglich immer tiefer in den Wald hineintreiben, ließ das Mantrailing-Team die Familie alleine weitersuchen. Und in der Tat: Petra Kloß stieß 30 Minuten später im Dickicht auf die entkräftete Sunny. Sie hatte sich so mit der Leine an einem Ast verfangen, dass sie nicht mehr wegkam.

Die Wiedersehensfreude sei auf beiden Seiten groß gewesen, berichteten Petra Kloß und Tochter Lara am Dienstagabend. Sunny sei durstig und sehr hungrig gewesen. Lara: „Später haben wir ganz viel gekuschelt und Sunny hat geschlafen.“ Weil die Hündin nach ihrem „Ausflug“ humpelte, wurde sie am Dienstagnachmittag dem Tierarzt vorgestellt. Mit einer verbundenen Pfote kehrte sie von Dr. Wolf zurück. Offenbar ist das Tier zwischen Samstagnachmittag und Montagabend so viel herumgelaufen, dass es sich die Pfoten wund gelaufen hatte. Petra Kloß: „Ansonsten hat sie den Ausflug allerdings gut überstanden.“

Zur Belohnung gab es eine Menge Leckerchen für die Mantrailer

Das gilt auch für Noelia und Luna, die eigentlichen „Helden“ der Geschichte. Sie trafen am Dienstagabend zum ersten Mal auf Sunny, von der sie bis dahin ja nur den Geruch kannten. Während die Vierbeiner nur kurz Notiz voneinander nahmen, fiel der Dank von Petra Kloß an die beiden Hunde und ihre Halter sehr herzlich aus: „Ohne Euren Tipp wäre ich nicht in dieses Gestrüpp gegangen, und Sunny hätte sich kaum allein aus ihrer misslichen Lage befreien können. Wer weiß, was dann passiert wäre.“

Auf jeden Fall wären viel weniger Belohnungs-Leckerchen verspeist worden.

Der gute Geruchssinn ist entscheidend

Mantrailing

  • Beim Mantrailing (engl. man=Mensch und trail=verfolgen) wird der hervorragende Geruchssinn der Hunde genutzt. In der Regel geht es um die Suche nach Personen.
  • Im Unterschied zu anderen Suchhunden hat der Mantrailer gelernt, verschiedene menschliche Gerüche voneinander zu unterscheiden und sich trotz vieler Ablenkungen ausschließlich an den Geruchsmerkmalen der gesuchten Person zu orientieren.
  • Mantrailing macht Hunden Spaß, aber es strengt sie auch ungemein an.
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