Wo werden Privatpatienten von Ärzten in Schwerte bevorzugt? Wir machten einen Test

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Bekomme ich als Privatpatient beim Facharzt schneller einen Termin? Wir machten den Test und meldeten uns bei acht Schwerter Ärzten als Kassen- und als Privatpatient. Hier die Ergebnisse.

Schwerte

, 18.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Privatpatienten bekommen beim Arzt schneller Behandlungstermine. Dieses Vorurteil ist immer wieder zu hören. Wir haben in Schwerte getestet, ob die privat Versicherten bevorzugt werden.

Facharzttermine sind begehrt

Eine Studie im Jahr 2007 zeigte, dass ein gesetzlich Versicherter dreimal so lange auf einen Facharzttermin warten musste wie ein Privatversicherter. Die Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) 2018 ergab ebenfalls, dass Privatversicherte oft schneller an einen Termin kamen.

Einen Facharzttermin zu bekommen, kann also einen langen Atem erfordern. Wartezeiten von mehreren Monaten sind keine Seltenheit. Wir haben in Schwerte bei Fachärzten inkognito nach Behandlungsterminen gefragt.

Hautärzte und Kardiologen ausgelastet

Der Ablauf: Per Telefon haben wir Behandlungstermine bei Fachärzten der Disziplinen Dermatologie, HNO, Orthopädie und Kardiologie angefragt.

Nachdem uns bei den Ärzten ein Termin angeboten wurde, gaben wir uns als Privatpatienten aus und fragten nach kurzfristigeren Privatterminen.

Das Ergebnis der Tests

Die kontaktierten Hautärzte in Schwerte bieten für akute Anliegen offene Sprechstunden mit Wartezeit an, Termine werden erst wieder für Anfang Januar 2020 vergeben. Bei der Praxis von Dr. Papathanassiou wurde auf Nachfrage dann ein Privattermin für die folgende Woche angeboten, also zwei Monate früher als der Termin für Kassenpatienten.

Der Arzt erklärt auf unsere Anfrage, dass er bei akuten Fällen nicht zwischen den Versicherungsarten unterscheidet: „Jeder Patient kann jeden Tag zum Anfang der Sprechstunde kommen. Wenn jemand aber einen Termin möchte, muss er warten.“ Er räumt ein: „Zehn Prozent der Behandlungstermine werden für Privatpatienten reserviert.“ Hierbei handele es sich um ein variables Zeitfenster. Wenn ein Privatpatient absagt, wäre es aber auch möglich, dass ein Kassenpatient den Termin bekommt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

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Termine beim Kardiologen erst in sechs Monaten

Die Kardiologen hatten mit einem Vorlauf von durchschnittlich sechs Monaten die längste Wartezeit auf einen Termin. Auf Nachfrage wurde hier bei einer Praxis jedoch ein „Zwischentermin“ für Privatpatienten bereits für Anfang Februar angeboten. Allerdings: Bei einer vom Hausarzt bescheinigten Dringlichkeit wäre ein kurzfristiger Termin möglich gewesen – auch für Kassenpatienten.

Schnelle Termine bei HNO-Ärzten

Bei den HNO-Ärzten in Schwerte gibt es dagegen neben einer offenen Sprechstunde teilweise auch noch Termine am gleichen Tag – für Privat- und Kassenpatienten.

Bei einem Arzt wurde zuerst ein Termin in der nachfolgenden Woche angeboten, auf Nachfrage nach einem Privattermin dann bereits für den übernächsten Tag. Hierbei handelte es sich jedoch um einen Termin in „zweiter Reihe“ mit Wartezeit. Inwiefern das einen Zeitvorteil zur offenen Sprechstunde bietet, lässt sich nur mutmaßen.

Sonderbehandlung die Ausnahme

Auch bei den Orthopäden in Schwerte war keine Sonderbehandlung von Privatpatienten erkennbar. Die Wartezeit auf einen Termin bei den Ärzten variierte zwar zwischen zwei Tagen und fünf Wochen, jedoch wurde hier nicht zwischen den Versicherungsarten unterschieden. Getestet wurde auch die Gemeinschaftspraxis von Dr. Marx und Dr. Marhoumi. „Wir versuchen es organisatorisch so hinzubekommen, jedem so schnell wie möglich einen Termin zu geben“, sagt Dr. Abdelhalim El Marhoumi auf Anfrage. Dabei werde kein Unterschied gemacht, ob jemand privat oder gesetzlich versichert ist. Dennoch räumt Marhoumi ein, dass eine Bevorzugung aus rein wirtschaftlicher Sicht verständlich wäre: „Klar, ein Privatpatient zahlt bar, da muss man sich dann nicht mit der Krankenkasse rumschlagen.“

Abschließend lässt sich feststellen, dass Privatpatienten bei acht getesteten Fachärzten in Schwerte dreimal einen früheren Behandlungstermin erhalten hätten. (einer allerdings in „zweiter Reihe“).

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