"Wolkenkuckucksheim“ ist seit 2400 Jahren ein aktuelles Thema

Theater entgleist

SCHWERTE Über 2400 Jahre ist die Uraufführung nun her, bis heute hat Aristophanes’ Komödie „Die Vögel“ nichts an Brisanz und Komik verloren. Bei der Präsentation des Stückes „Wolkenkuckucksheim“ in der Rohrmeisterei stellte das Theater „entgleist“ dies eindrucksvoll unter Beweis.

von Von Marc Fröhling

, 14.03.2010, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sira schwingt sich zur Königin der Stadt über den Wolken auf und nutzt ihre Macht aus.

Sira schwingt sich zur Königin der Stadt über den Wolken auf und nutzt ihre Macht aus.

Diese Stadt, nach einigem Überlegen „Wolkenkuckucksheim“ genannt, wird die Basis für eine Herrschaft über sowohl Menschen als auch Götter, denn sie ist von einer Mauer umzogen und kann von niemandem einfach so passiert werden. Die Menschen wenden sich bald von den Göttern ab und preisen die neuen Herrscher, die Vögel. Sira, zur Königin ernannt und mit Flügeln ausgestattet, nutzt ihre Macht aus. Sie lässt Menschen, die ihr ihre zweifelhaften Dienste anbieten (Seher, Dichter, Rechtsanwälte) auspeitschen und verhandelt listig mit den Göttern.

So ernst die Geschichte auch scheinen mag, oft wurde sie von komischen Momenten aufgelockert, in denen zum Beispiel der einzige männliche Darsteller (Lukas Neuhausen) in rosa Strumpfhose und Tutu einen Flamingo darstellte oder eine Stimme aus dem Off dem Publikum ohne Umschweife die Vorteile des Fliegens aufzählte. Große Lacher erntete auch ein zum Verhandeln erschienener Gott, der in Gestik und Sprache sehr stark einem Primaten ähnelte.

Zum Nachdenken das Ende: Protagonistin Sira (Lisa Scharer) legte sich schlafen, wachte zu den Klängen von Massive Attacks „Teardrop“ wieder auf und verließ mit vor Verwunderung geweiteten Augen die Bühne. Dabei legte sie alle Zeichen ihrer Macht nieder, um ihrer unheilvollen Verantwortung zu entgehen. Das Publikum sah sich unausweichlich mit der Problematik von Macht und Machtmissbrauch konfrontiert. 

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